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Remo Stoffel sattelt um

Der Bündner Unternehmer steigt aus seiner Tätigkeit als Generalunternehmer aus. Er veräussert die Tochterfirma Priora und investiert jetzt in einen ganz anderen Bereich.

Fährt seine Engagements in der Schweiz zurück, um sich breiter und internationaler aufzustellen: Der Bündner Unternehmer Remo Stoffel.
Fährt seine Engagements in der Schweiz zurück, um sich breiter und internationaler aufzustellen: Der Bündner Unternehmer Remo Stoffel.
Walter Bieri, Keystone

Bereits im vergangenen Jahr habe man mit dem Gedanken gespielt, die als Generalunternehmerin tätige Tochter Priora AG zu verkaufen. Nach Anfragen bei verschiedenen potenziellen Interessenten sei ein Prozess in Gang gekommen, der nun mit der Veräusserung an den französischen Baukonzern Eiffage «zu einem für alle Seiten guten Ende gekommen ist». So umschreibt Hans-Peter Domanig, Verwaltungsratspräsident der Priora Holding, den gestern bekannt gegebenen Verkauf. Zum Preis wurden keine Angaben gemacht.

Die Priora Holding gehört dem Unternehmer Remo Stoffel, der mit dem Projekt eines 380 Meter hohen Hotelturms in Vals für Furore gesorgt hat. Dieses Vorhaben werde durch den jetzigen Ausstieg aus der Generalunternehmertätigkeit nicht tangiert, sagt Domanig. Man sei diesbezüglich «an einer anderen Lösung interessiert», ergänzt der Priora-Präsident in Anspielung auf den schwelenden Standortstreit um das Hotel Femme de Vals. «Allerdings hat dieses Projekt derzeit für uns keine besondere Priorität», so Domanig. Geplant war der Hotelbau in der Schutzzone des Valser Wassers, wo der Coca-Cola-Konzern – via die ihm gehörende Valser Mineralquellen AG – das Sagen hat. Dieser sperrt sich gegen den Bau, weil er befürchtet, dass dadurch die Qualität des Wassers beeinträchtigt werden könnte.

Bemühen um eine «Langzeitlösung»

Für den Verkauf der Priora AG ist laut Domanig vielmehr ausschlaggebend gewesen, dass er selbst, der die Generalunternehmerin in den letzten acht Jahren aufgebaut habe, jetzt 60 geworden sei und diese Aufgabe «nicht ewig» fortführen wolle. Da auch Stoffel hierfür kein Interesse habe erkennen lassen, habe man nach einer anderweitigen «Langzeitlösung» gesucht. «Mit Eiffage können wir dies in idealer Weise umsetzen», ist Domanig überzeugt. Der französische Bauriese, der mit rund 65’000 Beschäftigten im letzten Jahr einen Umsatz von umgerechnet 17,5 Milliarden Franken erzielte, will im Rahmen seiner europäischen Wachstumsstrategie auch in der Schweiz Fuss fassen.

Mit Priora ist hierfür ein Anfang gemacht: Das Unternehmen, das an neun Standorten etwa 450 Mitarbeitende beschäftigt, kommt auf einen Jahresumsatz von rund 400 Millionen Franken. Laut Domanig will Eiffage dieses Geschäft weiter ausbauen und insbesondere den Westschweizer Markt erschliessen. Der börsenkotierte Konzern mit Sitz in Véilzy-Villacoubly, einem südwestlichen Vorort von Paris, entstand 1992 aus dem Zusammenschluss zweier Unternehmen, die unter anderem für den Bau des Eiffelturms und der Oper von Sydney verantwortlich zeichneten.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Priora-Gruppe ein Portefeuille an Schweizer Wohnimmobilien für 213 Millionen Franken an den Lebensversicherer Swiss Life verkauft. Wie Domanig betont, erfolgte weder der damalige Verkauf noch die jetzige Veräusserung der Generalunternehmer-Tochter aufgrund finanzieller Zwänge. «Die Holding steht finanziell sehr gut da», sagt ihr Präsident. «Die Wohnimmobilien wurden verkauft, weil wir überzeugt waren, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, um den besten Preis zu erzielen.»

Einstieg ins US-Molkereigeschäft

Die aus dem Verkauf zugeflossenen Mittel sollen reinvestiert werden – vornehmlich in internationale Beteiligungen, mit denen sich die Priora-Gruppe laut Domanig breiter aufstellen wolle. Wie kürzlich bekannt wurde, hat Remo Stoffel eine 10-prozentige Beteiligung im Wert von gut 90 Millionen Dollar am texanischen Molkereikonzern Dean Foods erworben. Er ist damit laut «Handelszeitung» der bei weitem grösste private Einzelaktionär bei der Nummer eins auf dem US-Milchverarbeitungsmarkt geworden. Wie Domanig durchblicken lässt, könnten schon in näherer Zukunft weitere Beteiligungszukäufe erfolgen.

Stoffels Beteiligungsvehikel VV Value Vals hält neben Dean Foods auch Kapitalanteile an Galenica (10 Prozent), Vifor Pharma (12 Prozent) und dem Softwarehersteller Myriad Group (5 Prozent); hinzu kommt eine gut 3-prozentige Beteiligung an der deutschen Informationstechnologie-Firma Software AG. Darüber hinaus umfasst die Priora Holding die Töchter Priora Airport Immobilien (mit dem einstigen Swissair-Hauptsitz in Kloten-Balsberg), die 7131 Hotel in Vals (mit dem Projekt des Valser Hotelturms) sowie die im Facility-Management (Hausbewirtschaftung) tätigen Farnec Services in Dubai und Priora Facility Management in der Schweiz.

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