Saftige Busse für Dark Pool der Credit Suisse

Die Schweizer Grossbank CS soll Grossinvestoren beim Wertschriftenhandel unfair behandelt haben. Dafür ist eine Busse von 85 Millionen Dollar fällig.

Soll einzelne Kunden ausgespielt und benachteiligt haben: Credit Suisse in New York. (Archivbild)

Soll einzelne Kunden ausgespielt und benachteiligt haben: Credit Suisse in New York. (Archivbild) Bild: Martin Rüetschi/Keystone

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Bestraft werden soll die Credit Suisse für den unlauteren Betrieb von CrossFinder, eines nicht-öffentlichen Wertschriftenmarktes, der Grossinvestoren offensteht und von Hochfrequenzhändlern auf der Suche nach dem schnellen Profit abgegrast wird. Die Klage der US-Börsenaufsicht und des Generalstaatsanwalts des Staates New York zeigt, dass die Credit Suisse einzelne Kunden ausgespielt und benachteiligt hat. Die beiden Behörden und die Bank haben sich nach Angaben der Wirtschaftsagentur Bloomberg auf eine Busse und Wiedergutmachung von 85 Millionen Dollar geeinigt. Besiegelt werden soll der Vergleich Anfang Oktober.

Die Credit Suisse ist die führende Anbieterin eines Dark Pools, einem der Öffentlichkeit und staatlichen Aufsicht entzogenen Handelsplatzes. Institutionelle Anleger können dort Geschäfte abwickeln, ohne die Preise offenlegen zu müssen. Dies hat den Vorteil eines ungestörten Handels zu fixierten Preisen. Obwohl die Behörden seit mehr als anderthalb Jahren gegen Dark Pools ermitteln und im Januar schon die UBS gebüsste haben, verzeichnen Dark Pools einen ungebremsten Zustrom. Im Juli wickelten sie nach Angaben der Finanzmarktaufsicht in den USA fast 18 Prozent aller Aktientranskationen ab.

Credit Suisse ist führend

So seriös wie angepriesen agieren die Banken auch bei ihren Dark Pools nicht. Neben der UBS und der CS wird auch gegen die britische Barclays ermittelt. Sie soll Kunden belogen haben und verschwiegen haben, dass Hochfrequenzhändler einen bevorzugten Zugang zum System hatten. Der CrossFinder der Credit Suisse wickelte in einer Woche im Juli mehr als 430 Millionen Aufträge ab. Gleich wie den anderen involvierten Grossbanken werfen die Behörden auch der CS vor, einzelne Händlern unfaire Vorteile verschafft zu haben. Die Höhe der Busse dürfte die Schwere des Delikts spiegeln. Zudem kann zum ersten Mal der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman eine Busse geltend machen. Sie liegt bei 30 Millionen Dollar. 55 Millionen sollen an die Börsenaufsicht SEC gehen.

Die UBS hatte im Januar einen Vergleich von 14,4 Millionen Dollar abgeschlossen. Die Behörden warfen ihr vor, Hochfrequenzhändler bevorzugt zu haben. Die Bank sollte die illegale Praxis angeblich schon 2010 abstellen, wartete aber gemäss der Untersuchung auf Verlangen von zwei grossen Hochfrequenzhändlern zu.

Spekulanten bevorzugt

Hochfrequenzhändler mit ihren Millionenumsätzen in Sekundenbruchteilen sind die wichtigste treibende Kraft. Sie lieben die Dark Pools, weil sie jeder externen Aufsicht entzogen sind.

Barclays bot ihren Kunden einen besonderen Service an. Mit dem «Liquidity Profiling» versprach sie, jeden Auftrag sorgsam zu überwachen und dafür zu sorgen, dass sich nicht unerwünscht Hochfrequenzhändler einschalten und dank ihrer überlegenen Technik abkassieren könnten. Barclays allerdings tat nach Ansicht der Justiz exakt das Gegenteil. Die Bank öffnete den Hochfrequenzhändlern den Zugriff auf die angeblich überwachten Kundenaufträge und gab ihnen einen entscheidenden Informationsvorsprung. Entgegen den Versprechen wurde kein Hochfrequenzhändler gebremst oder von der Plattform ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Bank vor, zu diesem Zweck auch die Ratings der verdächtigen Händler gefälscht zu haben.

Grosser Spielraum für Behörden

Erleichtert wurde der Fall durch ein unübliches Rechtsmittel sowie durch einzelne Whistleblower. Schneiderman stützte sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1921, das lange vergessen war, aber den Ermittlern einen grossen Freiraum gibt. Schneiderman muss nicht beweisen, dass die Bank ihre Kunden absichtlich ausnehmen wollte. Es genügt, zu zeigen, dass eine Bank sie mit irreführenden oder ungenügenden Informationen über den Dark Pool bedient hatte.

Die CS wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren und laut der Nachrichtenagentur Reuters hat auch die US-Börsenaufsicht nicht Stellung dazu genommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.09.2015, 04:00 Uhr

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