Sergio Ermotti und sein Nachfolgerproblem

Im Jahr 2022 soll der UBS-Chef zurücktreten. Seine Ersatzbank ist stark besetzt – allerdings haben alle Kandidaten ein Problem.

Sergio Ermotti soll nicht ausschliessen, dass er Axel Weber als UBS-Präsident beerbt. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Sergio Ermotti soll nicht ausschliessen, dass er Axel Weber als UBS-Präsident beerbt. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Die UBS hat letzte Woche weniger mit ihrem Ergebnis, sondern mehr mit Personalrochaden Schlagzeilen gemacht. Vor allem der fulminante Aufstieg des ehemaligen Commerzbank-Chefs Martin Blessing fällt auf. Der Deutsche ist gerade ein gutes Jahr bei der UBS und wurde bereits zum Co-Chef der mit Abstand wichtigsten Sparte befördert, der weltweiten Vermögensverwaltung.

Wird Blessing damit als Nachfolger von Ermotti aufgebaut? «Der Positionswechsel hat nichts mit der Nachfolgefrage zu tun», tönt es aus Ermottis Umfeld. Schliesslich haben sowohl Ermotti als auch Verwaltungsratspräsident Axel Weber öffentlich wiederholt erklärt, dass beide noch bis 2022 weitermachen wollen. Sprich: Die Frage der Nachfolge stelle sich derzeit überhaupt nicht.

Doch auch intern wird genau verfolgt, wer in der Geschäftsleitung aufsteigt. Neben Blessing sitzen dort eine ganze Reihe valabler Kandidaten, die für den Topjob infrage kommen. Zum Beispiel Tom Naratil, der das US-Geschäft der Vermögensverwaltung leitet. Seine Ergebnisse sind gut, nun wurde der Amerikaner zum Co-Chef des fusionierten Wealth Management befördert.

Wer Konzernchef wird, ist im Schnitt 53 Jahre alt

So stark Ermottis Ersatzbank auch besetzt ist, alle Kandidaten haben ein Problem: das Alter. Die Geschäftsführung der UBS ist in Sachen Geburtenjahrgänge ziemlich homogen besetzt. Personalchefin Sabine Keller-Busse ist mit 52 Jahren noch die Jüngste im Kreise jener, denen Beobachter Chancen auf den UBS-Chefposten ­zutrauen. Am anderen Ende des Altersspektrums steht der neue Schweiz-Chef Axel Lehmann mit seinen 58 Jahren.

Laut dem «Schilling-Report», den der Topkader-Vermittler Guido Schilling jährlich veröffentlicht, sind Konzernchefs bei ihrer Ernennung im Schnitt 53 Jahre alt. Ermottis Thronfolger dagegen wäre 2022 schon deutlich älter. Sollte zum Beispiel Blessing in vier Jahren Chef werden, so wäre er dann 59. Nach wenigen Jahren würde sich die Chef-Frage also neu stellen.

«Eine Altersdurchmischung ist schon nur deshalb wünschenswert, weil dadurch das Risiko von mehreren, kurz aufeinanderfolgenden Abgängen, etwa in die Pension, verkleinert wird», sagt Schilling. Novartis hat daher den erst 41-jährigen Vas Narasimhan an die Konzernspitze geholt. Auch Axa und Allianz haben sich für jüngere Köpfe bei der Wahl ihrer neuen Chefs entschieden.

Aus der Bank ist dagegen zu hören, dass die Konzernleitung sehr wohl geeignete Kandidaten bereithalte. Zudem gebe es auch Talente ausserhalb des obersten Machtzirkels. Fraglich ist auch, was Ermotti nach seiner Zeit als UBS-Chef macht. Wie zu hören ist, schliesst er nicht aus, dass er einst Axel Weber als Verwaltungsratspräsident beerben könnte.

