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Philippe Gaydoul will bei Navyboot komplett aussteigen

Der Investor verkauft die Markenrechte an Globus und möchte auch die verbleibenden Läden abstossen.

Philippe Gaydoul in einem Navyboot-Geschäft in Berlin. Foto: Vera Hartmann (13 Photo)
Philippe Gaydoul in einem Navyboot-Geschäft in Berlin. Foto: Vera Hartmann (13 Photo)

Es ist selten, dass Unternehmer einmal Fehler einräumen. Denner-Erbe Philippe Gaydoul tut es: «Hätte ich vor 10 Jahren gewusst, in welchem Tempo sich diese Branche verändern wird, hätte ich vermutlich anders gehandelt», sagt er auf die Frage, ob der Kauf der Schuh- und Accessoires-Marke Navyboot im Jahr 2008 ein Irrtum war.

Nun beendet Gaydoul das Engagement und verkauft die Marke sowie 14 Standorte an die Mig­ros-Tochter Globus zu einem nicht genannten Preis zum Jahreswechsel. Die andere Hälfte der Shops verbleibt aber zunächst bei Gaydoul, die er als Lizenznehmer weiterführen will. Offenbar wollte Globus nicht alle Standorte.

Globus erklärt, dass die Transaktion ein sogenanntes Asset- Geschäft sei, bei dem die Migros-Tochter also nur bestimmte Vermögenswerte wie die Marke und die wichtigsten Standorte übernehme. «Das Unternehmen Navyboot bleibt im Besitz der Gaydoul Group», hiess es.

Philippe Gaydoul will indes langfristig komplett aussteigen: «Wir werden die Shops sicher nicht auf lange Sicht behalten.» Ein brutales Ende soll es aber nicht geben, er verspricht, «für alle Beteiligten eine gute Lösung finden» zu wollen. Und ergänzt: «Wir schauen jetzt jeden Shop an und entscheiden von Fall zu Fall über die Zukunft.»

Ausstieg mit Verlust

Mit dem Verkauf von Navyboot dürfte der Denner-Erbe vermutlich Verlust gemacht haben. 2008 hatte er die Marke für geschätzte 110 Millionen Franken von den Gründern Bruno und Flavio Bencivenga übernommen. Doch Gaydoul hatte mit dem Ausflug ins Modebusiness kein Glück, obwohl er nach der Übernahme noch einmal einen zweistelligen Millionenbetrag investierte.

Damals waren Onlinewettbewerber wie Zalando noch kein Thema. Doch Kritiker werfen Navyboot vor, ein eher unscharfes Markenprofil zu haben. «Auch für eine renommierte Marke ist es im derzeitigen Umfeld sehr schwer, alleine ohne grösseren Partner zu bestehen», entgegnet Gaydoul. Daher sei Globus, mit dem die Marke seit Jahren zusammenarbeitet, der richtige Käufer.

Das Warenhaus Schild, das in Globus aufgegangen ist, vertreibt seit zehn Jahren eine Damen-und-Herren-Kollektion unter der Marke Navyboot. Den Umsatz damit beziffert Globus auf 30 Millionen Franken. Durch die Ergänzung mit Schuhen soll nun die Marke innerhalb von Globus gestärkt werden. «Wir sind von der Marke Navyboot überzeugt – sie hat noch viel Potenzial», erklärte laut Medienmitteilung Globus-Chef Thomas Herbert.

Gaydoul behält Jet Set

Mit dem Verkauf von Navyboot zieht sich Gaydoul und die von ihm geführte Gruppe ein Stück weit mehr aus dem Handels­geschäft zurück, das einst den Reichtum der Familie begrün­dete. Philippes Gaydouls Grossvater Karl Schweri hatte 1951 die Mehrheit der Import- und Grosshandels AG übernommen, zu der auch Denner gehörte. 2007 verkaufte Gaydol den erfolgreichen Discounter dann für eine geschätzte Milliarde Franken an die Migros.

Das Geld reinvestierte er zum Teil in Marken wie Navyboot oder den Strumpfhersteller Fogal und das Modelabel Jet Set. Fogal stiess er bereits 2015 ab, das Unternehmen musste später Konkurs anmelden. Nun folgt der Verkauf von Navyboot. «Von einem Rückzug aus dem Handelsgeschäft kann keine Rede sein», sagt Gaydoul, «wir behalten ja die Marke Jet Set, die ebenfalls eigene Stores hat.»

Keine Familiendifferenzen

Meldungen über den bevorstehenden Navyboot-Verkauf hatte es bereits am vergangenen Wochenende gegeben. Darunter waren auch Berichte, dass es wegen der andauernden Verluste von Navyboot innerhalb der Familie Differenzen gegeben habe. «Meine Mutter und ich verstehen uns blendend. Da gibt und gab es keine Differenzen», sagt Philippe Gaydoul dazu.

Das Geld aus dem Denner-Verkauf steckt in Immobilien an Zentrumslagen sowie in einer Vermögensverwaltung und Beteiligungen. Und Gaydoul will weiter investieren. Welche Branchen für ein Neuengagement infrage kommen, darüber schweigt sich der Investor aus. In die Mode- und Handelsbranche dürfte die Familie aber vermutlich nicht so schnell wieder investieren.

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