Politikerinnen stören sich an Post-«Luxusreisli»

Swiss Post Solutions hat ein Kadertreffen in Ho-Chi-Minh-Stadt durchgeführt. Jetzt soll eine Kommission die Staatsbetriebe unter die Lupe nehmen.

Gemäss einem Bericht steht die Tochterfirma in der Kritik: Der Hauptsitz der Post in Bern. (15. August 2018)

Gemäss einem Bericht steht die Tochterfirma in der Kritik: Der Hauptsitz der Post in Bern. (15. August 2018) Bild: Anthony Anex/Keystone

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Das Kader von Swiss Post Solutions (SPS) hat sich «heuer einen exotischen Ausflug» gegönnt, wie blick.ch berichtet. Das jährliche Treffen fand am 21. und 22. Januar in Ho-Chi-Minh-Stadt/Saigon statt, dem Hauptstandort von SPS in Asien. Der grösste Teil der über 100 SPS-Chefs sei aus Europa auf Firmenkosten nach Vietnam gereist, wie die Zeitung schreibt. Die Post-Tochter bietet Lösungen für Firmen an, die ihre Geschäftsprozesse auslagern wollen. Sie beschäftigt weltweit rund 7000 Angestellte.

Zu den genauen Ausgaben des Treffens will die Post laut dem Bericht keine Stellung nehmen. «Die Gesamtkosten für das diesjährige Meeting mit rund 100 Teilnehmern entsprachen exakt den Kosten der Vorjahre und bewegen sich im normalen Rahmen für die Reise dieser Grössenordnung», erklärt Sprecherin Léa Wertheimer. Die SPS sei eine global aktive Tochtergesellschaft. Da ergebe es durchaus Sinn, dass man sich alternierend an verschiedenen Standorten treffe, wird die Mediensprecherin zitiert.

Kritik der Politik und der Gewerkschaften

Für FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger sei die Reise ist unangebracht. «Kader-Mitarbeiter eines Bundesbetriebes haben eine Vorbildfunktion und sollten immer bedenken, wie so etwas in der Öffentlichkeit ankommt», so Schneeberger. Sie habe den Eindruck, die Post habe ein Kulturproblem.

Auch wenn die SPS eine weltweit tätige und juristisch selbstständige Konzerngesellschaft sei, habe das nötige Fingerspitzengefühl bei der Wahl des Veranstaltungsortes gefehlt, so SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher. Sie ist die Präsidentin der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrates (KVF-N).

Auf Grund des Falls Postauto, der Cyber-Attacke bei Ruag und dem Datendiebstahl bei Swisscom hat der Bundesrat einen externen Corporate Governance Bericht in Auftrag gegeben. Dieser soll im 1. Quartal dem Bundesrat präsentiert werden, so Graf-Litscher. «Dieser Bericht und ein potentieller Handlungsbedarf wird auch in der KVF-N ein Thema sein», so die Politikerin.

Syndicom-Sprecher David Roth kritisiert: «Für die Angestellten sind die Arbeitsbedingungen bei der SPS miserabel. Für das Management ganz offensichtlich nicht.» Das «Luxusreisli» nach Vietnam zeige, wie abgehoben das Kader sei. Die Gewerkschaft verlangt, dass die Kosten für den Vietnam-Trip offengelegt werden. (fal/fel/jb)

Erstellt: 30.01.2019, 08:44 Uhr

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