Provoziert das Mikrowellen-Fondue einen Schweizer Volksaufstand?

Emmi will sein Hipster-Fondue auch in der Schweiz in die gemütliche Runde bringen. Der Chef erklärt dem US-Portal, wie moderne Käseschmelze aussieht.

Alles aus Plastik: Dass All-in-one-Fondü kommt mit Rechaud, Caquelon und Teelicht.

Alles aus Plastik: Dass All-in-one-Fondü kommt mit Rechaud, Caquelon und Teelicht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Winterzeit ist Fonduezeit. In den kalten Tagen steigt die Lust auf das Nationalgericht, der Wunsch nach einem gemütlichen Abend mit einem wärmenden Fondue wird grösser. Während Coop auf das Traditionelle setzt, indem der Detailhändler in einem TV-Spot mit den Slogan «Chli stinke muess es» wirbt, versucht sich Emmi als Vorreiter der Moderne. Das in den USA verkaufte «All-in-one-Fondü» soll nächstes Jahr auch in die Schweiz kommen. Der Clou des neuen Produkts: Es braucht keinerlei Equipment mehr, kein Caquelon, kein Rechaud, nicht einmal mehr Fonduegabeln.

Die Käsemasse, die sich in einer Plastikschale befindet, wird für sieben Minuten in der Mikrowelle erhitzt und dadurch verflüssigt. Das Rechaud inklusive Teelicht wird ebenfalls mitgeliefert. Und statt Fonduegabeln braucht man die blossen Hände, indem die Brotstücke in den Käsebrei getunkt werden. Dies suggeriert zumindest das beigelegte Booklet, indem die Anwendung des «Fondü» erklärt wird.

Im nächsten Jahr in der Schweiz

Kaum zufällig hat der Luzerner Milchverarbeiter die amerikanische Nachrichtenagentur Bloomberg für ein Interview mit Firmenchef Urs Riedener ausgewählt. In den USA ist das Produkt bereits seit letztem Jahr im Verkauf, Kostenpunkt 15 Dollar. Und nun will Riedener damit auch in der Schweiz punkten. Emmi will das Produkt im nächsten Jahr hierzulande lancieren.

Umfrage

Würden Sie das Mikrowellen-Fondue von Emmi kaufen?




Die Journalistin von Bloomberg fürchtet sogleich den Volksaufstand. Die Schweizer seien ob des Mikrowellen-Fondues entsetzt, überschreibt sie ihren Artikel. Als einziger Zeuge des Aufschreis genügt ihr ein 31-jähriger Zürcher Anwalt, der wie folgt zitiert wird: «Ich würde es nicht kaufen, ich denke es ist Blasphemie.» Das gemütliche Beisammensein rund um den Fondue-Pot sei ebenso wichtiger Teil des Erlebnisses wie der geschmolzene Käse selber, sagt der Anwalt.

Auch wenn damit der Aufstand gegen das Mikrowellen-Fondue nicht ausreichend belegt ist, darf man sich fragen, ob ein auf die USA zugeschnittes Produkt hierzulande punkten wird. Irgendwie mag man sich nicht so richtig ausmalen, dass das Fondue künftig aus der Mikrowelle kommen und ein Plastik-Rechaud Gemütlichkeit verströmen soll. Gänzlich undenkbar scheint, dass Herr und Frau Schweizer mit der blossen Hand statt mit der Gabel essen.

Football-Helm als Fondue-Pot

Derweil will Emmi-Chef Riedener mit der Schweizer Tradition brechen: «Wir müssen uns von der Schweizer Chalet-Atmosphäre entfernen, weil es etwas altmodisch ist», sagte er zu Bloomberg. Fondue sei etwas langweilig geworden, zudem brauche man die Ausrüstung dazu. Hinein ins Hipster-Zeitalter also auch mit dem Schmelzkäse-Menü.

Die Lust zum Bruch mit den Traditionen scheint bei Emmi gross. Das zeigt das Beispiel des Football-Helms, den die Luzerner Firma zum Fondue-Topf umfunktioniert hat.

Allerdings traut die Firma der Modernisierungswelle doch nicht ganz. Auf der Facebook-Seite und dem Instagram-Kanal «Emmi Cheese USA» setzt die Firma dann doch lieber auf gängige Klischees und zeigt dort Alphornbläser, Käselaibe, Kühe, und ja – echte Schweizer Fondue-Caquelons.

Erstellt: 19.10.2016, 12:58 Uhr

Artikel zum Thema

Die Krux mit dem Fondue

Wenn die Swissness-Vorlage in Kraft tritt, wird es für Hersteller von Fertigfondue schwierig, das Schweizer Kreuz zu behalten. Wegen des Weissweins. Mehr...

Was Emmi von den Cowgirls lernen kann

Der grösste Milchverarbeitungskonzern der Schweiz setzt auf Amerika. Drei Käsereien in Kalifornien, alle von Frauen gegründet und geführt, sollen mehr Wachstum bringen. Mehr...

Kleine Biobauern geben Grosskonzern Emmi den Laufpass

Eine Genossenschaft sucht neue Wege für Milchbauern. Diese verarbeiten die Milch selbst, statt sie für einen Spottpreis an die grossen Verarbeiter-Unternehmen zu liefern. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Zeigen Flagge: Luftaufnahme der Flaggen-Zeremonie für die Olympischen Jugendspiele, die 2020 in Lausanne stattfinden werden. (19. September 2019)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...