Raiffeisen-Chef tritt per sofort zurück

Wegen seiner Beziehung zu Ex-Verwaltungsrätin Laurence de la Serna muss Patrik Gisel vorzeitig gehen. Sein Nachfolger wird die Bank bald wieder verlassen.

Patrik Gisel anlässlich einer Medienkonferenz der Raiffeisen in Zürich. (9. März 2018)

Patrik Gisel anlässlich einer Medienkonferenz der Raiffeisen in Zürich. (9. März 2018) Bild: Walter Bieri/Keystone

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Nun ist es also definitiv. Patrik Gisel muss nach 19 Jahren bei Raiffeisen als CEO per sofort zurücktreten. Dies, um die öffentliche Debatte um seine Person abzuschliessen und der Raiffeisen-Gruppe zu ermöglichen, sich auf die zukünftigen Herausforderungen zu konzentrieren, heisst es in einer Stellungnahme von Raiffeisen Schweiz.

Kein schöner Abgang für einen Mann, der nach 16 Jahren, die er im Schatten von Pierin Vincenz stand, die drittgrösste Bank der Schweiz führte. Zum Verhängnis wurde ihm zum Schluss seine Affäre mit der ehemaligen Verwaltungsrätin Laurence de la Serna. De la Serna stammt aus Genf und leitet seit zehn Jahren die Aviatikfirma Jean Gallay, die in Familienbesitz ist. Daneben war sie bis zum 16. Juni Verwaltungsrätin bei Raiffeisen. Somit war sie Mitglied des Gremiums, das Gisel kontrollieren musste und auch über seinen Verbleib an der Spitze der Bank entscheiden konnte. Gehen musste Gisel nicht, weil er sich verliebt, sondern weil er die Beziehung vor den übrigen Verwaltungsräten verheimlicht hatte, bis er nach Medienanfragen letzten Freitag alles beichten musste. Das brachte das Fass zum Überlaufen.

Gisel mit Laurence de la Serna. Foto: Ausriss aus der «Bilanz»

Es ist eine Schwäche Gisels, dass er immer nur das zugibt, was sich nicht mehr verheimlichen lässt. So geriet er in den Strudel um die Affäre seines Vorgängers, gegen den eine Strafuntersuchung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung läuft. Vincenz soll sich bei Firmenkäufen bereichert haben. Vincenz und einer seiner Geschäftspartner sassen deswegen drei Monate in U-Haft. Gisel selbst zählt nicht zu den Beschuldigten.

Aber er schaffte es nicht, sich von seinem Vorgänger und Mentor zu lösen. Als er vor einem Jahr von der «SonntagsZeitung» mit der Frage konfrontiert wurde, ob es eine Untersuchung der Finanzmarktaufsicht Finma zur Ära Vincenz gebe, leugnete er das glatt – nur um es eine Woche später unter Druck zuzugeben. In einem Interview vom 14. Februar dieses Jahres sagte er zur Untersuchung: «Die aufgeworfenen Fragen sind aus unserer Sicht nicht dramatisch.»

In beiden Fällen hätte der Verwaltungsrat beigezogen werden müssen, was aber nicht geschah.

Zu diesem Zeitpunkt kannte er bereits eine provisorische Version des Untersuchungsberichts. Als es im Februar dann zu Hausdurchsuchungen und zur Verhaftung Vincenzs kam, reichte Gisel in letzter Minute eine Strafanzeige ein. Am 18. Juni gab die Finma dann bekannt, dass es bei Raiffeisen zu «schwerwiegenden Mängeln in der Unternehmensführung» gekommen sei. In der Meldung war auch die Rede von zwei Kompetenzüberschreitungen der Geschäftsleitung bei der Kreditvergabe, deren stellvertretender Vorsitzender Gisel war. Im ersten Fall ging es um eine Kreditlinie von 400 Millionen Franken, im zweiten um einen Kredit von 1,5 Millionen Franken an Pierin Vincenz persönlich. In beiden Fällen hätte der Verwaltungsrat beigezogen werden müssen, was aber nicht geschah.

Nach dem Abgang Gisels wird Michael Auer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung, die operative Führung bis auf weiteres übernehmen. Wenn ein neuer CEO gefunden ist, wird er Raiffeisen auf eigenen Wunsch verlassen. Auer: «Damit möchte ich im Rahmen der aktuellen Diskussionen den Weg frei machen für einen konstruktiven und zukunftsgerichteten Dialog zwischen den Raiffeisen-Banken und Raiffeisen Schweiz.»

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 09.11.2018, 22:39 Uhr

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