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Erdogan droht mit Boykott von US-Elektro-Geräten

Als Reaktion auf die Sanktionen aus Washington hat der türkische Präsident Apple, Google und Co. ins Visier genommen.

Giesst in der Krise weiter Öl ins Feuer: Recep Tayyip Erdogan. (13. August 2018)
Giesst in der Krise weiter Öl ins Feuer: Recep Tayyip Erdogan. (13. August 2018)

Die Türkei erlebt dieser Tage ihre schwerste Währungskrise seit dem Kollaps ihres Finanzsystems 2001. Ausgelöst wurde die – laut Ökonomen zum Grossteil hausgemachte – Krise vergangene Woche durch den erbitterten Streit zwischen der Türkei und den USA um die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson.

Nun hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan als Reaktion auf Sanktionen aus Washington einen «Boykott» elektronischer Geräte aus den USA angekündigt. Die USA hätten iPhones, doch «auf der anderen Seite» gebe es Samsung, sagte Erdogan am Dienstag im türkischen Fernsehen mit Bezug auf den US-Handyhersteller Apple und den südkoreanischen Konkurrenten. Ausserdem habe die Türkei ihren eigenen Hersteller Vestel.

Die Türkei und die USA stecken derzeit in einem tiefen Konflikt, der die türkische Währung massiv belastet. Im Zentrum steht der Fall des evangelikalen Pfarrers Andrew Brunson, der seit Oktober 2016 in türkischer Haft sitzt. Als die US-Regierung deswegen kürzlich Sanktionen gegen zwei türkische Minister verhängte, brach die Lira ein.

Nachdem auch ein hochrangiges Treffen in Washington keine Lösung brachte, kündigte US-Präsident Donald Trump am vergangenen Freitag neue Zölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte an.

Börse in Istanbul erholt sich nach Lira-Erholung

Am Montag sicherte die türkische Zentralbank zu, «alle notwendigen Massnahmen» zur Wahrung der Finanzstabilität zu ergreifen. Der Lira-Kurs erholte sich am Dienstagmorgen etwas. Der Leitindex in Istanbul legte rund zwei Prozent zu, nachdem er am Montag wegen der Währungskrise in der Türkei 2,4 Prozent verloren hatte.

Auch gegen die «Terroristen» auf sozialen Medien machte Erdogan Stimmung. Video: Reuters.

Vor allem die Aktien der türkischen Banken, die in den vergangenen Tagen besonders unter Druck gestanden hatten, waren wieder gefragt. Der Index der türkischen Bankbranche kletterte um mehr als vier Prozent.

Auch die Lira, die seit Anfang 2018 fast die Hälfte ihres Wertes eingebüsst hat, legte um über fünf Prozent zu und rückte somit von dem am Montag erreichten Rekordtief von 7,24 Lira je Dollar wieder ab.

Sollte die Lira weiterhin unterhalb der Marke von sieben Lira zum Dollar bleiben, helfe das dem deutschen Aktienmarkt, zeigte sich Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets überzeugt. «Fällt der Kurs der Lira jetzt nicht mehr weiter, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass das Türkei-Thema für die Börsen durch ist.» Das wäre dann seiner Meinung nach auch ein Signal für eine Erholung an anderen Märkten.

Zu früh für Entwarnung

Analysten der Commerzbank zeigten sich aber weiterhin zurückhaltend beim Thema Lira. «Auch wenn ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass sich Ansteckungseffekte in Grenzen halten werden, da die Probleme der Türkei hausgemacht sind und die Volkswirtschaft zu klein ist, um global signifikanten realwirtschaftlichen Schaden anzurichten, dürfte es noch zu früh sein, um Entwarnung zu geben», sagte Devisenexpertin Thu Lan Nguyen.

Die türkische Währungskrise hatte die Finanzmärkte zuletzt in Aufruhr versetzt und am Montag auch die Wall Street belastet. Börsianer befürchten durch den Kursverfall der Lira Probleme für Banken und andere Schwellenländer.

Investoren machen sich wegen der Geldpolitik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sowie des Zerwürfnis mit den USA Sorgen und haben deshalb Geld abgezogen und türkische Anleihen auf den Markt geworfen.

Finanzminister äussert sich

Derweil wurde bekannt, dass der türkische Finanzminister Berat Albayrak eine Telefonkonferenz mit Investoren plant. Laut einem Ministeriumsmitarbeiter soll diese am Donnerstag stattfinden. Am Gespräch würden sich Investoren aus den USA, Europa und dem Nahen Osten beteiligen, teilte der Behördenvertreter am Dienstag mit. Insgesamt werde mit 1000 Teilnehmern gerechnet.

AFP/nag

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