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Schock für Sika

Der Schweizer Konzern Sika soll vom französischen Konkurrenten Saint Gobain übernommen werden, die Manager wehren sich vehement. Wer hat den Verkauf eingefädelt, was macht Sika eigentlich, ist sie erfolgreich und wer entscheidet schliesslich diesen Deal? Die Antworten.

Informieren an einer Medien- und Analystenkonferenz zur geplanten Übernahme: Paul Hälg, Präsident des Verwaltungsrates (links), und Sika-CEO Jan Jenisch. (8. Dezember 2014)
Informieren an einer Medien- und Analystenkonferenz zur geplanten Übernahme: Paul Hälg, Präsident des Verwaltungsrates (links), und Sika-CEO Jan Jenisch. (8. Dezember 2014)
Ennio Leanza, Keystone
Spannungen in der Konzernleitung nach dem Übernahmeangebot der Saint-Gobain-Gruppe: Logo am Sitz der Sika in Baar. (31. März 2010)
Spannungen in der Konzernleitung nach dem Übernahmeangebot der Saint-Gobain-Gruppe: Logo am Sitz der Sika in Baar. (31. März 2010)
Gaetan Bally, Keystone
Mit Bauchemie gross geworden: Manager in einem Sika-Lager.
Mit Bauchemie gross geworden: Manager in einem Sika-Lager.
PD
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Die geplante Übernahme des Schweizer Bauzulieferers Sika durch den französischen Baustoffkonzerns Saint Gobain ist für das Unternehmen, seine Mitarbeiter, seine Geschäftsleitung und seine Anleger ein Schock.

An den Börsen fällt die Verkaufsabsicht deutlich durch, der Kurs der Sika-Aktie ist nach Marktöffnung um fast 16 Prozent gefallen. Zuvor waren die Aktien von Sika sehr beliebt, die Titel haben allein seit Anfang 2013 um 84 Prozent zugelegt.

Ganz anders Saint Gobain. Im gleichen Zeitraum ist die Aktie des französischen Konzerns bloss um 16 Prozent gestiegen. Nach Bekanntwerden der Kaufabsicht von Sika ist auch der Kurs von Saint Gobain am Morgen mehr als 3 Prozent getaucht.

Dass sie Verkaufsabsicht bei der Konzernführung auf wenig Gegenliebe stösst, ist beim Blick auf die Eigentumsverhältnisse und die wirtschaftliche Aufstellung von Sika nicht verwunderlich. Dass die Konzernleitung beim Zustandekommen des Deals auch gleich den Bettel hinschmeissen will, ist allein durch die Ereignisse der vergangenen Tage verständlich.

Dominanz einer Familie sichern

Den Verkauf eingefädelt hat die Familie Burkhard-Schenker – Nachkommen der Gründergeneration – die mit 52,4 Prozent der Stimmrechte, aber einem Aktienkapitalanteil von bloss 16,1 Prozent, das Unternehmen kontrolliert. Gemäss Mitteilung der Konzernleitung von heute Montag hat die Familie offenbar weder den Verwaltungsrat noch die Konzernleitung für die Verhandlungen und den Abschluss mit Saint Gobain mit einbezogen.

Eine Kontrolle von Unternehmen mit einer Kapitalminderheit ist in der Schweiz möglich, weil es nach wie vor möglich ist, einzelne Aktien mit höheren Stimmrechten auszustatten um so die Dominanz etwa einer Familie im Hintergrund zu sichern. Das bekannteste Beispiel dafür stellt der Pharmakonzern Roche dar.

Bisher haben sich die von der Familie unabhängigen Vertreter im Verwaltungsrat und die Konzernleitung auf wiederholte Äusserungen verlassen, gemäss der die Familie stets die Interessen aller Aktionäre im Auge behalten würde. Eine Übernahme widerspreche dem, schreibt nun die Sika-Konzernleitung.

