Postfinance überprüft ihr Filialnetz

Das Unternehmen will sich auf «grosse Städte» und frequenzstarke Orte wie Bahnhöfe konzentrieren. Derzeit wird eine Pop-up-Filiale in Luzern getestet. Weitere sollen folgen.

Nicht nur Filialen, sondern auch die Postomaten werden infrage gestellt: Ein Kunde beim Bargeldbezug. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Nicht nur Filialen, sondern auch die Postomaten werden infrage gestellt: Ein Kunde beim Bargeldbezug. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Post steht im Gegenwind, seit sie vor knapp einem Jahr angekündigt hat, sie wolle bis 2020 die Zahl der Poststellen fast halbieren. Im Windschatten des Mutterkonzerns hat auch die Postfinance Pläne geschmiedet, ihr Filialnetz zu überprüfen. Das geht aus einem internen Papier hervor, das Tagesanzeiger.ch/Newsnet vorliegt.

Die Postbank verfügt über gut 100 Beratungsstandorte. Davon sind rund 40 klassische Filialen, der Rest sogenannte Aussenstandorte, an denen nur auf Termin und nur an bestimmten Tagen Beratungen stattfinden. Dieses Netz will sie laut Positionspapier in den nächsten zwei bis drei Jahren «optimieren». Dabei will sie Standorte überprüfen, an denen sich punkto Mietvertrag oder Personalsituation etwas ändert. Unter die Lupe nimmt sie aber auch Filialen mit «lokalen Eigenarten»; dazu zählt etwa die Kundenfrequenz.

Sparen bei den Kundenzonen

Die Postfinance, so steht es im Positionspapier, möchte sich in Zukunft auf «grosse Städte» und «viel frequentierte Orte» wie beispielsweise Bahnhöfe konzentrieren. Heute betreibt die Bank in vielen Kleinstädten und regionalen Zentren Filialen, beispielsweise in Burgdorf, Chur und Locarno. Mehrere aktuelle Standorte entsprechen kaum den Kriterien für die künftige Fokussierung.

Auf Anfrage erklärt die Postfinance, überprüft würden nur primär die Kundenzonen in den Filialen. Die Beratungsräume in den über 40 Filialen und 50 Aussenstandorten seien grundsätzlich nicht tangiert. Gemäss Sprecher Johannes Möri sollen lediglich zwei kleinere Filialen komplett verschwinden; in Lausanne und in Luzern betreibt die Bank in Zukunft nur noch eine Filiale. Die Postfinance habe aber im Vergleich zu vielen Konkurrenten schon heute ein schlankes Filialnetz, erklärt er.

Mehrere Filialen werden dagegen teilweise geschlossen; sie verlieren ihre Kundenzone. In einer Kundenzone können einfache Kundenanliegen erledigt werden, aber keine grossen Beratungen stattfinden. Laut Möri gibt es Kundenzonen, die im Schnitt täglich nur von ganz wenigen Kunden frequentiert werden. Da lohne es sich nicht mehr, diese weiterhin zu unterhalten. Derzeit verfügen 27 Filialen über eine solche Zone für die Laufkundschaft. Erste Kundenzonen sind bereits zu oder stehen kurz davor, geschlossen zu werden. Verschwinden soll etwa jene in Rapperswil-Jona.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Bank auch beim Postomatennetz sparen möchte. Wie die «Handelszeitung» berichtete, sollen sämtliche der rund 850 Standorte hinterfragt werden.

Mobile Filiale im Bahnhof

Die Postfinance ist aber nicht nur auf dem Rückzug. Sie plant gleichzeitig eine neue Offensive. Dafür testet sie seit dieser Woche sogenannte Pop-up-Filialen – eine Mischung aus Messestand, Werbetafel und Minifiliale.

An den Bahnhöfen in Luzern und Genf sowie in je einem Einkaufszentrum in Luzern und Zürich sollen die temporären mobilen Filialen für ein paar Tage eingerichtet werden. Das Angebot in diesen Pop-up-Stores entspreche in etwa jenem der Kundenzone, erklärt Möri. Dort könnten einfache Kundenfragen vor allem in Bezug auf die digitalen Produkte der Postfinance beantwortet werden. Geprüft werde noch, ob die Pop-up-Filialen auch Zugriff auf das Kundenmanagementsystem haben sollen, womit beispielsweise vor Ort Konten eröffnet werden könnten.

