Zum Hauptinhalt springen

Schweizer Reisebüros im Kampf gegen Pädo-Tourismus

Schweizer Reiseveranstalter verschärfen den Kampf gegen Kindersextouristen. Kuoni hat bereits ein Hotel aus dem Katalog gestrichen.

Kinderprostitution klingt nach Gewerbe, Kindsmissbrauch nach Juristerei. Wer aber die Täter sind, unter Gefangenen als «Kindlificker» bezeichnet, beschreiben die wenigsten Publikationen. Es sind nicht in erster Linie Pädophile, sagen Reisefachleute. Dafür sei die Nachfrage für die je nach Schätzungen 1,8 bis 2 Millionen Kindersexsklaven zu gross. «Bei der grossen Mehrheit handelt es sich um Herr und Frau Jedermann», steht in einem Flugblatt der Hotelgruppe Accor. Es liegt in jedem Gästezimmer, auch in der Schweiz auf. «Dieser Herr und diese Frau Jedermann fühlen sich nicht speziell von Kindern angezogen, sondern nutzen die Gelegenheit, um im Schutz der Anonymität ihre Fantasien auszuleben.» Sie denken: Weit weg von zu Hause kann ich Kinder ungestraft aufs Zimmer nehmen.

Seit einiger Zeit rufen Hotelketten wie Accor und Veranstalter wie Tui, Hotelplan und Kuoni ihre Kunden und Reiseleiter auf, Missbräuche zu melden. Seit acht Wochen gibt es eine konkrete Stelle dafür. Die schweizerische Bundespolizei hat ein Meldeformular geschaltet. Darin können vermutete Täter und Beweisfotos deponiert werden.

Pionierleistung Meldeformular

Das Formular wurde auf Anregung der internationalen Organisation Ecpat und des lokalen Vertreters Kinderschutz Schweiz erarbeitet. Sie stehen hinter den Kulissen im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Seit 1996 hat Ecpat 70 Länder überzeugt, mitzumachen. 847 Firmen und Verbände mit dem Hauptsitz in 32 Ländern wurden verpflichtet, die Kinderprostitution mit konkreten Massnahmen einzudämmen. Das elektronische Anzeigeformular hat Pioniercharakter. «Die Schweiz hat als Erste weltweit eine solche zentrale Meldestelle geschaffen», sagt Karolina Frischkopf, Leiterin von Ecpat Switzerland.

Als Erfolg bezeichnet sie auch den heute in Montreux unterzeichneten Beitritt des Schweizerischen Reisebüroverbands zum Kodex. Nach Accor (2001), Hotelplan (2003), Kuoni (2006) und Globetrotter (2007) tritt nun ein erster grosser Verband auf den Plan, der seine 900 Mitglieder gegen Kindersextouristen mobilisiert.

Ob das Engagement nützt, wird sich erst zeigen. Die Reisebürokette Globetrotter hat im ersten Jahr seiner Mitgliedschaft viel informiert, seine Mitarbeiter nach Kräften geschult, bis jetzt aber wenig erreicht: «Bei uns wurden noch keine Kunden zurückgewiesen», sagt Sprecherin Sandra Studer. Die gleiche Antwort geben Kuoni, Hotelplan und Tui Suisse. Letzterer hat zwar den Kodex nicht unterschrieben, engagiert sich aber gleichwohl seit Jahren. «In unseren Reisebedingungen führen wir eine Ziffer über strafbares Verhalten. Danach können wir unter bestimmten Bedingungen die Reise stornieren und eine Meldung an die Strafbehörden machen», schreibt Sprecher Roland Schmid.

Badehotel für Kindersextouristen

Konkret intervenierte schon einmal Kuoni. «So wurde vor rund 2 Jahren nach einem erwiesenen Verdacht der Unterstützung von Prostitution durch das Hotelmanagement ein Badeferienhotel in Osteuropa unverzüglich im Buchungssystem gesperrt und aus dem Programm genommen», sagt Sprecher Peter Brun.

Osteuropa ist kein Zufall. In Bulgarien etwa werden Erfahrungen von Minderjährigen, die in Rehabilitationszentren kamen, ausgewertet. «Pro Jahr müssen die Kinder nicht selten 6000 ‹Klienten› über sich ergehen lassen», sagt Frischkopf. Die Verbreitung nach Ländern nimmt weltweit zu. Suchten Freier die in Armut lebenden Kinder vor allem in Thailand, den Phillippinen und Brasilien, werden heute Kinderdirnen auch in Honduras, Peru, Senegal und Tschechien beobachtet.

Der Reisebegleiter eines grossen Schweizer Reiseveranstalters, der in Bangkok seit 7 Jahren stationiert ist, gibt sich dennoch skeptisch. «Auf Papier kann alles festgehalten werden. Aber wirklich nützen würden nur der Boykott einer Destination oder der Druck von Länderregierungen auf die einschlägigen Länder.» Das Hauptübel sieht er in der Korruption und im Wegschauen der örtlichen Behörden. Dabei spart er nicht mit Kritik an den westlichen Reiseveranstaltern. «Es ist unehrlich, sich dem Kampf gegen Kindersextourismus zu verschreiben und gleichzeitig im Geschäft mit Reisen an diese Orte zu verdienen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch