Schlechte Nachrichten für die Post-Angestellten

Der neue Postchef trimmt den Staatsbetrieb auf Effizienz und holt sich dazu McKinsey-Berater ins Haus. Das bedeutet für Jobs selten Gutes.

Überschneidungen bei der Endzustellung lässt die Post nun überprüfen: Ein Pöstler in Rapperswil bei der Arbeit. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Überschneidungen bei der Endzustellung lässt die Post nun überprüfen: Ein Pöstler in Rapperswil bei der Arbeit. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Kundinnen und Kunden der Schweizerischen Post erhalten heute unter Umständen viermal pro Tag Besuch. Wenn der Frühzusteller den Zeitungsabonnenten ihre Morgenlektüre bringt, ist meist noch tiefste Nacht. Etwas später verteilt die Pöstlerin auf ihrem Elektrotöff die Briefpost und meist auch kleinere Pakete. Dann folgen die Zusteller der Firma Direct Mail. Sie verteilen zum Beispiel Werbeprospekte. Vor allem im städtischen Raum kommt zudem irgendwann noch der Paketpöstler vorbei und bringt die grossen Sendungen. Was die vier gemeinsam haben: Alle arbeiten, entweder über eine Tochterfirma oder direkt, für die Post.

Diese Überschneidungen bei der Endzustellung auf der sogenannt letzten Meile lässt die Post nun überprüfen. Dazu hat sie einen Auftrag an die Beraterfirma McKinsey vergeben. Im Rahmen der nun laufenden Untersuchung würden die «postalischen Verarbeitungsprozesse auf Effizienz- und Synergiepotenziale überprüft», bestätigt ein Postsprecher. Daraus will die Post dann kurz-, mittel und langfristige «Handlungsempfehlungen» ableiten. Konkret geht es um den gesamten Vertrieb von Brief- und Paketpost.

Der Sprecher sagt, dass es zu diesem frühen Zeitpunkt der Überprüfung unseriös sei, bereits Aussagen zu organisatorischen Veränderungen auf der letzten Meile zu machen. Wie das Beispiel bei der Endzustellung zeigt, gibt es aber durchaus Synergiepotenzial bei den beteiligten Postdivisionen und Tochterfirmen.

Sollten Abläufe angepasst und vielleicht auch vereinfacht werden, ist klar, dass auch das Personal anders eingesetzt werden wird – oder gar Arbeitsplätze gestrichen werden. Bei der Post heisst es zu einem möglichen Stellenabbau: «Beim Assessment geht es darum , wie die Post mit der bestehenden Infrastruktur und den heutigen Ressourcen den zukünftigen Anforderungen an sie gerecht werden kann – und nicht um Abbau.»

Sollten Abläufe angepasst werden, ist klar, dass auch das Personal anders eingesetzt werden wird – oder gar Arbeitsplätze gestrichen werden: Pöstlerinnen könnten betroffen sein. Foto: Samuel Golay (Keystone)

Der Hauptgrund, warum die Post den Vertrieb untersuchen lässt, ist die Veränderung der Paket- und Briefmengen. Während die Briefmengen laufend zurückgehen, steigt die Zahl der Pakete an. Im vergangenen Jahr verarbeitete die Post 138 Millionen Päckli. Das entspricht einer Steigerung von fast 8 Prozent gegenüber 2017. Auf dieses Wachstum hat die Post bereits mit dem Bau von regionalen, kleineren Paketzentren, etwa in Cadenazzo TI, reagiert. Denn die drei nationalen Paketverteilzentren reichen bald nicht mehr, um die Paketmengen zu verarbeiten.

Ganz im Gegensatz dazu sind die Briefverteilzentren immer weniger ausgelastet. Deshalb könnte dort eine engere Zusammenarbeit zwischen den beiden Postdivisionen Post Mail und Post Logistics, also Brief- und Paketpost, Sinn machen. Die grossen Verteilzentren der beiden Divisionen liegen denn auch geografisch nah beieinander. Gerade im Mittelland und in der Westschweiz trennen sie nur wenige Meter. Eine Umfunktionierung von Teilen dieser grossen Zentren für die Bedürfnisse der Paketdivision wäre also zumindest aus geografischer Sicht durchaus möglich und logisch.

Die Post betont, dass sie noch ganz am Anfang der Überprüfung stehe. Wie lange es dauert, bis konkrete Ergebnisse vorliegen, könne man zurzeit noch nicht abschätzen, sagt der Sprecher. Wie viel Geld sich die Post die Durchleuchtung kosten lässt, will der Staatskonzern nicht beantworten.

Erste Töne vom neuen Postchef

Mit der Überprüfung schlägt Postchef Roberto Cirillo erste Pflöcke ein. Lange hörte man wenig vom Neuen an der Spitze der Post, der seit April im Amt ist. Er folgte auf Susanne Ruoff, die im Zug der Postauto-Affäre zurücktrat. (Lesen Sie hier über den kürzlich veröffentlichten Bericht der Ständerats-Oberaufsicht bezüglich der Postautoaffäre.) In den wenigen öffentlichen Auftritten wurde einzig klar, dass er die Post teilweise neu aufstellen will. So plädierte Cirillo etwa für neue Ertragsquellen, welche die Post anzapfen solle.

Lange hörte man wenig vom Neuen an der Spitze der Post, der seit April im Amt ist: Roberto Cirillo spricht an einer Medienkonferenz vergangenen Sommer in Cadenazzo TI. Foto: Elia Bianchi (Keystone/Ti-Press)

Daneben will er aber offenbar auch das traditionelle Geschäft der Post vorwärtsbringen. Davon zeugt die Überprüfung, welche McKinsey nun übernimmt. Und wo McKinsey zum Einsatz kommt, geht es vor allem um eins: Effizienzsteigerung. Oft auf Kosten von Arbeitsplätzen. Die Post ist mit ihren gut 39'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die drittgrösste Arbeitgeberin in der Schweiz.

Pikantes Detail: Roberto Cirillo wurde bei McKinsey gross. Er arbeitete von 1998 bis 2007 bei der Beraterfirma. Die Kritik nach seiner Berufung zum Postchef ging denn auch in zwei Richtungen: Einerseits wurde bemängelt, dass er in der Schweiz unbekannt war, nicht wirklich vernetzt mit der Politik scheint. Eine Vernetzung, die für den Posten als Chef der Post von Vorteil sein kann. Andererseits aber auch seine Vergangenheit bei McKinsey. Die Gewerkschaftszeitung «Work» etwa nannte ihn einen «McKinsey-Boy» und betonte die Verbindung des Beraters zu Stellenabbau.

Erstellt: 21.11.2019, 06:32 Uhr

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