SBB schliessen die Hälfte aller Bahnschalter

Ein Zugbillett kann man heute bequem übers Internet kaufen. Die Schalter an den Bahnhöfen werden weniger gebraucht. Nun steht eine grosse Schliessungswelle bevor.

Die Zahl bedienter Bahnhöfe hat sich schon seit 2002 halbiert: Eine Frau am Ticketschalter des Hauptbahnhofs Zürich. (20. August 2002)

Die Zahl bedienter Bahnhöfe hat sich schon seit 2002 halbiert: Eine Frau am Ticketschalter des Hauptbahnhofs Zürich. (20. August 2002) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Weil immer mehr Fahrgäste ihre Zugbillette online oder über das Mobiltelefon kaufen, braucht es künftig weniger Verkaufsstellen. Die SBB wird deshalb laut SBB-Präsident Ulrich Gygi in den nächsten Jahren Bahnschalter schliessen. Wie viele betroffen sind, ist offen.

«Aber es ist klar, dass wir längerfristig nicht einfach neue Verkaufskanäle wie Online und das Mobiltelefon hinzufügen können, ohne die Verkaufsstellen zu reduzieren», sagte Gygi im Interview mit der «SonntagsZeitung».

Von 50 auf 10 Prozent Schalteranteil

Vor zehn Jahren habe noch rund die Hälfte der Reisenden das Billett im bedienten Verkauf bezogen; heute gehe nur noch ein Viertel an den Schalter. «Wir rechnen damit, dass sich unsere Fahrgäste bis in zehn Jahren neun von zehn Fahrausweisen in der Selbstbedienung kaufen.» Die SBB müsse die Kosten der Verkaufskanäle in den Griff bekommen.

In den vergangenen zehn Jahren ist bereits jeder dritte bediente Bahnschalter verschwunden. Das entspricht 97 Schliessungen, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt. Auch 2014 verschwanden weitere sechs bediente Stationen. Ende Jahr konnten noch an 179 Bahnhöfen Billette am Schalter gekauft werden. Gegenüber 2002 hat sich die Zahl der bedienten Bahnhöfe damit halbiert.

Experiment mit Zahlungsverkehr floppte

Die Alternativen zum Schalter müssen laut Gygi allerdings gut funktionieren – «sonst haben wir Feuer im Dach». In Frage kommt neben dem Onlineverkauf beispielsweise ein Callcenter, «in dem dann auch tatsächlich jemand abnimmt».

Kombinationen mit Ladenangeboten nach Vorbild der Post hält Gygi nicht für sinnvoll, da das Billettsortiment der SBB zu kompliziert sei. Auch ein Versuch mit Zahlungsverkehr am Bahnschalter ist gefloppt: Ein Pilotversuch mit der Möglichkeit, am SBB-Schalter Rechnungen zu zahlen, wurde 2013 nach rund eineinhalb Jahren abgebrochen. (rub/sda)

Erstellt: 29.03.2015, 11:58 Uhr

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