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Pfund sackt nach Schotten-Umfrage ab

Die Stimmung kippt: Eine Mehrheit der Schotten will sich laut Umfrage von Grossbritannien abspalten. Für die britische Währung sind das schlechte Nachrichten.

Hat in den letzten Tagen kontinuierlich verloren, am Wochenende gings auf einen Schlag bergab: Der Verlauf des britischen Pfundes zum Dollar.
Hat in den letzten Tagen kontinuierlich verloren, am Wochenende gings auf einen Schlag bergab: Der Verlauf des britischen Pfundes zum Dollar.

Heute fiel die Währung gegenüber dem amerikanischen Dollar um ein Prozent auf 1,6165 Dollar und war damit so billig wie zuletzt Ende November 2013. Auch zum Euro gab das Pfund nach, und zum Franken sank das Pfund von 1,520 am Freitagabend auf 1,506 Franken heute Morgen. Am Wochenende hatte eine Umfrage erstmals eine Mehrheit für eine Abspaltung Schottlands vom Vereinigten Königreich ergeben. Die Schotten werden am 18. September darüber abstimmen, ob sie weiter zu Grossbritannien gehören oder einen eigenständigen Staat haben wollen.

Die Furcht der Anleger vor den Folgen einer möglichen Abspaltung machte auch den Aktienkursen der Royal Bank of Scotland (RBS) und von Lloyds zu schaffen. Mit einem Kursminus von jeweils mehr als zwei Prozent gehörten die beiden Grossbanken mit Sitz in Schottland zu den grössten Verlierer im Londoner Auswahlindex FTSE.

Von 1.72 auf 1.62 Dollar

Anleger hätten bislang damit gerechnet, dass die Schotten sich gegen eine Loslösung von Grossbritannien aussprechen werden, sagte Jesper Bargmann, Chefhändler der Nordea Bank in Singapur.

Die Abstimmung sei nur der Auftakt für eine Phase der Unsicherheit, warnten die Analysten der Barclays Bank. Schliesslich gebe es viele ungeklärte Fragen. Hierzu gehörten die Aufteilung von Vermögenswerten, die Auswirkungen auf die Steuereinnahmen und die Wahl einer schottischen Währung.

Das britische Pfund büsste bereits im asiatischen Handel zwischenzeitlich rund ein Prozent seines Wertes ein und fiel dabei auf den tiefsten Stand des Jahres. Noch Mitte Juli notierte das Pfund bei knapp 1.72 pro Dollar. In den folgenden Wochen gab die Währung der Insel auf rund 1.68 Dollar nach. Der Hammerschlag folgte am Wochenende. Mit den Umfrageresultaten aus Schottland, die nun erstmals eine Mehrheit für eine Unabhängigkeit ergeben, sackte das Pfund auf unter 1.62 Dollar ab.

Panisches Entgegenkommen aus London

In der Untersuchung des Instituts YouGov für die Zeitung «Sunday Times» sprachen sich 51 Prozent der befragten schottischen Stimmberechtigten für die Abspaltung von Grossbritannien aus, 49 Prozent waren dagegen. Obwohl sich der Vorsprung von zwei Prozentpunkten noch innerhalb der statistischen Fehlermarge bewegte, sorgte die Umfrage für Jubel bei den Verfechtern der Unabhängigkeit, allen voran Regierungschef Alex Salmond und seiner Schottische Nationalpartei. Sie sehen einen Aufwärtstrend ihrer Bewegung verfestigt, der sich seit einigen Wochen abzeichnet.

Offenbar in Reaktion auf den Meinungsumschwung in den Umfragen versprach der britische Finanzminister George Osborne Schottland am Sonntag eine grössere finanzielle Autonomie, sollte es sich für einen Verbleib in der seit 300 Jahren bestehenden Union mit England entscheiden. Darauf habe sich die Regierungskoalition aus Konservativen und Liberaldemokraten mit der oppositionellen Labour-Partei geeinigt, sagte Osborne der BBC. Noch in den kommenden Tage werde London einen Aktionsplan verkünden, der den Schotten mehr Vollmachten bei «Steuer, Ausgaben und der Gestaltung des Wohlfahrtstaats» gebe.

Für den britischen Premierminister David Cameron wäre ein Ja der Schotten zur Unabhängigkeit ein schwerer Schlag. Nach einem Bericht der «Sunday Times» sieht er sich wachsendem Druck ausgesetzt, in dem Fall sein Amt zur Verfügung zu stellen. Cameron sollte am Sonntag ins schottische Balmoral reisen, wo sich Königin Elizabeth II. in ihrer Sommerresidenz aufhielt. Nach Informationen der «Sunday Times» sorgt sich die Queen sehr über den Ausgang des Referendums und will täglich über die Stimmung auf dem Laufenden gehalten werden.

AFP/sda/cpm

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