Korruption bei Airbus: Auch Schweiz ermittelt

Neue Dokumente zeigen, dass die Schweiz an mehreren Stellen in den Skandal um den Flugzeugriesen involviert ist. Zürich und Zug tauchen in den Akten auf.

2003 verkaufte Airbus sieben Maschinen vom Typ A330 an Egypt Air. Das Geld landete mitunter in Genf. Foto: Wikipedia Commons

2003 verkaufte Airbus sieben Maschinen vom Typ A330 an Egypt Air. Das Geld landete mitunter in Genf. Foto: Wikipedia Commons

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Im Zentrum steht das «Bullshit Castle» – frei übersetzt: «Schloss des Schwachsinns». Das ist der wenig schmeichelhafte Name, den Airbus-Chef Tom Enders einer speziellen Abteilung seines Konzern gab. Diese Strategy and Marketing Organization, kurz SMO, war für den Verkauf von Flugzeugen und anderer Technik verantwortlich. Sie beschäftigte auch eine Reihe von Agenten, die angeblich mit fraglichen Mitteln an Aufträge kamen. 2016 machte Airbus das «Bullshit Castle» kurzerhand dicht und zeigte sich selber in London an.

Jetzt zeigen neue Dokumente erstmals, dass ein Teil der Operationen dieser SMO über die Schweiz liefen. Es zeigt sich auch, dass die Genfer Justiz inzwischen Teil der internationalen Ermittlungen ist. Sie durchsuchte Anfang 2017 auf Bitten französischer Fahnder die Schweizer Luxuswohnung eines Mitarbeiters dieser berüchtigten SMO-Abteilung.

Neue Dokumente aufgetaucht

Die Franzosen führen ein Verfahren wegen Korruption gegen den SMO-Mann. Seine Abteilung soll konkret beim Verkauf von Airbus-Satelliten an Kasachstan Schmiergelder gezahlt haben. Neun Millionen Euro gingen angeblich an einen zwielichtigen Vermittler mit guten Beziehungen im Umfeld des kasachischen Präsidenten. So habe Airbus schliesslich den Auftrag erhalten.

Die neuen Dokumente zum Korruptionsfall Airbus gelangten an das Magazin «Der Spiegel» sowie an das französische Portal Mediapart und wurden vom Journalistennetzwerk EIC ausgewertet. In der Schweiz sind das Recherchedesk von Tamedia und das Westschweizer Fernsehen RTS beteiligt.

14 Millionen Euro nach Mali?

Gemäss den vorliegenden Dokumenten aus Frankreich wurde der verdächtige Vermittler im Fall Kasachstan via die Genfer Privatbank Lombard Odier bezahlt. Inzwischen wurden bereits mehrere Kader von Airbus zu dieser Zahlung in Paris vernommen. Sie sagen einhellig, dass diese Zahlung «unregelmässig» war. Sie habe «die internen Regeln verletzt.»

Der Airbus-Mann aus der berüchtigten SMO-Abteilung ist nicht nur wegen des Kasachstan-Falls im Visier der Schweizer Justiz. Inzwischen ist er in einem zweiten Korruptionsfall beschuldigt von der Staatsanwaltschaft Genf. 14 Millionen Euro sollen an Beamte in Mali geflossen sein. Der Genfer Anwalt des Betroffenen streitet jedes Fehlverhalten ab.

Hinter der geheimnisvollen Firma Samit steht gemäss Dokumenten ein Mann namens Abbas Youssef, genannt «Joe».

Die Schweiz taucht schliesslich auch noch in einem dritten Komplex des Airbus-Skandals auf. Im Jahr 2003 verkaufte Airbus sieben Langstreckenflieger des Typs A330 an Egypt Air – Auftragsvolumen: 900 Millionen Euro. In den neuen Daten aus den Korruptions-Ermittlungen taucht nun eine geheimnisvolle Firma namens Samit auf. Sie hat laut Verträgen 10 Millionen Euro erhalten, um bei hohen Regierungsbeamten in Ägypten für diese Flugzeug-Aufträge zu «lobbyieren». In den Verträgen steht zwar, dass jegliche Korruption vermieden werden soll, doch die Unterlagen zeigen auch, dass Samit die 10 Millionen nicht selber ausgegeben hat, sondern auf Anweisungen von Airbus an weitere Agenten verteilte. Die Gelder landeten auch bei einem Mann, der bereits wegen Korruption in einem anderen Fall in Genf vorbestraft ist.

Hinter dieser Firma Samit steht gemäss Dokumenten ein Mann namens Abbas Youssef, genannt «Joe». Er war einer der begehrtesten Agenten von Airbus. «Joe» hatte ein Haus in Corsier bei Vevey und liess seine Geschäfte von einer ganzen Armada von Anwälten und Treuhändern in Zürich, Genf und Zug verwalten.

Schweizer Banken im Fokus

Joe gelangte durch seine Berater-Mandate in den 90er-Jahren zu enormem Reichtum. Doch in den letzten drei Jahren hat er offenbar die Kontrolle verloren und machte über 165 Millionen Dollar Verluste. Seine Familie übernahm schliesslich die Geschäfte. Als sie durch die Unterlagen gingen, fanden sie die seltsamen Deals mit Airbus.

Joes Familie schickte alle Dokumente zu den Korruptions-Ermittlern in Paris, die im Fall Airbus ermitteln. Für Joe und seine Geschäftspartner gilt die Unschuldsvermutung.

Und so sind nun wohl auch eine ganze Reihe von Schweizer Anwälten, Treuhändern und Banken auf dem Radar der Franzosen. Einmal mehr.

Erstellt: 29.03.2019, 17:53 Uhr

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