Rückzug der Swiss gefährdet Flughafen Lugano

Die mögliche Aufgabe der Linienflüge nach Zürich könnte den Todesstoss bedeuten.

Schreibt rote Zahlen: Flughafen Lugano-Agno. (Foto: Keystone)

Schreibt rote Zahlen: Flughafen Lugano-Agno. (Foto: Keystone)

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Erst vor eineinhalb Jahren musste der Flughafen Lugano-Agno einen herben Schlag hinnehmen. Ende 2017 meldete die Fluglinie Darwin Konkurs an und stellte die Linienflüge nach Genf ein. Nun droht bereits der nächste Tiefschlag. Swiss-Chef Thomas Klühr kündigt im Interview an, dass er die Linienflüge seiner Fluggesellschaft von Lugano nach Zürich auf den Prüfstand stellt.

Das wäre für den Flughafen Lugano wohl der Todesstoss. Denn seit dem Aus von Darwin sind die Verbindungen nach Zürich, die viermal täglich angeboten werden, die letzten Linienflüge. Und der Flughafen schrieb in den vergangenen zwei Jahren einen Verlust von jeweils gut einer Million Franken. Dieses Defizit tragen die Stadt Lugano und der Kanton Tessin. Sie suchen verzweifelt ein neues Geschäftsmodell, das den Flughafen wieder in die schwarzen Zahlen bringt. Nun könnte ihnen die Swiss einen Strich durch die Rechnung machen.

Im Tessin reagiert man entsetzt. Der freisinnige Volkswirtschaftsdirektor Christian Vitta sagt: «Die Aufgabe der heutigen Verbindung mit Zürich würde nicht nur den Linienverkehr, sondern auch alle damit verbundenen Aktivitäten gefährden. Ein Flughafen braucht Fluggesellschaften, Verbindungen und Passagiere, um erfolgreich zu sein.» Insbesondere für die Finanzwelt in Lugano und im benachbarten Nord­italien sind die Flugverbindungen wichtig.

Schon heute sind viele Flüge aus

Vitta befürchtet schlimme Folgen für die achtzig Beschäftigten, aber auch für die öffentliche Hand. Denn der Flughafen Lugano-Agno gehört dem Staat: Mehrheitsaktionärin der Lugano Airport SA ist die Stadt Lugano, Minderheitsaktionär der Kanton. «Die Einstellung der Verbindung würde die Erfolgsaussichten der von der Lugano Airport SA umgesetzten Strategien stark verkomplizieren», sagt Vitta. Zurzeit ist im Luganeser Gemeindeparlament eine Botschaft hängig für die Sanierung der Aktiengesellschaft und für künftige Investitionen. «Die Stadt Lugano und der Kanton unterstützen die Entwicklung dieses wichtigen Elements der Mobilität, das ebenso notwendig ist wie der Schienen- und Strassenverkehr», sagt Vitta.

Doch Swiss-Chef Thomas Klühr verweist als Alternative auf den neuen Basistunnel durch den Ceneri, der Ende kommenden Jahres eröffnet wird. Von Lugano kommt man dann mit der Bahn in knapp zwei Stunden nach Zürich – in vierzig Minuten weniger als heute. Zum Vergleich: Der Swiss-Flug von Lugano nach Zürich dauert fünfzig Minuten. Rechnet man die Warte- und Umsteigezeiten mit ein, dauert die Bahnfahrt nach Zürich nicht viel länger.


Video: Wie kann der Flughafen von Lugano gerettet werden?

Schulden, der Konkurs der Darwin Airline und keine Flüge mehr nach Genf – und eventuell bald auch Zürich– setzen dem Flughafen Lugano arg zu. (Video: SDA)


Kommt hinzu, dass die Flüge Lugano–Zürich schon heute unzuverlässig sind. Adria Airways, die sie im Auftrag der Swiss durchführt, lässt sie häufig ausfallen oder verspätet durchführen. So auch gestern: Nur ein Flug war pünktlich, einer war 41 Minuten verspätet, zwei wurden gestrichen. Viele Tessiner Passagiere haben sich mit dem Missstand schon lange abgefunden. Sie reisen stattdessen vermehrt per Zug nach Zürich oder fliegen ab Mailand-Malpensa.

Doch Flughafen-Vertreter Emilio Bianchi wehrt sich gegen die Aufgabe der Flüge nach Zürich. «Für den Flughafen Lugano hätte das schwerwiegende Folgen.» Der ehemalige Verwaltungsratspräsident der Lugano Airport SA zeigt sich zuversichtlich, dass es dem Flughafen gelingt, Klühr noch umzustimmen. «Wir sind mit der Swiss in Kontakt, und wir wissen, dass noch kein definitiver Entscheid getroffen wurde.» Falls dieser negativ ausfalle, werde das auch für die Swiss schwerwiegende Folgen haben, warnt Bianchi. «Die meisten Swiss-Passagiere aus dem Tessin würden auf den Flughafen Mailand-Malpensa ausweichen und von dort mit anderen Anbietern als der Swiss reisen.»



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Erstellt: 03.08.2019, 20:20 Uhr

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