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Ryanair fliegt ins Chaos

Wegen Pannen bei der Personalplanung fallen Tausende Flüge aus – die Folgen kosten die Billig-Airline Millionen. Chef O’Leary gerät unter Druck.

Für die Piloten sei «bald Schluss mit Süssigkeiten»: Michael O’Leary. Foto: EPA, Keystone
Für die Piloten sei «bald Schluss mit Süssigkeiten»: Michael O’Leary. Foto: EPA, Keystone

Rynair ist in den vergangenen Wochen in schwere Turbulenzen geraten – und noch immer zeichnet sich kein Erlöschen der Warnlämpchen bei Europas führender Billig-Airline ab. Fast täglich hat sich der sonst so selbstbewusste Ryanair-Chef Michael O’Leary bei aller Welt entschuldigen müssen: für ein «selbst verschuldetes Chaos», in das er verzweifelt Ordnung zu bringen sucht.

700'000 Fluggästen hat O’Leary in diesen zwei Wochen mitteilen müssen, dass ihre Flüge gestrichen wurden. Millionen Ryanair-Passagiere, die bereits gebucht hatten, machte er durch verzögerte Informationen nervös. Scharfe Vorwürfe hat er sich eingehandelt, die Betroffenen nicht über ihre Rechte auf Entschädigung aufgeklärt zu haben. Zuletzt drohte die Zivilluftfahrt-Behörde sogar mit Strafverfolgung.

Begonnen hatte das Drama am vorletzten Freitag, als Ryanair aus heiterem Himmel 2000 Flüge für die darauf folgenden sechs Wochen strich – ohne den 310'000 betroffenen Passagieren freilich mitzuteilen, welches die abgesagten Flüge waren. 18 Millionen Passagiere, die für den Zeitraum bis Ende Oktober auf Ryanair gebucht waren, blieben ratlos zurück.

Kein Geld für Hotels

Der Unmut wuchs. Zwar bot Ryanair interne Umbuchungen oder Rückerstattungen der Flugtickets an. O’Leary weigerte sich aber, Tickets für Buchungen mit anderen Fluggesellschaften zu bezahlen oder Kosten für Mietwagen oder Hotels zu übernehmen. Informationen über EU-weit vorgeschriebene Entschädigungen wurden ausserdem nicht explizit weitergegeben, sondern mussten von den Betroffenen über einen Mail-Link selbst herausgetüftelt werden.

Zornige Reaktionen gab es, als Tausende begriffen, dass sie nicht oder nur in Eigeninitiative rechtzeitig zu ihren Terminen und nach Hause kommen könnten. Viele, die umbuchen wollten, fanden sich in endlosen und teuren telefonischen Warteschleifen wieder oder abgeschnitten von jeglichem Kontakt.

Michael O’Leary gab sich reumütig. Er sei bereit, sagte er, in «Sack und Asche» zu gehen. Grund für das entstandene Chaos seien schlicht «Schwierigkeiten mit der Planung des Jahresurlaubs» ­seiner Piloten gewesen. Die Piloten müssten ihre Urlaube früher antreten als geplant.

Das führte zu Spekulationen darüber, ob Ryanair zu wenig Piloten in Reserve habe, um mit einer solchen Situation fertigzuwerden. Dies bestreitet O’Leary entschieden. In letzter Zeit, meint der Ryanair-Chef, hätten sehr wenige der 4200 Piloten Ryanair verlassen, während eine lange Warteliste williger Kandidaten existiere, auf die man zurückgreifen könne.

Die irische Pilotenvereinigung Ialpa hingegen besteht darauf, dass Ryanairs Wartelistenkandidaten häufig Pilotenanwärter seien, die über zu wenig Flugerfahrung verfügten, um eingesetzt werden zu können. Ausserdem, meint die Vereinigung, seien dieses Jahr bereits 719 Ryanair-Piloten abgesprungen – im gesamten Vorjahr waren es 407.

Entschärfung durch Eilanhebung der Pilotensaläre

Mit einer Eilanhebung einiger Pilotensaläre und der Ausschreibung von Jahresprämien im Wert von bis zu 10'000 Euro für Piloten, die auf einen Teil ihres Urlaubs verzichten, suchte O’Leary die Lage zu entschärfen. Die meisten Piloten schlugen das Prämienangebot aber offenbar aus.

Diese Woche blieb dem Ryanair-Boss nichts anderes übrig, als für die Monate von November bis März noch einmal 18'000 Flüge zu streichen, um endlich Ordnung in die Einsatzplanung zu bringen. Weitere 400'000 Passagiere erfuhren, dass die von ihnen gebuchten Maschinen nicht zum Start rollen würden.

Mittlerweile kalkuliert Michael O’Leary, dass die Megapanne Ryanair 50 Millionen Euro kosten dürfte. Inzwischen hat er auch einräumen müssen, dass Ryanair verpflicht ist, Passagiere auf teurere Airlines umzubuchen, wo es mit Ryanair nicht «schnell genug» gehe.

«Irreführender Angaben»

Und nun droht der erfolgsverwöhnten Airline auch noch ein Prozess durch die Behörden wegen «irreführender Angaben» Ryanairs zur Entschädigung. Angesichts dieses Problembergs hat O’Leary die geplante Übernahme Alitalias erst einmal abgesagt.

Dennoch sind die meisten Experten davon überzeugt, dass Ryanair das Chaos verkraften wird – weil auch verärgerte Kunden irgendwann wieder die billigen Ryanair-Flüge buchen werden. Diese Woche gab O’Leary bekannt, dass 1 Million Ryanair-Flüge zwischen Oktober und Februar für weniger als 9 Euro auf den Markt kommen sollen.

Doch noch ist kein Ende des Ärgers in Sicht. Eingeweihte berichten, dass Ryanair-Piloten und -Crews sich für den Aufstand wappnen, um Ryanair endlich zu besseren Arbeitsbedingungen zu zwingen. «Wenn sich die Piloten nicht benehmen», hat O’Leary sie schon gewarnt, «ist Schluss mit den Süssigkeiten.»

Eine Air-Berlin-Maschine bleibt wegen unbezahlter Gebühren am Boden: Ein Airbus A320-214 der Air Berlin in Berlin. (Symbolbild)
Eine Air-Berlin-Maschine bleibt wegen unbezahlter Gebühren am Boden: Ein Airbus A320-214 der Air Berlin in Berlin. (Symbolbild)
Michael Sohn/AP, Keystone
Flug ins Ungewisse: Air Berlin verhandelt weiterhin mit Easyjet über den Verkauf von Unternehmensteilen.
Flug ins Ungewisse: Air Berlin verhandelt weiterhin mit Easyjet über den Verkauf von Unternehmensteilen.
Wolfgang Kumm/DPA, Keystone
Verhandlungen mit der britischen Easyjet, die 25 Flugzeuge übernehmen will, ziehen sich noch hin.
Verhandlungen mit der britischen Easyjet, die 25 Flugzeuge übernehmen will, ziehen sich noch hin.
Paul Zinken/DPA, Keystone
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