«Schleudersitz? Es ist der spannendste Sessel, den es gibt»

Der neue Salt-Chef Pascal Grieder spricht über den stark kritisierten Kundendienst und die Konkurrenz zur Swisscom.

«Es gab Kinderkrankheiten, und wir waren zu langsam, um diese zu beheben»: Der neue Salt-Chef Pascal Grieder. Bild: Reto Oeschger

«Es gab Kinderkrankheiten, und wir waren zu langsam, um diese zu beheben»: Der neue Salt-Chef Pascal Grieder. Bild: Reto Oeschger

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Pascal Grieder, warum haben Sie sich auf den Schleudersitz des Salt-Chefs begeben?
Schleudersitz? Es ist der spannendste Sessel, den es in der Schweizer Telecombranche gibt. Ich musste keine zwei Sekunden überlegen, um mich in diesen Stuhl zu setzen. Das Fundament von Salt ist stark. Darauf kann ich aufbauen, damit das Unternehmen am Markt mehr Durchschlagskraft entfaltet.

Sie sind der dritte Salt-Chef seit Dezember 2015. Bereitet Ihnen das nicht Bauchschmerzen?
Ich habe kein Bauchweh – und auch keine schlaflosen Nächte. Ich fahre gern Ski. Es gibt blaue Pisten und schwarze. Ich finde die schwarzen Pisten am spannendsten. Wenn man da runterfährt, fällt man auch manchmal um.

Also keine Angst vor dem Umfallen?
Nein. Habe ich seit meinem Antritt im September schon Fehler gemacht? Sicher. Werde ich wieder Fehler machen? Bestimmt. Das gehört dazu. Wichtig ist, wieder aufzustehen und weiterzufahren.

Welche Vorgaben haben Sie von Xavier Niel erhalten, dem fordernden Besitzer von Salt?
Diese sind relativ einfach: Marktanteile gewinnen und die Profitabilität halten, im Privat- wie im Firmenkundengeschäft.

Das ist gerade in der Schweiz mit einer geringen Wechselbereitschaft schwierig.
Salt gewinnt Quartal um Quartal deutlich mehr Kunden. Wir sind gut aufgestellt, um wechselwillige Nutzer anzusprechen. Im Mobilfunk bietet Salt ein Weltklassenetz zu wettbewerbsfähigen Preisen. Mit Salt Fiber haben wir ein einzigartiges Festnetzangebot mit Fernsehen, Telefonie und dem schnellsten Internet der Schweiz lanciert, das den Druck auf die Konkurrenz erhöht.

Tatsächlich? Swisscom und Sunrise behaupten, den Einstieg von Salt ins Festnetzgeschäft kaum zu spüren.
Wir sind zufrieden damit, wie sich die Kundenzahlen bei Salt Fiber entwickeln. Wir machen aber keine konkreten Angaben.


«Für ein Unternehmer in seiner Position ist Xavier Niel nahbarer, als ich erwartet habe.»

Warum eigentlich?
Wir sehen es als Wettbewerbsvorteil, wenn wir die Zahlen derzeit noch für uns behalten.

Das nährt eben den Verdacht, dass es nicht so gut läuft.
Wie gesagt: Salt Fiber entwickelt sich im Rahmen unserer Erwartungen.

Xavier Niel kennt diese Zahlen bestimmt. Wie hoch ist sein Grad der Einmischung?
Ich habe seit Amtsantritt keinen einzigen Anruf von Xavier bekommen. Unser Freiheitsgrad unterscheidet sich nicht wesentlich von einer anderen Organisation. Salt ist in privatem Besitz. Die Firma hat aber einen starken Verwaltungsrat, von dem ich wertvolle Inputs erhalte.

Der kostenbewusste Franzose gehört zu den prägenden Mobilfunkunternehmern in Europa. Wie ist er im persönlichen Umgang?
Er ist bodenständig und ein guter Zuhörer. Er geht auf sein Gegenüber ein. Für ein Unternehmer in seiner Position ist er nahbarer, als ich erwartet habe.

Sie haben Salt in turbulenten Zeiten übernommen. Beispielsweise steckt der Kundenservice seit dem Sommer in der Kritik.
Die Serviceleistung von Salt ist in der überwiegenden Mehrheit der Fälle gut und schnell. Am Rest arbeiten wir intensiv. Die Kundenzufriedenheit hat für mich oberste Priorität. Der Kundenservice ist heute schon besser als vor sechs Monaten und wird in sechs Monaten nochmals besser sein als heute.

Vor allem die Lancierung von Salt Fiber lief alles andere als reibungslos. Was sagen Sie verärgerten Kunden?
Es gab Kinderkrankheiten, und wir waren zu langsam, um diese zu beheben. Wir erfassen bei Neukunden monatlich die Zufriedenheit mit dem Service. Die Kurve zeigt steil nach oben. Kunden wenden sich zum Teil auch persönlich an mich. Ich schaue mir sämtliche dieser Fälle selbst an. Damit gehe ich sicher, dass wir die Ursache der Beschwerde auch eliminieren und nicht nur das konkrete Anliegen. Kundenzufriedenheit ist meine oberste Priorität.

