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Schweizer Wächter über 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas

Deutschlands wichtigste Erdgasversorgung ist ab heute vollständig betriebsbereit. Die Kontrolle der deutsch-russischen Ostseepipeline erfolgt aus einem Büro in Zug. Der Standort ist nicht zufällig gewählt.

Den Gastranport im Überblick: Arbeiter der Firma Nord Stream in Zug. (Archivbild)
Den Gastranport im Überblick: Arbeiter der Firma Nord Stream in Zug. (Archivbild)
Keystone

Zweieinhalb Jahre nach Verlegebeginn ist die zweisträngige deutsch-russische Ostseepipeline komplett betriebsbereit. Die zweite Gasröhre werde voraussichtlich am 8. Oktober, etwa drei Wochen früher als geplant, freigeschaltet, sagte heute der Nord Stream Finanzdirektor Paul Corcoran.

Durch den im November 2011 in Betrieb genommenen ersten Leitungsstrang seien inzwischen etwa 8,5 Milliarden Kubikmeter sibirisches Erdgas nach Deutschland geflossen. Mit einer stündlichen Liefermenge von 1,2 Millionen Kubikmetern sei die Trasse gegenwärtig zu 34 Prozent ausgelastet. Überwacht und gesteuert wird der Betrieb des weltweit grössten Offshore-Pipeline-Projekts über ein Kontrollzentrum in Zug.

Wichtige strategische Bedeutung

Jährlich können nun 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Sibirien durch die Ostsee nach Deutschland gelangen – das ist mehr als die Hälfte des derzeitigen deutschen Jahresverbrauchs. Die beiden Rohre, jedes 1,15 Meter im Durchmesser, sind für Deutschland von enormer strategischer Bedeutung. Um zu verhindern, dass einer der beiden Partner dem anderen den Hahn zudreht, wurden die unternehmerische und die physische Kontrolle in der neutralen Schweiz angesiedelt.

Denn Streit um Gaslieferungen aus Russland hat es immer wieder gegeben. Im Februar, als ein Kälteeinbruch in Europa Dutzende Tote forderte, meldeten Deutschland, Österreich, Italien, Polen und die Slowakei, dass plötzlich bis zu 30 Prozent weniger Gas aus Russland bei ihnen ankomme. Italien bereitete sogar Notstandspläne vor. Russland beteuerte, die Liefermenge nicht geändert zu haben, und beschuldigte die Ukraine, die Überlandpipeline nach Westeuropa angezapft zu haben.

Die Schweiz ist noch ein kleiner Kunde

Ähnliches war schon 2009 und 2006 geschehen. Die beiden Länder streiten seit Jahren um die Kontrolle und die Preise des Gases, das von Russland via Ukraine nach Westen fliesst. Nord Stream, das Prestigeprojekt von Gerhard Schröder und seinem Freund Wladimir Putin, dem starken Mann Russlands und «lupenreinen Demokraten» (Zitat Schröder), schliesst Erpressungsversuche der Ukraine und anderer Transitländer aus.

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