Martin BlessingCo-Chef des Wealth Management

Seine Berufung in die UBS-Führung 2016 war eine Überraschung: ein Deutscher als Chef des Schweiz-Geschäfts. Doch es war nicht der Deutsche Axel Weber, der den Ex-Commerzbank-Chef holte, sondern Sergio Ermotti. Beide kennen sich aus der Zeit, als Ermotti Aufsichtsrat bei der Hypo­vereinsbank war. Mit Blessing holte er sich einen Joker in die Bankführung, der viele Aufgaben übernehmen kann. Als Jürg Zeltner im Dezember die UBS verliess, rückte der 54-Jährige als Chef der Vermögensverwaltung nach. Im Schweiz-Geschäft hat Blessing zwar keine Bäume ausgerissen. Doch angesichts der Blitzkarriere gilt er als heisser Kandidat auf den Chefstuhl.

Tom NaratilCo-Chef des Wealth Management

Der Amerikaner Tom Naratil hat gegenüber Blessing mit Blick auf den Chefposten einen Vorteil: Der 56-Jährige kennt die Bank wie seine Westentasche. Naratil stiess im Jahr 2000 im Zug der Übernahme des US-Geldhauses Paine Webber durch die UBS zur Grossbank. Von da an ging es steil aufwärts. 2014 und 2015 war er nicht nur Finanzchef, sondern gleichzeitig auch Chief Operating Officer. Seit zwei Jahren leitet Naratil die Vermögensverwaltung in den USA, kann steigende Gewinne ­vorweisen. Ob er aber Lust auf den Chefposten in der Schweiz hat, gilt als offen. Seine Rückkehr in die USA sei auch familienbedingt gewesen, heisst es.

Sabine Keller-BussePersonalchefin/Chief Operating Officer

«Von der Kultur her ist die UBS bereit für eine Konzernchefin», sagte die Personalchefin der UBS vor einem Jahr dem «Blick». Sie verriet aber nicht, ob sie sich selbst den Job zutraut. Die UBS-Führung hält jedenfalls grosse Stücke auf die 52-Jährige, denn bei der jüngsten Personalrochade im Dezember war die promovierte Betriebs­wirtin eine der Gewinnerinnen. Ihr Macht­bereich wuchs, zusätzlich zum Posten der Personalchefin wurde sie Chief Operating Officer. Damit ist sie für ein Drittel aller 60 000 UBS-Beschäftigten und die Informatik verantwortlich. Um die Chefweihen zu bekommen, müsste sie vermutlich zuvor eine operative Einheit geleitet haben.

Axel LehmannChef von UBS Schweiz

Der 58-Jährige dürfte dem breiten Publikum weniger bekannt sein, doch hat der Ex-Risikochef der Zurich Ehrgeiz. Weil Lehmann beim Versicherer höhere Weihen versagt blieben, ging er. Dank seiner Arbeit im Verwaltungsrat der UBS hat er einen guten Draht zu Axel Weber. Vor zwei Jahren wechselte Lehmann in die ­Geschäftsleitung der Bank und wurde Chief Operating Officer. Im Zug der jüngsten Personalrochade rückte er an die Spitze des Schweiz-Geschäfts. Er bekommt so die Chance, sich an der Kundenfront zu beweisen. Lehmann bleibt aber ein Quereinsteiger und dürfte auch wegen seines Alters nur Aussenseiterchancen haben.

Andrea OrcelChef der Investmentbank

Sein Lachen ist strahlend, der Führungsstil zuweilen direkt. Andrea Orcels Ambitionen werden als intakt beschrieben. Der 54-jährige Italiener hat den Schrumpfungsprozess der UBS-Investmentbank orchestriert und holt aus dem verbleibenden ­Geschäft ansehnliche Renditen, auch wenn im vierten Quartal ein Abschreiber auf einen Grosskredit die Bilanz trübte. Ausser bei der Boni-Frage macht die UBS-Investmentbank kaum mehr Schlagzeilen. Auch Ermotti war vor seiner Beförderung Investmentbanker. Doch dass der nächste Chef ausgerechnet aus dem Bereich kommen wird, den die UBS am stärkten eindampfte, erscheint unwahrscheinlich.

Erstellt: 29.01.2018, 10:26 Uhr

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