Post hält am Drohnenprogramm fest

Eine Postdrohne stürzte in unmittelbarer Nähe von spielenden Kindern ab. Der gelbe Riese macht weiter, hat aber Sofortmassnahmen beschlossen.

Eine Drohne der Post fliegt über den Campus der ETH Zürich. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Eine Drohne der Post fliegt über den Campus der ETH Zürich. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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Die Schweiz ist eines der führenden Länder bei der Entwicklung der Drohnentechnologie. Doch am 9. Mai 2019 stürzte eine Testdrohne der Schweizerischen Post über einem Waldstück bei Zürich ab. Der gestern veröffentlichte Zwischenbericht der Schwei­zerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) bringt nun brisante Details an den Tag. Die Drohne «schlug ungebremst in der Nähe von spielenden Kindern» in etwa 50 Metern Entfernung auf, heisst es darin.

Dabei handelte es sich um eine Kindergartenklasse der Schuleinheit Weinberg Turner. Sie verbringt jeden Donnerstag im Waldstück am Zürichberg. «Plötzlich hörten wir ein fürchterliches Geräusch, so, als käme gerade ein Sturm auf», erzählt die Kindergärtnerin. Dann hätten sie das Geräusch von einem Gegenstand vernommen, der auf die Blätter und Äste aufschlug, und sahen schliesslich zu, wie dieses viereckige Etwas auf den Boden aufschlug.

Zeugin: «Es war surreal»

«Es war absolut surreal», sagt die Kindergärtnerin. Dann erst begriffen sie, dass das die Drohne sein musste, die sie in den Wochen zuvor stets zur gleichen Zeit über ihre Köpfe fliegen gesehen hatten. Die Kindergärtnerin sagt: «Wir konnten beinahe die Uhr nach ihr stellen.» Auch sonst ist der Ort stark frequentiert mit Freizeitsportlern und Spaziergängern.

Der Zwischenfall ging glimpflich aus: Weder die Kleinen noch die beiden Betreuerinnen wurden verletzt. Die Kindergärtnerin sagt: «Wir hatten einen Schutzengel.» Die Drohne verfügt immerhin ein maximales Abfluggewicht von 13 Kilogramm. Der Mini-Helikopter des US-Herstellers Matternet ist beim Aufprall zerschellt. Die Kindergärtnerin hat den Kindern verboten, sich der Drohne zu ­nähern. Die Polizei war in Kürze vor Ort.

Es war bereits der zweite Vorfall mit einer Postdrohne innerhalb kurzer Zeit. Bei der ersten Panne von Anfang Jahr haben aber die Sicherheitsmassnahmen funktioniert – sprich, es kam zu einer kontrollierten Notlandung im Zürichsee.

Trotz der Rückschläge hält die Post an ihrem Vorhaben fest, den neuen Geschäftsbereich Drohnenlogistik aufzubauen. 

Die Untersuchungsstelle konnte rekonstruieren, wie sich der Absturz abgespielt hat. Die Drohne hatte testweise Blutproben vom Universitätsspital Zürich zur Universität Zürich transportiert. Der Unfall ereignete sich beim Rückflug. Etwa zwei Minuten nach dem Start bei der Universität Zürich löste die Drohne automatisch das Flugabbruchsystem aus und leitete eine Notlandung ein. Nach dem Ausstossen des Fallschirms riss die Verbindungsleine, und die Drohne fiel unkontrolliert zu Boden.

Muss eine Transportdrohne notlanden, ertönt normalerweise ein schriller Pfeifton, um umherstehende Personen zu warnen. Der Bericht kommt ­jedoch zum Schluss, dass weder die Kinder noch die beiden ­Frauen einen solchen gehört ­haben. Warum genau die Drohne den Flug abgebrochen hat, untersucht die Behörde derzeit noch. Sie stellt weitere Erkenntnisse für den Schlussbericht in Aussicht.

Trotz der Rückschläge hält die Post an ihrem Vorhaben fest, den neuen Geschäftsbereich Drohnenlogistik aufzubauen. Un­mittelbar nach dem Absturz hatte die Post alle ihre Drohnenflüge eingestellt. Dies gilt nach wie vor. Darüber hinaus hat das Unternehmen auf die Empfehlungen der Untersuchungsbehörden reagiert.

«Ein Versagen des Fallschirms ist inakzeptabel.»Sprecher von Matternet

Zum einen wurde ein Expertenrat für Drohnenflüge einberufen. Dieser soll sämtliche Prozesse, die das Sicherheits- und Risikomanagement betreffen, durchleuchten. Ziel sei es, dieses an die üblichen Standards der Luftfahrt anzugleichen. Dabei spart die Post nicht mit Kritik an ihrem kalifornischen Partner Matternet. Man «erwartet vom Hersteller der Drohne, dass die Sicherheitsmechanismen wie etwa der Fallschirm einwandfrei funktionieren».

Hersteller Matternet zeigt sich zerknirscht: «Ein Versagen des Fallschirms ist inakzeptabel», erklärte ein Sprecher. Das Unternehmen arbeite daran, das Problem zu lösen. Als Sofortmassnahme werden die Seile des Fallschirms neu mit einem Metallgeflecht verstärkt. Der Fallschirm wird künftig mit zwei statt nur einem Seil an der Drohne befestigt. Schliesslich wird das akustische Warnsignal lauter eingestellt, das bei einer Sicherheitslandung der Drohne die Personen in der Nähe warnt.

Post prüft Flugrouten

Auch die Flugrouten für künftige Tests stehen auf dem Prüfstand, wie die Post bestätigt. Die Luftwege legt die Post jeweils gemeinsam mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt, der Stadt, dem Kanton und Matternet fest. «Dabei gilt, dass wir, wenn immer möglich, über unbewohntem Gebiet fliegen», sagt Post-Sprecherin Léa Wertheimer. Schulen, Kindergärten oder Sportplätze «werden prinzipiell nicht überflogen».

Die Schweizer Branche dürfte genau hinschauen, was die Ereignisse für sie bedeuten. Zahlen aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass hierzulande etwa 80 professionelle Drohnenfirmen tätig sind. Sie stammen in den meisten Fällen aus dem Umfeld der Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne. Die Betriebe beschäftigen zusammen über 2500 Mitarbeiter. Der weltweite Markt wächst schnell. Er ist schätzungsweise 40 Milliarden Dollar schwer. Im Jahr 2005 waren es 2 Milliarden gewesen. In einem Jahrzehnt dürften die Erlöse 100 Milliarden erreicht haben.

Erstellt: 29.06.2019, 10:25 Uhr

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