Eine schöne Floskel.
Für mich ist das extrem wichtig, und deswegen komme ich jeden Tag zur Arbeit. Ich will stolz sein auf unsere Produkte. Im hiesigen Telecommarkt herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. Wir können uns verärgerte Kunden schlicht nicht leisten.

Trotzdem: Salt hat in den vergangenen drei Jahren restrukturiert und Stellen abgebaut. Wie wollen Sie so einen besseren Kundenservice hinbekommen?
Die Phase der Umstrukturierung ist seit 2017 vorbei. Ich nutze gern das Bild des Athleten. Salt hat abgespeckt und ist nun «fit». Um die Form zu halten, müssen wir schlank und effizient bleiben. Nur so können wir rasch auf die Wünsche unserer Kunden reagieren. Es ergibt aber keinen Sinn, zu viel Gewicht zu verlieren. In einigen Bereichen wie Netz- und Informationstechnologie haben wir auch Stellen aufgebaut.

Die Verbreitung von Salt Fiber ist derzeit beschränkt. Haben Sie vor, Ihre Festnetzprodukte auch auf dem Kupferkabel anzubieten?
Tatsächlich kann nur ein Drittel aller Schweizer Haushalte Salt Fiber nutzen. Die anderen zwei Drittel haben keinen Zugang zu Glasfasernetzen, die direkt in die Gebäude von Privatpersonen und Kleinfirmen führen. Hier fehlt der Wettbewerb, was dazu führt, dass die Konsumenten für weniger Leistung pro Jahr etwa tausend Franken mehr bezahlen als mit unserem Angebot. Unsere angebotene Geschwindigkeit beim Internetanschluss mit 10 Gigabit pro Sekunde ist über Kupferkabel nicht möglich.

Die Lösung wäre eine Zusammenarbeit mit Marktführer Swisscom.
Ob eine solche zustande kommt, hängt stark von den wirtschaftlichen Realitäten ab. Soeben hat der Nationalrat das revidierte Fernmeldegesetz verabschiedet. Davon profitiert vor allem die Swisscom. Sie ist nun nicht verpflichtet, anderen Anbietern Festnetzzugang zu wettbewerbsfähigen Konditionen zu gewähren. Das schwächt unsere Verhandlungsposition. Unser Ziel ist indes klar: Wir wollen in möglichst viele Haushalte kommen, damit die Konsumenten eine echte Auswahl bekommen.

Ein Brennpunkt für die Mobilfunkanbieter wird 2019 die neue Netztechnologie 5G. Salt übt sich im Vergleich zu Swisscom und Sunrise in Zurückhaltung. Warum?
Wir werden ab dem dritten Quartal 2019 kommerzielle 5G-Produkte anbieten. Auch wir haben bereits Testbetriebe durchgeführt. Wir reden nur weniger darüber als unsere Konkurrenten. Der Grund ist einfach: Es gibt noch gar keine 5G-fähigen Geräte, die heute erhältlich sind. Solange ich meinen Kunden keine handfesten Angebote machen kann, sehe ich keinen Anlass, darüber ausschweifend zu sprechen.

Eine wichtige Hürde muss Salt indes noch nehmen. Anfang Januar versteigert die Eidgenossenschaft die 5G-Lizenzen. Hält Firmenbesitzer Niel ein finanzielles Polster bereit, damit die Firma bei den Angeboten der Konkurrenz mithalten kann?
Leider kann ich auf Ihre Frage nicht im Detail eingehen. Die Auktionsregeln erlauben es potenziellen Auktionsteilnehmerinnen zu diesem Zeitpunkt nicht, Kommentare bezüglich der Auktion abzugeben.

Erstellt: 16.12.2018, 19:06 Uhr

Zur Person

Pascal Grieder ist seit dem 1. September neuer Chef von Salt. Sein Vorgänger Andreas Schönenberger musste Ende August die Leitung des drittgrössten Schweizer Mobilfunkanbieters per sofort abgeben.

Bislang in der Öffentlichkeit unbekannt, war Grieder zuletzt beim Beratungsunternehmen McKinsey tätig. Er beriet dort international tätige Telecomfirmen.

Der 41-Jährige übernimmt Salt in einer turbulenten Phase. Im Sommer ist die Firma in den Festnetzmarkt eingestiegen mit dem aktuell schnellsten Internetzugang der Schweiz. Weiter hat Salt in den vergangenen zwei Jahren Dutzende Stellen abgebaut.

Grieder ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Diesen Monat zügelt er mit seiner Familie in die Umgebung von Morges VD, um in der Nähe des Salt-Hauptsitzes in Renens VD zu wohnen.

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