Das Ende der SBB-Minibars

60 neue Speisewagen sollen ab Dezember schrittweise die rollenden Kioske ersetzen: Wie die SBB ihr Gastroangebot umkrempeln.

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«Bier! Kaffee! Sandwich! Biberli! Mineral!» Zugreisende werden die lautstarke Ankündigung der Männer und Frauen, die mit ihren Wägelchen durch die Waggons laufen, schon bald kaum mehr zu hören bekommen. Auch das monotone «Im oberen Teil dieses Wagens bedient Sie jetzt die SBB-Minibar» wird immer seltener aus den Lautsprechern schallen. Ab Dezember beginnen die SBB mit dem Abbau des Angebots. Bis 2021 sollen sie ganz verschwunden sein.

Anstelle der rollenden Kioske planen die Bundesbahnen eine markante Aufstockung der Speisewagenflotte. Heute besitzen sie 90 Restaurants auf Schienen. Geplant war bisher eine Erhöhung auf 120 Waggons. «Nach einer Überarbeitung der Pläne budgetieren wir jetzt gar mit 150 Speisewagen», sagt ein SBB-Sprecher. So kann das Management sein Versprechen einlösen, künftig auf allen Intercity- und Eurocity-Linien Speis und Trank anzubieten.

Die neue Strategie nennt sich Catering 3.0. Ziel ist es, Reisenden in Zukunft ein «qualitativ hochstehendes Angebot zu fairen Preisen» zu bieten, wie es bei der ersten Ankündigung hiess. Insbesondere das Take-away-Angebot werde dabei ausgebaut. Im Speisewagen habe man mehr Lagerfläche als in einer Minibar, erklärt der SBB-Sprecher. Deshalb könne man die Auswahl vergrössern. Die SBB verweisen dabei gerne auf Schnellmahlzeiten wie Currywurst, Wurst-Käse-Salat oder Chili con carne, die es künftig in den Speisewagen und an den Selbstbedienungstheken geben wird, auf die diversen Kaffeevariationen von Starbucks, die roten und weissen Schweizer Weine von Mövenpick und die verschiedenen Biersorten mit Marken wie Ittinger und Calanda.

«Ein normaler Vorgang»

Doch während bei Mahlzeiten, heissen Getränken und Alkohol aufgerüstet wird, bauen die SBB bei den alkoholfreien Kaltgetränken ab. Schon seit August gibt es in den Zügen nur noch Mineral, Cola, Cola Zero, Orangensaft und Schorle zu kaufen. Eistee? Fanta? Citro? Apfelsaft? Alle diese Klassiker bekommt man an Bord nicht mehr. «Wir haben die Getränkeauswahl reduziert», bestätigt der Sprecher. Man konzentriere sich beim Angebot auf Produkte, die am meisten nachgefragt würden.

Diverse Sorten sind darum Ende Juli aus dem Programm geflogen – Rivella wurde bereits vor einem Jahr gestrichen. «Das ist ein normaler Vorgang. Wir passen das Sortiment immer wieder den veränderten Wünschen an», so der Sprecher. Unter der Reduktion leiden jedoch mitunter die Mitarbeitenden der SBB-Gastronomietochter Elvetino. «Wir müssen uns ständig rechtfertigen, dass wir nur eine so kleine Auswahl haben», sagt eine Speisewagenangestellte. Sie und ihre Kollegen hätten deswegen auch schon beim Management reklamiert – ohne Erfolg.

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Die Bahn gibt denn auch zu, dass einige Passagiere sich über das geschrumpfte Getränkeangebot beklagen. «Es gab deswegen einige negative Kundenreaktionen», so der Sprecher. «Bisher erreichen sie aber kein ungewöhnliches Ausmass.» Übers Ganze gesehen, stiessen die Veränderungen im Rahmen des neuen Cateringkonzepts auf Zustimmung, die von den SBB seit rund zwölf Monaten getestet werden. «Wir ziehen ein erstes positives Fazit. Die getesteten Angebote kommen bei den Kunden gut an, und wir weiten das Angebot schrittweise aus», erklärt der Sprecher. Unter dem Strich fände ein massiver Ausbau statt.

Kleinerer Verlust

Die Anpassungen haben einen wirtschaftlichen Auslöser. Die SBB verlieren mit ihrem Verpflegungsangebot viel Geld. Dies vor allem darum, weil sich immer mehr Passagiere bereits vor der Reise mit Essen und Getränken eindecken. Das Angebot in und um die Bahnhöfe hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Dadurch sanken die Umsätze in den Zügen.

Eine Goldgrube wird der Speisewagen auch künftig nicht sein. Die Bahngastronomie werde defizitär bleiben, so die SBB. Aber dank der Neuausrichtung und Konzentration auf die Intercity-Strecken soll der Verlust auf einen einstelligen Millionenbetrag sinken. «Die SBB sind bereit, den Kunden diesen Service trotz Verlust anzubieten.»

Erstellt: 10.09.2017, 18:36 Uhr

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