Raiffeisen benennt die neuen Köpfe

Neben Guy Lachappelle als neuen Präsidenten nominierte die Bank vier Kandidaten für den Verwaltungsrat. Auf den neuen Präsidenten dürften Fragen zu einem alten Skandal zukommen.

Guy Lachappelle, derzeit Chef der Basler Kantonalbank, soll neuer Präsident von Raiffeisen werden. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Guy Lachappelle, derzeit Chef der Basler Kantonalbank, soll neuer Präsident von Raiffeisen werden. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bei Vertretern der Raiffeisen-­Basis ist die Nominierung von Guy Lachappelle, derzeitigem Chef der Basler Kantonalbank, auf ein wohlwollendes Echo gestossen. Allerdings kennt bisher kaum jemand den 57-Jährigen persönlich. «Als Chef der Basler Kantonalbank hat er einen guten Job gemacht, doch bei Raiffeisen muss er erst die Struktur verstehen lernen», meint der Präsident einer Raffeisenbank, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. In den kommenden Wochen soll es daher ein erstes Treffen Lachappelles mit Vertretern der 246 Raiffeisenbanken geben, bestätigt Raiffeisen Schweiz.

«Lachappelle ist genau der richtige Mann», sagt Kurt Sidler, Chef der Koordinierungsgruppe der Raiffeisenverbände, «er hat operative Erfahrung und kann Transformationsprozesse vorantreiben», begründet er die Wahl, an der Sidler als Delegierter der Basis beratend teilnahm.

Lachappelle selbst will sich derzeit nicht gegenüber den Medien äussern. «Aufgrund meiner bisherigen Tätigkeiten und Erfahrungen fühle ich mich gut vorbereitet, das Präsidium einer Organisation zu übernehmen, die vor wichtigen Weichenstellungen steht», lässt er sich lediglich in der Medienmitteilung von Raiffeisen Schweiz zitieren.

Rolle in der ASE-Affäre

Seinen Job bei der Basler Kantonalbank will der Jurist am 22. Oktober niederlegen. Das gibt ihm etwas weniger als einen Monat Zeit, um bis zur Delegiertenversammlung am 10. November um Vertrauen zu werben.

Möglicherweise wird es dabei noch Fragen zu seiner Rolle im Anlageskandal ASE geben. Die BKB fungierte für den betrügerischen Vermögensverwalter als Depotbank. ASE hatte ein Schneeballsystem aufgezogen, bei dem am Ende rund 2500 Kunden 170 Millionen Franken verloren. Bereits 2009 hatte der «K-Tipp» vor ASE-Anlagen gewarnt, den Fall ins Rollen brachte dann 2012 eine Kundenbeschwerde über fehlende Gelder. Daraufhin erstattete die Bank Strafanzeige .

Lachappelle war seit 2010 Leiter des Firmenkundengeschäfts und damit Mitglied der Geschäftsführung. Er wurde im Fall ASE von der Staatsanwaltschaft als Auskunftsperson angehört. Doch weder die Finma noch die Justiz gaben ihm eine Mitschuld an den Vorgängen.

Matter kostete der Skandal den Job

Etwas anders tönt es dagegen im Bericht der Kanzlei Bär & Karrer, welchen die BKB zur Aufklärung des Falls in Auftrag gegeben hatte. Dem Bericht zufolge seien die Mitglieder des Kreditausschusses ihrer «Oberverantwortung für die Einhaltung der Compliance nicht in ausreichendem Umfang nachgekommen». Mitglieder in jenem Ausschuss waren damals Bankchef Hans Rudolf Matter und Lachappelle.

Matter kostete der Skandal den Job, an Lachappelle blieb nichts hängen, und er folgte Matter als Bankchef nach. Er erklärte einmal, dass die Verantwortung für die Vorgänge beim früheren Chef sowie dem Leiter der BKB-Filiale in Zürich gelegen habe. Die Aufsicht Finma scheint dieser Auffassung zu folgen, denn sie widersetzte sich weder Lachappelles Beförderung zum BKB-Chef im Jahr 2013 noch jetzt der Nominierung zum Präsidenten von Raiffeisen Schweiz, die immerhin die drittgrösste Bankengruppe des Landes ist.

Karin Valenzano Rossi, Finma, Banca Raiffeisen Lugano. Bild: PD

Neben der Berufung Lachappelles an die Bankspitze nominierte der Verwaltungsrat vier weitere Kandidaten für das Spitzenorgan. Mit der Juristin Karin Valenzano Rossi zieht dort eine Spitzenjuristin ein, die als Untersuchungsbeauftragte der Finma tätig ist und zudem im Verwaltungsrat der Banca Raiffeisen Lugano dient. Ebenfalls ein VR-Mandat bei Raiffeisen hat der Ex-Hewlett-Packard-Manager und IT-Unternehmer Andrej Golob. Angesichts der Probleme bei der Umstellung auf ein neues IT-System kann Raiffeisen mehr IT-Kompetenz gut gebrauchen.

Andrej Golob, ehemals Hewlett- Packard, IT-Unternehmer. Bild: PD

Safra Sarasin verkaufte dubiose Anlagefonds

Mit Beat Schwab soll die Raiffeisenspitze mit einem Immobilienexperten verstärkt werden. Schwab leitete von 2012 bis 2017 das Immobilieninvestment der Credit Suisse und präsidiert derzeit Zug Estates Holding.

Beat Schwab, Präsident Zug Estates Holding. Bild: PD

Der vierte neue Kandidat für den Verwaltungsrat ist der derzeitige Risikochef der Privatbank EFG International, Thomas A. Müller. EFG teilte mit, dass Müller von diesem Posten nach der Wahl zurücktreten werde. Von 2010 bis 2016 diente Müller der Bank Safra Sarasin als Finanzchef. Just in jener Zeit machte die Bank Schlagzeilen damit, dass sie dubiose Anlagefonds verkaufte, die auf einem mittlerweile als illegal eingestuften Steuertrick beruhten. In dem Fall bestätigte gestern das Oberlandesgericht Stuttgart ein Urteil, dass Safra Sarasin dem deutschen Drogerieunternehmer Erwin Müller 45 Millionen Franken Schadenersatz zuspricht.

Thomas A. Müller, Risikochef EFG International. Bild: PD (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 14.09.2018, 22:56 Uhr

Artikel zum Thema

Der Anti-Vincenz aus Basel

Porträt Guy Lachappelle kennt sich mit Skandalen aus: So tickt der Bankenchef, der bei der Raiffeisen für Ruhe sorgen soll. Mehr...

Guy Lachappelle soll Raiffeisen-Spitze übernehmen

Jetzt ist es offiziell: Die Raiffeisen nominiert den 57-jährigen Chef der Basler Kantonalbank als neuen Verwaltungsratspräsidenten. Mehr...

Der Selbstbedienungsladen Raiffeisen

Die Finanzmarktaufsicht rügt erschreckende Mängel in der Führung der Raiffeisen während der Ära Pierin Vincenz. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Trigger für Höhenangst: Ein Besucher der Aussichtsplattform des King Power Mahanakhon Gebäudes in Bankok City posiert fürs Familienalbum auf 314 Meter über Boden. (16. November 2018)
(Bild: Narong Sangnak/EPA) Mehr...