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Red Bull droht ein noch grösserer Imageschaden

Der Energydrink-Hersteller hat die Zürcher Musikszene gegen sich aufgebracht. Ein Marketingexperte sagt, wie gefährlich das für Red Bull ist.

Zürcher Clubs und etliche Musiker wenden sich von Red Bull als Sponsor ab. Sie wollen damit ein Zeichen setzen. Bild: Maria Jose Govea/Red Bull
Zürcher Clubs und etliche Musiker wenden sich von Red Bull als Sponsor ab. Sie wollen damit ein Zeichen setzen. Bild: Maria Jose Govea/Red Bull

Der Energydrink-Hersteller Red Bull ist in der Event-Welt eine grosse Nummer. Er organisiert und finanziert unter anderem Musikfestivals, Snowboard- und Flugzeugrennen oder lässt Extremsportler aus der Stratosphäre springen. Das soll den Getränkeabsatz steigern. Red Bull gibt es in 171 Ländern. Letztes Jahr wurden 6,3 Milliarden Dosen verkauft.

Sein Getränk bewirbt der österreichische Konzern mit dem Slogan «Red Bull verleiht Flügel». Derzeit befindet sich das Unternehmen aber im Tiefflug. Denn in der Schweiz und Deutschland erlebt Red Bull derzeit einen veritablen Shitstorm. Grund sind rechtspopulistische Aussagen des Red-Bull-Gründers und -Chefs Dietrich Mateschitz in einem Interview mit der österreichischen «Kleinen Zeitung» im April letzten Jahres (siehe Box). Die Worte hallen verspätet jetzt nach. «Die Aussagen schaden der Marke Red Bull enorm», sagt Marketingexperte Marcel Hüttermann von der ZHAW.

Proteste könnten sich ausweiten

Die Debatte hat auch das Nachtleben in Zürich erfasst. Erste Clubbetreiber distanzieren sich von Red Bull. Seit ein paar Jahren führen sie mit dem Konzern ein Musikfestival durch. Die Partnerschaft haben die Clubs nun aufgekündigt, wie Redaktion Tamedia berichtete. Das Festival, das am 6. November beginnt, wird das Letzte sein. Der Club Zukunft will zudem künftig keine Getränke von Red Bull mehr ausschenken. Auch Musiker wenden sich vom Konzern ab und wollen unter dem rot-gelben Stier-Logo nicht mehr auftreten.

Hüttermann sieht die Protestwelle aber erst am Anfang. Noch seien es nur ein paar Clubs und Musiker. «Viele weitere Partner könnten folgen», sagt er. Es sei möglich, dass sich die Proteste auch auf viele andere Länder ausdehnen würden. Zudem könnten Anbieter des Getränks künftig auf Konkurrenzprodukte umschwenken. «Auch ist es vorstellbar, dass sich die Debatte auf andere Szenen, etwa die Sportszene, ausweitet», so Hüttermann.

«Chefs sollen Neutralität walten lassen»

Letztlich müsse jeder Partner von Red Bull selber entscheiden, ob er weiterhin mit dem Konzern in Verbindung gebracht werden will, so der Experte. Man müsse sich aber im Klaren sein, dass der vom Red-Bull-Chef losgetretene Skandal abfärben kann. «Die Marke Red Bull könnte nun gerade etwa bei vielen linksliberalen Konzertbesuchern für Irritation sorgen.»

Hüttermann nimmt besonders die Konzernchefs in die Pflicht. Sie sollten gegenüber bestimmten Themen eine gewisse Neutralität walten lassen. «Das kann sonst für das Unternehmen gefährlich werden.» Chefs sollten daher genau überlegen, worüber sie öffentlich sprechen. Die vom Red-Bull-Chef getätigten rechtspopulistischen Statements zur Immigrationspolitik in Europa seien besonders heikel. «Das ist ein weltweites Thema. Entsprechend können unüberlegte Aussagen weite Kreise ziehen und eine Marke mit einem Image behaften, für das sie nicht stehen will.»

Red Bull schweigt eisern

Anfragen zu den umstrittenen Aussagen von Mateschitz lässt Red Bull unbeantwortet. Auch Zürcher Clubs beklagen sich über das eiserne Schweigen des Konzerns. Laut Hüttermann wäre es aber gerade jetzt im Anfangsstadium des Shitstorm angebracht, wenn der Konzern klar Stellung bezieht. «Red Bull sollte aufzeigen, für welche Werte man einsteht.»

Noch besser wäre es, wenn Chef Mateschitz selber das Bild korrigieren würde. «Ansonsten kann es passieren, dass die Marke Red Bull mit der rechten Szene in Verbindung gebracht wird.»

(Übernommen von 20min.ch, bearbeitet von Redaktion Tamedia)

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