Management wehrt sich

Für den dominierenden Anteil der Familie an Sika will Saint Gobain 2,75 Milliarden Franken hinblättern. Hochgerechnet auf alle Aktien würde das einer Marktkapitalisierung von 17,1 Milliarden Franken entsprechen, wie Martin Hüsler, Analyst der Zürcher Kantonalbank, errechnet hat.

Das wäre ein deutlicher Aufschlag auf dem Börsenwert von 9,6 Milliarden Franken vom vergangenen Freitag. Den übrigen Aktionären – und damit der überwiegenden Mehrheit – ist bisher aber kein Angebot unterbreitet worden. Wahrscheinlich geschieht das auch künftig nicht, denn Saint Gobain könnte, wie jetzt die Familie, auch ohne Kapitalmehrheit das Schweizer Unternehmen beherrschen.

Auch ein Blick auf die gegenwärtige Stärke von Sika auf den eigenen Märkten macht verständlich, warum das Management von einer Übernahme nichts wissen will. Das Unternehmen ist stark in der Spezialitätenchemie als Zulieferer der Bauwirtschaft positioniert. Die Kernkompetenzen liegen in den Bereichen Dichten, Kleben, Dämpfen, Verstärken und Schützen. Das bereits in 84 Ländern aktive Unternehmen mit rund 17'000 Mitarbeitern ist auf seinen Märkten je nach Land entweder Marktführer oder zweitgrösster Anbieter.

Forsche Akquisitionsstrategie

Dazu kommt, dass Sika in jüngster Zeit ein eindrückliches Wachstum hingelegt hat. In regionaler Währung ist der Umsatz in den ersten 9 Monaten des laufenden Jahres um fast 16 Prozent gestiegen, in Franken um 9,6 Prozent. Er beläuft sich per Ende September auf 4,2 Milliarden Franken. Der Gewinn hat in der gleichen Zeit um 21 Prozent zugelegt.

Ein Teil des Wachstums geht auch auf eine forsche Akquisitionsstrategie zurück. Allein 2014 hat Sika wieder drei Unternehmen zugekauft, je eins in Brasilien, Südkorea und in der Schweiz. Allein im Vorjahr hat das Unternehmen in den Schwellenländern 10 neue Werke eröffnet und 5 Zukäufe getätigt. Das Unternehmen sieht sich damit gut positioniert, weiterhin vom Nachholbedarf an Infrastrukturinvestitionen in stark wachsenden Schwellenländern zu profitieren. Laut der Unternehmensleitung wäre ein Weiterverfolgen der bisherigen Wachstumsstrategie nach einer Übernahme nicht mehr möglich.

Trotz der Zukäufe erscheint auch die Verschuldungslage nach einem Blick in die Bilanz nicht besorgniserregend: Der Eigenkapitalanteil liegt bei hohen 47 Prozent der gesamten Anlagen. Das Umlaufvermögen deckt die kurzfristigen Verbindlichkeiten um das 2,4-Fache.

Die Wettbewerbsbehörden entscheiden

Den Verkauf an Saint Gobain lehnt die Unternehmensführung auch ab, weil Sika wenig Synergiepotenzial zu dem französischen Konzern aufweise und weil so Aktienwert vernichtet werde. Saint Gobain ist ebenfalls als Bauzulieferer tätig und breiter aufgestellt als Sika, mit Werkstoffen aber auch in ähnlichen Bereichen tätig wie das Schweizer Unternehmen.

Laut der Konzernleitung von Sika würde mit dem Zusammengehen mit Saint Gobain auch viel von der Kultur des Unternehmens zerstört, was nicht im Interesse der Mehrheitsaktionäre liege. Die Entwicklung des Aktienkurses von Sika zeigt, dass man bei den Anlegern diese Sorge teilt.

Ob der Zusammenschluss am Ende wirklich zustande kommt, dürfte wegen der Ähnlichkeiten im Angebot und der starken Stellung der beiden Unternehmen in ihren Märkten letztlich von der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden abhängen.

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