Pilatus unter Korruptionsverdacht

Indische Behörden ermitteln gegen einen Geschäftsmann, der von Pilatus eine Million Franken erhalten haben soll.

Zwei PC-7-Flieger von Pilatus bei einem Flug in Payerne. Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Zwei PC-7-Flieger von Pilatus bei einem Flug in Payerne. Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

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Seit Juni führt die indische Antikorruptionsbehörde CBI eine Voruntersuchung gegen den Flugzeughersteller Pilatus in Stans NW. Gemäss einem Bericht der Westschweizer Zeitung «24 Heures» geht es um den Verkauf von 75 Trainings­flugzeugen des Typs PC-7 an die indische Luftwaffe. Der Liefervertrag war im Mai 2012 unterschrieben worden. Das Volumen wurde auf über 500 Millionen Franken geschätzt. Pilatus-Chef Oskar J. Schwenk bezeichnete den Deal als grössten Vertrag in der Firmengeschichte.

Im Visier der Behörden steht der indische Geschäftsmann Sanjay Bhandari, der als Vermittler in diesem Geschäft agiert haben soll. Die Tageszeitung «The Hindustan Times» berichtete im Mai 2016 unter Berufung auf staatliche Quellen, dass Pilatus 2010 eine Million Franken in zwei Tranchen auf das Konto von Bhandaris Beratungsgesellschaft Offset India Solutions überwiesen hatte – zwei Jahre bevor der Vertrag mit der Regierung unterzeichnet worden war.

Dem Geschäftsmann Bhandari werden beste Beziehungen zum politischen Establishment nachgesagt, insbesondere zum Gandhi-Clan, der die regierende Kongresspartei dominierte. 2014 wurde die Partei nach einer Wahlniederlage gegen die ultranationalistische Bharatiya-Janata-Partei (BJP) in die Opposition gedrängt.

«Nie informiert worden»

Sanjay Bhandari tauchte kurze Zeit danach auf dem Radar der Steuerbehörden auf. Er wurde wegen des Verdachts auf Geldwäscherei und Steuerhinterziehung einvernommen. Es kam zu Hausdurchsuchungen und sein Pass wurde gesperrt. Trotzdem gelang es ihm, sich Ende 2016 nach London abzusetzen. Die Ermittler blockierten mittlerweile Bhandaris Vermögenswerte in Indien.

Bei Pilatus will man sich zu den Ermittlungen nicht äussern. Auf TA-Anfrage erklärt ein Sprecher lediglich, dass «Pilatus von Indien nie offiziell bezüglich einer Untersuchung informiert wurde». Das Bundesamt für Justiz erklärt, dass bis jetzt kein Gesuch um Rechtshilfe aus Indien eingetroffen sei.

2015 wurde die letzte der 75 Maschinen ausgeliefert. Laut Vertrag hätte Indien die Möglichkeit gehabt, weitere PC-7 zu den gleichen Konditionen zu bestellen. Im März 2015 entschied das Verteidigungsministerium, weitere 38 Maschinen zu ordern. Doch dann wurden die Untersuchungen gegen Bhandari bekannt. Mitte Juli machte «The Hindustan Times» publik, dass die indische Regierung den auf Ende 2016 terminierten Vertrag mit Pilatus nicht erneuert hatte.

Neben dem Pilatus-Vertrag untersucht die Antikorruptionsbehörde gemäss indischen Medien auch Beziehungen von Sanjay Bhandari zum fran­zösischen Rüstungskonzern Thales und zu EADS. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2017, 11:22 Uhr

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