Pierin Vincenz verlässt Leonteq

Der frühere Raiffeisen-Chef gibt das Amt als Präsident der kriselnden Finanzfirma auf. Die Börse reagierte sofort.

Pierin Vincenz an einer Medienkonferenz des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Bild: Keystone/Walter Bieri

Pierin Vincenz an einer Medienkonferenz des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Bild: Keystone/Walter Bieri

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Aktienkurs von Leonteq schnellte gestern Morgen an der Börse um 10 Prozent nach oben, als bekannt wurde, dass Pierin Vincenz als Präsident des Zürcher Spezialisten für strukturierte Finanzprodukte den Hut nimmt. Deutlicher konnten die Anleger nicht sagen, dass sie Vincenz als Belastung für das Unternehmen betrachteten. Der ehemalige Raiffeisen-Chef Vincenz hatte keine glückliche Hand bewiesen. Als er im Frühling 2016 zum Präsident des Verwaltungsrats von Leonteq gewählt wurde, setzte er durch, dass die Obergrenze für seine Entschädigung als Präsident auf 750’000 Franken erhöht wurde. Sein Vorgänger verdiente im letzten Jahr als Präsident mit 330’000 Franken nur fast halb so viel.

Ein Jahr später musste Vincenz diesen Frühling an der GV den versammelten Aktionären eingestehen, sein Lohn sei «viel zu hoch» gewesen, und sich für das «schlechte» Geschäftsjahr 2016 von Leonteq entschuldigen. Die Aktionäre wählten ihn mit dem schlechtesten Ergebnis aller Verwaltungsräte wieder, sein Lohnpaket für 2017 wurde auf 350’000 Franken limitiert. Der Ärger der Firmeneigner war verständlich. Leonteq war im zweiten Halbjahr 20 Millionen Franken tief in die Verlustzone abgerutscht – im ersten Semester hatte die Firma noch 37 Millionen Franken Gewinn erzielt.

Vincenz war bis September 2015 Chef von Raiffeisen. Mit dem Aufbau einer Beteiligung an Leonteq hatte er in dieser Funktion der Genossenschaftsbank-Gruppe einen Problemfall ins Haus geholt. Vincenz liess das Leonteq-Paket ab 2013 stetig aufstocken lassen, derzeit hält Raiffeisen noch 29 Prozent an der Firma. Doch die Erwartungen erfüllten sich nicht – Leonteq stürzte an der Börse ab. Nachdem die Firma kurz vor Weihnachten eine Gewinnwarnung absetzen musste, sackte der Kurs bis im Frühling deutlich unter 30 Franken ab – Leonteq war an der Börse weniger als halb so viel wert wie noch im Sommer 2016. Raiffeisen kam nicht mehr um einen Riesenabschreiber herum – die Bank berichtigte den Wert ihrer Beteiligung an Leonteq in der Bilanz um 69 Millionen Franken nach unten. Vincenz gab sich in der Folge als Verwaltungsratspräsident von Leonteq mit einem Lohn von einer halben Million Franken zufrieden.

Im ersten Halbjahr 2017 hat Leonteq nun knapp die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft – mit 1,2 Millionen Franken. Doch für Vincenz war es zu spät, zu viel war schiefgelaufen. Dass die Finanzmarktaufseherin Finma 2015 bei Leonteq 3,2 Millionen Gewinn aus Marktmanipulation einzog, deutete auf Mängel in der Aufsicht hin. Zudem will Raiffeisen möglichst viel Distanz zu dem Problemfall halten. Jedenfalls kündigte Leonteq gestern an, neben Vincenz ziehe sich auch Patrik Gisel aus dem Verwaltungsrat zurück. Gisel stieg 2015 als Nachfolger von Vincenz zum Chef von Raiffeisen auf und sass ebenfalls im Kontroll­gremium von Leonteq. Raiffeisen ­delegiert künftig ein rangniedrigeres Mitglied der Geschäftsleitung in den Leonteq-VR ab. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.07.2017, 08:52 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Blogs

Sweet Home So geht der «Sleek Chic»

Geldblog Warum zu viel Cash ein schlechtes Geschäft ist

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Adieu und Adiós: Die Matrosen des mexikanischen Segelschulschiffs Cuauhtémoc haben für die grosse Parade auf der Seine die Masten erklommen. Die Fahrt zum Meer bildet den Abschluss der Armada von Rouen, eine der wichtigsten maritimen Veranstaltungen Frankreichs. (16. Juni 2019)
(Bild: Charles Platiau) Mehr...