Setzt die Zurich zum grossen Schlag an?

Der Versicherer fasst einen milliardenschweren Zukauf ins Auge. Der Vorstoss von Zurich stellt einen Kurswechsel dar.

Könnte mit einem Zukauf an Gewicht zulegen: Sitz der ZFS in Zürich.

Könnte mit einem Zukauf an Gewicht zulegen: Sitz der ZFS in Zürich. Bild: Keystone

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Die Zurich-Versicherung prüft eine Offerte für den Kauf des britischen Konkurrenten RSA Insurance Group. Das bedeute aber nicht, dass auch tatsächlich ein Angebot unterbreitet werde, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

«Daraus kann nicht abgeleitet werden, dass Zurich nach dieser Prüfung oder zu einem späteren Zeitpunkt eine Kaufofferte unterbreiten wird», heisst es im Communiqué. Bei Bedarf werde Zurich die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren.

Marktspekulationen

Das Unternehmen reagierte mit seiner Mitteilung auf Marktspekulationen über eine mögliche Übernahmeofferte, die am Vortag an der britischen Börse aufgekommen waren.

RSA wird von der Börse mit rund 4,5 Milliarden Pfund – 6,7 Milliarden Franken – bewertet. Daran gemessen ist die Zurich mehr als sechs Mal so gross. An der britischen Börse hatten die RSA-Aktien am Montag wegen der Gerüchte deutlich an Wert gewonnen. Es wurde spekuliert, dass eine Übernahmeofferte der Zurich den britischen Versicherer zu rund 5,5 Milliarden Pfund – rund 8,2 Milliarden Franken – bewerten könne, heisst es am Dienstag in der «Financial Times».

Aktie der mutmasslichen Braut schiesst in die Höhe

Am Dienstag verhalfen die Kaufgelüste von Zurich den Aktien von RSA zu einem Kurssprung. Die Titel gewannen bis 9.45 Uhr über 10 Prozent an Wert. Derweil verloren die Aktien der Zurich über 2 Prozent an Wert. Eine Übernahme der RSA dürfte eine Kapitalerhöhung nötig machen, erklärte Georg Marti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank.

Kritik am CEO wegen fehlenden Wachstums

Der Vorstoss von Zurich stellt einen Kurswechsel dar. Noch im Mai hatte Europas fünftgrösster Versicherer Zukäufen eine Absage erteilt. Investoren haben Zurich-Chef Martin Senn für das fehlende Wachstum in den vergangenen Monaten allerdings immer wieder kritisiert.

Senn war vor allem mit Verkäufen aufgefallen. Zurich ist dabei, Bereiche abzustossen, die den Ansprüchen nicht genügen und die nicht saniert werden können. Vor einem Jahr hatte der Konzern etwa in Russland das unrentable Geschäft mit Unfall- und Haftpflichtversicherungen für Privatkunden abgegeben und dafür einen herben Verlust in Kauf genommen.

Auch RSA blickt auf eine lange Reihe von Verkäufen zurück. Damit stärkte das Unternehmen die Bilanz, nachdem ein Buchführungsskandal bei der irischen Tochter eine Reihe von Gewinnwarnungen und eine Kapitalerhöhung nach sich gezogen hatte. Stark ist RSA vor allem in Grossbritannien, Irland, Skandinavien und Kanada. Zurich ist neben Europa auch in den USA und in Schwellenländern ein bedeutender Anbieter. (sda)

Erstellt: 28.07.2015, 10:12 Uhr

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