Je nach Verlauf des Pilotversuchs ist es gemäss Möri denkbar, dass solche Filialen in Zukunft auch in Form von Zwischennutzungen in sonst leer stehenden Räumen eingerichtet werden.

Erstellt: 06.09.2017, 21:55 Uhr

Artikel zum Thema

Postfinance trotzt Kreditverbot

Die Posttochter darf keine Kredite sprechen. Trotzdem hat das Institut Darlehen über mehrere Milliarden Franken vergeben. Mehr...

Postfinance muss 100'000 Karten ersetzen

Weil sie im Ausland nicht funktionieren, muss die Postfinance 100'000 Bankkarten ersetzen. Betroffene erhalten eine neue Karte per A-Post. Mehr...

Postfinance verliert die Staatsgarantie

Per Ende September gibt es für die Postfinance-Kunden keine Haftung durch den Staat mehr. Der Zinserfolg der Firma minimiert sich zudem jährlich um 60 bis 80 Millionen Franken. Mehr...

Die Post will im Backoffice Kosten sparen. Das dürfte zu einem Stellenabbau führen.

Grössere Firmen sind in der Schweiz dazu verpflichtet, bei Massenentlassungen – das heisst, wenn innert 30 Tagen mindestens 30 Arbeitnehmer entlassen werden – einen Sozialplan zu erstellen. Die Post hat einen auf Vorrat. Er ist Bestandteil des Gesamtarbeitsvertrags (GAV). Damit gilt er aber nur für jene Postangestellten, die dem GAV unterstellt sind, also für Mitarbeitende in unteren Funktionsstufen. Kaderangestellte und Fachspezialisten, die gemäss Obligationenrecht angestellt sind, sind vom Sozialplan ausgenommen.

Das will die Post offenbar ändern. Der Personalverband Transfair hat eine Anfrage erhalten für entsprechende Verhandlungen, wie er dem «Tages-Anzeiger» bestätigt. Auch die Gewerkschaft Syndicom sagt, sie sei über entsprechende Pläne der Post informiert worden. Beim Staatsbetrieb heisst es lediglich: «Ein solcher Sozialplan ist im Gespräch.»

Dass die Post in den Backofficebereichen Finanzen, Kommunikation und Personal bis 2020 rund ein Drittel der Kosten sparen möchte, ist bekannt. In jenen Bereichen also, in denen besonders viele Angestellte nicht dem GAV unterstellt sind. Dass die Einsparungen kaum ohne Stellenabbau möglich sein werden, liegt auf der Hand. Will die Post mit dem neuen Sozialplan also Massenentlassungen im Backoffice den Weg ebnen? Dazu sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler, aktuell rechne die Postführung damit, dass von der Reorganisation namens Evolve 1200 bis 1500 Personen betroffen seien. Zudem werde derzeit die Informatik neu aufgestellt. Davon seien weitere 1100 Angestellte betroffen. Betroffen heisse aber nicht, dass die Personen entlassen würden. «Das kann auch bedeuten, dass sie ein neues Team, einen neuen Arbeitsort oder eine neue Aufgabe erhalten», sagt Flüeler. Selbst ein Stellenabbau sei nicht gleichbedeutend mit Entlassungen. Bei der letzten grossen Reorganisation, dem Projekt Rema, habe die Post rund 2500 Stellen abgebaut. Trotzdem habe es nur sehr wenige Entlassungen gegeben. Ein Sozialplan für das mittlere und obere Kader ist laut Flüeler folgerichtig, damit auch hier bei Härtefällen in sozialpartnerschaftlicher Manier vorgegangen werden könne. (stü)


Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Freie Wahl: Tausende Pro-Choice-Aktivistinnen demonstrieren vor dem Kongress in Buenos Aires und fordern eine Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. (19. Februar 2020)
(Bild: Natacha Pisarenko) Mehr...