Schummel-Software bei Daimler entdeckt

Einem Zeitungsbericht zufolge wird dem deutschen Fahrzeug-Hersteller eine «unzulässige Abschaltevorrichtung» vorgeworfen.

60'000 Fahrzeuge sind betroffen: Der Mercedes-Stern dreht sich in Stuttgart. (13. August 2018)

60'000 Fahrzeuge sind betroffen: Der Mercedes-Stern dreht sich in Stuttgart. (13. August 2018) Bild: Sebastian Gollnow/DPA/Keystone

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Im Dieselskandal hat das deutsche Kraftfahrtbundesamt (KBA) eine bisher unbekannte Schummel-Software bei Daimler entdeckt. Die Behörde habe ein Anhörungsverfahren gegen den Autobauer wegen Verdachts auf eine weitere «unzulässige Abschaltvorrichtung» eingeleitet. Dies berichtete die deutsche Zeitung «Bild am Sonntag». Betroffen sind demnach rund 60'000 Fahrzeuge vom Mercedes-Benz-Modell GLK 220 CDI mit der Abgasnorm 5, die zwischen 2012 und 2015 produziert worden waren.

Die Behörde war dem Bericht zufolge bereits im Herbst 2018 auf die umstrittene Software-Funktion bei dem Motor OM 651 gestossen. Weitere Emissionsmessungen bei einem GLK-Modell hätten den Verdacht dann erhärtet. So werde der gesetzliche Grenzwert für Stickoxide im Neuen Europäischen Prüfzyklus (NEFZ) nur eingehalten, falls die sogenannte Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelung aktiv ist. Im Strassenbetrieb werde die Funktion dagegen deaktiviert und der Grenzwert von 180 Milligramm pro Kilometer deutlich überschritten.

Heimliche Entfernung?

Ein Daimler-Sprecher bestätigte das Anhörungsverfahren gegenüber der Zeitung: «Wir kooperieren vollumfänglich mit dem Kraftfahrt-Bundesamt und prüfen den beschriebenen Sachverhalt», sagte er der «BamS».

Daimler musste vergangenes Jahr auf Anordnung des KBA schon mehrfach Fahrzeuge zurückrufen, davon allein 280'000 in Deutschland. Daimler führt die Rückrufe zwar aus, hat aber Widerspruch eingelegt.

Laut der «BamS» hat das KBA herausgefunden, dass die neu entdeckte Funktion bei Software-Updates von Daimler unbemerkt entfernt worden war. Ob, und warum dies geschehen ist, wollte ein Daimler-Sprecher aus rechtlichen Gründen nicht beantworten. «Die Behauptung, dass wir mit der freiwilligen Service-Massnahme etwas ‹verbergen› wollen, ist unzutreffend», sagte der Sprecher. Zur einer möglichen Verantwortung von Entwicklungsvorstand Ola Källenius sagte er: «Herr Källenius gibt persönlich keine Software-Updates frei.» (roy/SDA)

Erstellt: 14.04.2019, 03:48 Uhr

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