Schatten über dem Sonnenreich

Tesla-Chef Elon Musk will Elektroauto, Solar- und Batterietechnik zu einem Energiekonzern verschmelzen. Zum Entsetzen der Aktionäre.

Träumt von einem Imperium der Nachhaltigkeit: Tesla-Chef Elon Musk. Foto: Bloomberg

Träumt von einem Imperium der Nachhaltigkeit: Tesla-Chef Elon Musk. Foto: Bloomberg

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Elon Musk träumte schon immer eine Nummer grösser als alle anderen. Seine jüngste Idee ist auch die umstrittenste: Er will die grösste Solarinstallationsfirma der Vereinigten Staaten in seine Tesla-Autowerke integrieren und sie mit der im Bau befindlichen Batteriefabrik verbinden. «Earth’s Solution» heisst das Projekt – die Lösung der Energieprobleme der Welt. Musk glaubt, das Energieimperium könne 1000 Milliarden Dollar wert sein, mehr als je ein Unternehmen erreicht hat.

Die Chance allerdings, dass er mit seiner an sich überzeugenden Idee durchkommt, ist gering. Die Reaktionen der Investoren sind durchgehend negativ ausgefallen. Tesla verlor an der Börse mehr als zehn Prozent des Marktwertes, und Solarcity setzte den seit Monaten anhaltenden Rückwärtsgang fort. Das Misstrauen der Anleger ist gross. Beide Firmen, die von Musk kontrolliert ­werden, verloren in zwei Tagen mehr als Solarcity wert ist.

Grösste Batteriefabrik der Welt

Dabei scheint die Idee durchaus sinnvoll. Musk ist der grösste Hersteller von Elektrofahrzeugen und hat für den «Volks-Tesla» dieses Jahr fast 400 000 Bestellungen bekommen. Die grosse Nachfrage nach dem rund 35'000 Dollar kostenden Tesla 3 lastet die Fertigungswerke derart stark aus, dass die Kunden bis 2020 auf die Auslieferung warten müssen. Am meisten Sinn ergibt das E Auto dann, wenn der Strom nachhaltig – also mit Solar- und Windenergie – produziert wird. Deshalb zieht Musk in Nevada parallel die weltweit grösste Batteriefabrik hoch. Hier sollen nicht nur die Batterien für Tesla hergestellt werden, sondern auch für andere Autokonzerne sowie für Unternehmen und Privathaushalte, die ihren Solarstrom speichern wollen. Dies alles wird ergänzt durch Solarcity, die grösste Installationsfirma von Solaranlagen auf Haus­dächern in den USA.

Doch Solarcity ist auch die grosse Unbekannte in Musks Energieimperium. Die Firma hat nur genügend liquide Mittel, um die mehr als 15'000 Angestellten für die nächsten sechs bis neun Monate zu bezahlen. Gleichzeitig arbeitet Solarcity wie auch Tesla noch nicht profitabel. Das Unternehmen ist somit auf die Finanzmärkte angewiesen, um sich mit neuen Krediten zu versorgen und die Lohnkosten von einer Milliarde Dollar zahlen zu können. Doch genau dieser Zugang zu den Kapitalmärkten wäre durch Musks Pläne gefährdet. Solange der Deal in der Luft hängt, wird es Solarcity schwerfallen, neues Kapital aufzunehmen, da ungewiss ist, ob und zu welchen Bedingungen die Übernahme gelingt. Dabei hilft nicht, dass Musk und der Chef von Solarcity Cousins sind. Diese familiären Bindungen riechen nach Interessenkonflikten. Der Markt hasse solche Konflikte, gibt die Esplanade Capital zu bedenken: «Es gibt symbiotische Beziehungen hier, aber Cousins sollten nicht heiraten.»

Hinzu kommt, dass Musk selber Interessenkonflikte hat. Er ist Verwaltungsratspräsident beider Firmen und leitet auch die Raumfahrtgesellschaft Space X, die letztes Jahr «Solarbonds» von Solarcity aufkaufte und das Unternehmen damit faktisch quersubventionierte. Die finanzielle Notlage könnte Solarcity nun zwingen, die Kosten zu senken, was aber nur geht, wenn die Belegschaft verkleinert wird. Damit drohe ein «unternehmerisches Schlamassel», warnt die Credit Suisse. «Die Strategie und die finanzielle Begründung sind nicht überzeugend.» Die meisten Wallstreet-Analysten teilen die Meinung der Schweizer Bank und befürchten, Musk könnte sich mit dem Manöver die Sympathie vieler Investoren verscherzen.

Übernahme aus Ärger

So gut das Zusammenführen der Firmen zu einem Solarimperium auf dem Papier aussieht, so fraglich ist sie in Wirklichkeit: Die finanzielle Zukunft der Solarenergie ist heute ungewisser als noch vor zwei Jahren. Zum einen laufen viele der finanziellen Anreize für Hauseigentümer, die Solaranlagen installieren lassen, aus. Und auch die Einleitungstarife für privat erzeugten Solarstrom ins Netz stehen infrage. Zudem droht die Zahlungsunfähigkeit von Hausbesitzern, die sich in guten Zeiten mit dem Umrüsten übernommen haben.

Solche Ungewissheiten haben die drei grossen Solarfirmen der USA stark unter Druck gesetzt. Solarcity, Vivint Solar und Sunrun haben seit Jahresbeginn zwischen 50 und 70 Prozent ihres Wertes eingebüsst. Musk dürfte die Übernahme von Solarcity aus Ärger über den sinkenden Unternehmenswert vorgeschlagen haben, um den Kursrutsch zu bremsen. Gelungen ist ihm das nur kurz. Gestern gab Solarcity an der Börse erneut nach.

Erstellt: 23.06.2016, 22:23 Uhr

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