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Piloten erhöhen Druck auf Lufthansa

Am dritten Tag ist kein Ende des Streiks bei der Lufthansa zu erkennen. Die Piloten verlangen ein verbessertes Angebot. Für eine Schlichtung sehen sie kein Fundament.

30'000 Passagiere müssen umplanen: Ein Reisender steht vor der Anzeigetafel am Frankfurter Flughafen (25. November 2016).
30'000 Passagiere müssen umplanen: Ein Reisender steht vor der Anzeigetafel am Frankfurter Flughafen (25. November 2016).
Arne Dedert, AFP

Ein Ende des Arbeitskampfes sei nicht absehbar, erklärte der Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, am dritten Tag des Pilotenstreiks der Lufthansa in Frankfurt. «Es gibt kein vorher festgelegtes Enddatum für den Streik», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

Erklärtes Streikziel sei es, von der Lufthansa ein verhandlungsfähiges Angebot zu erhalten. Sobald dies vorliege, könne der am Mittwoch begonnene Arbeitskampf beendet werden. Dies sei Konsens unter den Gewerkschaftsmitgliedern. «Die Kollegen erwarten, dass wir die Lufthansa nicht mit Samthandschuhen anfassen.»

Am Freitag fallen wegen des Streiks erneut 830 Lufthansa-Flüge aus. Betroffen seien alle innerdeutschen und Europaflüge mit zusammen mehr als 100'000 Reisenden, teilte Lufthansa mit. Die Langstreckenflüge würden hingegen «nahezu planmässig» starten. Vereinzelt könnten aber noch Verbindungen wegen des vorherigen Streiktages ausfallen.

Schweiz wie an den Vortagen betroffen

Die Schweiz ist am Freitag analog zu den zwei Streiktagen Mittwoch und Donnerstag betroffen. So fallen laut Lufthansa zehn Verbindungen zwischen Zürich und Frankfurt aus. Zudem streicht die deutsche Fluggesellschaft sechs Verbindungen zwischen Genf und Frankfurt. Die Flüge zwischen Basel und Frankfurt sollen plangemäss stattfinden.

Andere Verbindungen zwischen der Schweiz und Hamburg sowie München bleiben von den Arbeitsniederlegungen verschont, da die Tochterunternehmen der Lufthansa, Swiss und Germanwings, diese Flüge durchführen. Flüge der Billigtöchter Eurowings und Germanwings sowie der Konzerngesellschaften AUA, Swiss, Brussels und Air Dolomiti werden nicht bestreikt.

30'000 Passagiere müssen umplanen

Auch am Samstag wollen die Piloten streiken. Es seien alle Langstreckenverbindungen betroffen, die in dieser Zeit aus Deutschland abfliegen sollen, hatte die Gewerkschaft am Donnerstagabend mitgeteilt.

30'000 Passagiere müssen umplanen. Laut Lufthansa werden 137 Flüge gestrichen, darunter 88 Interkontinental-Verbindungen. Wegen des seit Mittwoch laufenden Ausstands werde es auch noch «vereinzelte Streichungen» auf Kurz- und Mittelstrecken geben, erklärte das Unternehmen. Flugverbindungen zur Schweiz sind dieses Mal laut dem auf der Webseite aufgeschalteten Sonderflugplan nicht betroffen.

Die Gesamtzahl der Flugausfälle seit Streikbeginn belaufe sich auf 2755; mehr als 345'000 Passagiere seien betroffen, teilte die Lufthansa mit.

Konflikt weiter verfahren

Die Lufthansa forderte die Piloten zu einer Schlichtung auf. Schon jetzt zahle die Airline ihren Piloten mehr als bei anderen Fluggesellschaften üblich. Das Management sei für mehr als 120'000 Mitarbeiter verantwortlich und wolle den Konzern zukunftsfähig aufstellen, sagte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister am Donnerstag.

Im bis April 2014 zurückreichenden Tarifkonflikt hatte Lufthansa den Piloten zuletzt ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten. Die Vereinigung Cockpit lehnt das ab. Sie verlangt Tariferhöhungen von insgesamt 22 Prozent für die Zeit bis einschliesslich April 2017.

Handwerg bestätigte, dass die Vereinigung Cockpit für kommenden Mittwoch (30. November) eine Demonstration am Frankfurter Flughafen angemeldet hat. Das sei vorsorglich geschehen. Es gebe den Wunsch der Mitglieder, Einigkeit zu demonstrieren, wenn das zu diesem Zeitpunkt noch notwendig sein sollte. Ob bis zum Mittwoch gestreikt werde, stehe nicht fest, sondern hänge vom weiteren Verhalten der Lufthansa ab.

Aktionäre werden nervös

Der anhaltende Pilotenstreik schlägt zunehmend auf die Aktien der Lufthansa durch. Am Freitag gaben die Papiere zwischenzeitlich um 0,67 Prozent auf 12,56 Euro nach. Seit der ersten Ankündigung am Montag haben die Papiere bislang gut 2,5 Prozent an Wert verloren.

Börsianer fürchten einen Imageschaden. Mit längerer Streikdauer drohe mehr als nur ein finanzieller Verlust, den Geschäftsleitungsmitglied Harry Hohmeister zuletzt auf etwa 10 Millionen Euro täglich bezifferte. Hohmeister hatte am Vortag eingeräumt, bei den mittelfristigen Buchungszahlen sei die Zurückhaltung der Fluggäste zu spüren.

SDA/kko

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