Post prüft Klagen gegen fehlbare Manager

Der Bundesbetrieb ist zuletzt arg unter Beschuss geraten. VR-Präsident Urs Schwaller verspricht in einem Interview völlige Aufarbeitung der Postauto-Affäre.

Erklärungen nötig: VR-Präsident Urs Schwaller und die Post müssen das Vertrauen in der Bevölkerung wiederherstellen. (21. September 2018)

Erklärungen nötig: VR-Präsident Urs Schwaller und die Post müssen das Vertrauen in der Bevölkerung wiederherstellen. (21. September 2018) Bild: Walter Bieri/Keystone

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Zuerst der Subventionsskandal bei Postauto, nun ein heftig kritisiertes, teures Meeting der Konzerntochter Swiss Post Solutions (SPS) in Vietnam: Die Post hat eine unruhige Zeit hinter sich. Zwar hat der Bundesbetrieb bei der Postauto-Affäre insgesamt 205 Millionen Franken an Bund, Kantone und Gemeinden zurückbezahlt, doch ist der Skandal rechtlich noch nicht abgeschlossen. Es laufen strafrechtliche Untersuchungen, und der Arbeitgeber überlegt sich, gegen fehlbare Kadermitglieder juristisch vorzugehen.

Video: Postauto zahlt 205 Millionen zurück

Erfreuliche Neuigkeiten: Bund, Kantone und Gemeinden erhalten Geld. (Video: SDA-Keystone)

Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller hat nun gegenüber CH Media zu zahlreichen Themen Stellung genommen. Was die Postauto-Affäre betrifft, so laufen «die notwendigen Abklärungen, auch in Zusammenarbeit mit externen Spezialisten und Versicherungsgesellschaften», erklärt Schwaller. Der Entscheid sei zurzeit noch offen und dürfe sich «nicht nach dem öffentlichen Druck richten». Er hänge auch mit dem Ergebnis der strafrechtlichen Untersuchung zusammen, die vom Bundesamt für Polizei durchgeführt werde. Der Verwaltungsrat werde bis Ende April über mögliche Verantwortlichkeitsklagen befinden, ergänzt der VR-Präsident.

Ruoff nicht wegen Druck der Medien zurückgetreten

Der 66-jährige Freiburger, der sein Amt 2016 antrat, gibt nicht preis, wer in diesem Fall juristisch zur Rechenschaft gezogen werden soll. Konzernchefin Susanne Ruoff und die gesamte Geschäftsleitung von Postauto traten gleich zurück, als Untersuchungen ergeben hatten, dass beim Verbuchen von Subventionen gegen das Gesetz verstossen worden war. Schwaller verneint, dass der Rücktritt von Ruoff auf Druck der Medien zustande gekommen sei. «Es war eine Frage des Vertrauens zwischen Verwaltungsrat und Konzernleiterin, und dieses Vertrauen war nicht mehr zu hundert Prozent vorhanden.» So etwas wie bei Postauto dürfe nicht mehr geschehen, man wolle die Sache sauber aufarbeiten und daraus die Lehren ziehen, sagt der ehemalige CVP-Ständerat.

Der VR-Präsident gibt zu, dass wegen der negativen Schlagzeilen das Vertrauen in die Post Schaden genommen habe, sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Parlament. Mit der konsequenten Aufarbeitung wolle man das Vertrauen zurückgewinnen. Eines sei allerdings klar: Im Alltag habe die Post trotz aller Wirren immer hervorragend funktioniert. Das gelte auch für Postauto selbst.

Die Frage nach der Unternehmenskultur

Was die Reise nach Ho-Chi-Minh-Stadt von der SPS im Januar angeht, so trägt Schwaller zuerst alle Fakten zusammen. Grundsätzlich sei nichts daran zu bemängeln, dass die Post-Tochter mit Sitzen in Europa, Asien und Amerika ihre Kader für einmal an ihrem wichtigsten Sitz in Vietnam zusammenziehe. «Für mich geht es aber nicht nur um Reglemente, sondern auch um die Frage der Sensibilität.» Er erwarte, dass sich alle Kader bewusst seien, dass die Post nicht einfach ein privatwirtschaftliches Unternehmen wie jedes andere sei. Von einem Exzess der SPS bei diesem Meeting würde er aber nicht reden, erklärt der VR-Präsident im Interview.

Schwaller äussert sich zudem umfassend zur Unternehmenskultur. «Hier kommen wir zum Kern. Was ist die raison d’être der Post? Was sind wir? Wir sind schweizerisch, absolut. Aber wir müssen den digitalen Wandel meistern, die schrumpfenden Erträge in der Briefpost auffangen – und da gibt es auch neue Geschäftsfelder und internationale Geschäfte.» Eine Post nur zwischen Basel und Chiasso funktioniere nicht.

Die Post habe schon immer mit allen Kontinenten zu tun gehabt. «Wir müssen uns weiterentwickeln, denn sonst können wir die Grundversorgung eines Tages nicht mehr selber finanzieren, sondern brauchen Subventionen.»

(fal)

Erstellt: 04.02.2019, 12:01 Uhr

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