Milliardeninvestor von Crans-Montana angezeigt

Anleger ziehen gegen den im Wallis wohnhaften Milliardär Radovan Vitek vor Gericht. So soll sein Strohfirmen-System funktioniert haben.

Von ehemaligen Geschäftspartnern angezeigt: Radovan Vitek während einer Medienkonferenz Ende letzten Jahres. Foto: Maxime Schmid (Keystone)

Von ehemaligen Geschäftspartnern angezeigt: Radovan Vitek während einer Medienkonferenz Ende letzten Jahres. Foto: Maxime Schmid (Keystone)

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Radovan Vitek hat in Crans-Montana VS nicht nur seinen Wohnsitz. Seit 2014 ist er Mehrheitsaktionär der Skilifte und will dort einen 200 Millionen Franken teuren Hotelkomplex bauen. Doch der tschechische Immobilienmogul und Multimillionär mit einem geschätzten Vermögen von 3,5 Milliarden Dollar könnte bei seinen Plänen nun Probleme bekommen.

Viteks ehemalige Geschäftspartner, zwei Investmentgesellschaften, haben in den USA eine Anzeige eingereicht: Vitek und seine Mitarbeiter sollen zwischen 2012 und heute insgesamt eine Milliarde Dollar gestohlen haben und damit reich geworden sein. «Das ist ein sehr komplexer Fall, in den mindestens zwei Banken, sechs Länder und bekannte Persönlichkeiten ­verwickelt sind», sagt Thomas Creal, ein amerikanischer Experte für Finanzkriminalität: «Je mehr wir ermitteln, desto mehr werden wir finden.»

«Architekt des Systems»

Vitek hat sein Vermögen nach dem Fall das Kommunismus bei der sogenannten Kupon-Privatisierung in der Slowakei und der Tschechischen Republik gemacht. Heute verwaltet der 48-Jährige mit seiner CPI Property Group ein Portfolio, dessen Wert auf 7,5 Milliarden Euro geschätzt wird. CPI ist der grösste Eigentümer von Büroräumen in der Tschechischen Republik und in Berlin. Vitek besitzt einen Privatjet und eine Jacht namens Baron Trenck.

In der über einhundert Seiten starken Klageschrift in den USA wird ein angebliches System Viteks dargelegt und er selbst als «Architekt dieses betrügerischen Systems» bezeichnet. Vitek soll sich verschiedener Strohfirmen bedient haben, deren wahre Nutzniesser versteckt blieben. Häufig sollen an diesem System Viteks Mutter oder enge Mitarbeiter beteiligt gewesen sein. Sie wurden ebenfalls verzeigt.

Video: Bergbahnen stehen wegen Zwist still (2018)

Die Skilifte stehen still: Die Gemeinde Crans-Montana liegt mit dem wichtigen Investor Radovan Vitek im Streit. Video: Tamedia/SDA

Ein New Yorker Hedgefonds namens Kingstown Capital klagt nun gegen die angeblich feindliche Übernahme einer Luxemburger Immobiliengesellschaft namens Orco durch Vitek. Kingstown hatte seit 2012 in Orco investiert. Mit der Hilfe von Mitarbeitern soll Vitek die rentabelsten Vermögenswerte von Orco abgetrennt haben. Den Miteigentümern der Firma, einschliesslich Kingstown Capital, seien so Vermögenswerte über 600 Millionen Euro entgangen. Mit der Übernahme durch Vitek wurde aus Orco das Flaggschiff des Multimillionärs: Die CPI Property Group. Gegen die Übernahme der Gesellschaft wurde auch vor einem luxemburgischen Gericht geklagt. Der Fall ist dort noch hängig.

Briefkastenfirmen gegründet und finanziert

Viteks Unternehmen CPI PG bestreitet in einer Pressemitteilung die Vorwürfe und glaubt nicht, dass die Staatsanwaltschaft in den Vereinigten Staaten zuständig sei. «CPI PG und verbundene Unternehmen sind derzeit in Rechtsstreitigkeiten involviert, die von Kingstown in Luxemburg eingereicht wurden», heisst es in der Mitteilung: Nun versuche Kingstown, auch in den USA Druck auf CPI PG aufzubauen.

Die Kläger greifen auch die Bank J&T in Prag an. Mit ihrer Hilfe habe Vitek Briefkastenfirmen gegründet und finanziert. Für die Umsetzung seiner Strategie habe ihm die Bank bis zu 800 Millionen Dollar an Kredit gewährt, dabei hätte sie einen Kreditrahmen von 215 Millionen nicht überschreiten dürfen.

Ein weiterer Kläger ist die Firma Investhold, die den Tschechen Jiri Divis und Marek Cmejla gehört. Beide sind in der Schweiz von einem anderen Korruptionsfall her bekannt. Ende 2014 wurden sie vom Bundesstrafgericht in Bellinzona im sogenannten MUS-Fall wegen Betrugs und Geldwäsche bei der Privatisierung des Bergbau-Unternehmens MUS in der tschechischen Stadt Most verurteilt.

Rechtsstreit in Brünn

Die Partnerschaft zwischen Divis, Cmejla und Vitek bestand zwischen 2008 und 2016. Investhold investierte in Viteks Unternehmen, doch Vitek soll später Schulden nicht beglichen haben. 2018 klagten Divis und Cmejla gegen ihren ehemaligen Partner in der tschechischen Stadt Brünn. Sie fordern die Hälfte seines Vermögens.

In den USA erhoffen sich die Kläger offenbar, schneller zu Schadenersatz zu kommen. Die Anzeige stützt sich auf das US-Gesetz gegen Schutzgelderpressung und organisierte Kriminalität (Rico). Es wurde 1970 als Instrument gegen die Geldwäsche von Mafia und Drogenhändlern beschlossen und ermöglicht Klägern, das Dreifache des gestohlenen Vermögens zu fordern.

Ein Rico-Verfahren gibt dem Gericht auch die Möglichkeit, das gesamte Vermögen des Beklagten vor dem Gerichtsverfahren zu beschlagnahmen. «Dieses Gesetz passt aufgrund der Ähnlichkeit mit einem kriminellen Unternehmen perfekt in diese Situation», sagt der Experte für Finanzkriminalität, Thomas Creal. Die Kläger verlangen, dass über den Angeklagten ein Geschworenengericht urteilten soll.

Erstellt: 12.04.2019, 13:25 Uhr

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