Sie wettet auf den Absturz von Elon Musks Tesla

Fahmi Quadir hat mit Shortselling gegen einen Starinvestor gewonnen. Nun knöpft sich die 28-Jährige Tesla vor.

«Mir geht es darum, Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen»: Fahmi Quadir.

«Mir geht es darum, Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen»: Fahmi Quadir. Bild: Screenshot Bloomberg

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Ihr Meisterstück legte sie vor drei Jahren mit Valeant vor, dem Pharmaunternehmen, das mit obszönen Preisaufschlägen den Gesundheitsmarkt in Aufruhr versetzte. «Valeant war wie ein Kartenhaus. Sie betrogen nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Patienten». Fahmi Quadir war erst 25 Jahre alt, widersprach der allgemeinen Valeant-Euphorie und sollte recht behalten.

Das Unternehmen brach zusammen und ist heute nur noch einen Bruchteil von damals wert. Nun nimmt sie den Autohersteller Tesla ins Visier: «Es wird zunehmend klar, dass Tesla Mühe hat, die Rechnungen zu bezahlen. Das Gleiche habe ich bei Valeant gesehen».

Die Wette gegen Tesla ist riskant. Der Pionier des elektrischen Autos hat eine grosse Fangemeinde, auch an der Wallstreet und bei den Bankanalysten. Die meisten glauben Elon Musk, wenn er sagt, dass er nach Verlusten von 1,2 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr das Unternehmen im zweiten Halbjahr endlich in die Gewinnzone fahren könne. Sie teilen seine Ansicht, dass Skeptiker wie Fahmi Quadir zum Schweigen gebracht werden, wenn sich zeigt, dass das Modell 3 in grossen Stückzahlen und damit profitabel produziert wird. Die jüngsten Zahlen sahen günstig aus.

Quadir gehört zu einer kleinen Zahl von Fondsmanagern, die ausschliesslich Shortpositionen kaufen, das heisst auf Aktien setzen, die sie als überbewertet und absturzgefährdet sehen. Shortseller haben es derzeit aber schwer, weil Investoren in den letzten neun Jahren jeden Rückschlag am US-Aktienmarkt nutzen, um zu kaufen. So auch die Tesla-Papiere.

«Tesla befindet sich zwischen Hammer und Amboss»

Die Aktie ist zwar um über 30 Prozent gesunken, seit Musk die Anleger mit angeblich finanziell gesicherten Privatisierungsplänen hinters Licht führte und von der Börsenaufsicht bestraft wurde. Doch von einem Kollaps ist nichts zu sehen, diese Woche schnellte die Aktie sogar unvermutet nach oben.


Video: Musk und sein Rohrkrepierer

Hier lancierte Mr. Tesla die Idee von einem Rückzug von der Börse. Reuters


Es braucht Nerven, um Shortpositionen durchzuhalten, wenn die Aktie steigt. Doch Quadir hat offenbar Zeit. «Tesla befindet sich zwischen Hammer und Amboss», meint sie, da Musk Mühe haben werde, das nötige Neukapital in der erforderlichen Zeit zu beschaffen.

«Wir Shortseller sagen Dinge, die die Leute nicht hören wollen»

Tatsächlich befindet sich der Tesla-Chef im Rennen gegen die Zeit. Das Unternehmen hat rund 2,2 Milliarden Dollar an Barreserven und muss in den kommenden 13 Monaten 1,5 Milliarden Schulden zurückzahlen. Einen Gewinn weist das Unternehmen aber noch nicht aus. Die offene Frage ist, ob Musk neues Geld so günstig beschaffen kann, wie er das bisher tun konnte, oder ob er sich angesichts der steigenden Zinsen in den kommenden Monaten teurer verschulden muss.

Tesla gehört zu den am kritischsten bewerteten Firmen am Aktienmarkt; nicht weniger als 26 Prozent der Aktien befinden sich in den Händen von Shortsellern. «In den USA gibt es jede Menge wertloser Unternehmen», sagte Quadir kürzlich auf Bloomberg TV, «vor allem im Gesundheitsbereich und Kreditmarkt.» In vielen Fällen steckten Finanztricks und Betrügereien hinter solchen Firmen. «Wir Shortseller sagen Dinge, die die Leute nicht hören wollen.» Das sei auch ihre Motivation. Es gebe einfachere Wege, als mit Wetten gegen Unternehmen Geld zu machen. «Mir geht es darum, Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen.»

Die Gegenposition des Branchenstars eingenommen

Gegen Valeant anzutreten, brauchte einigen Mut. Das Unternehmen gehörte 2015 zu den Börsenlieblingen und bescherte den Aktionären hohe Gewinne. Hedgefondsmanager Bill Ackman, einer der Stars an der Wallstreet, investierte mehrere Milliarden und verteidigte die exorbitanten Preisaufschläge als reine Form des Kapitalismus. Quadir nahm die Gegenposition ein und kaufte Shortpositionen, als die Valeant-Aktie auf über 250 Dollar gestiegen war.

Der Showdown mit Ackman begann und machte Quadir berühmt. Die ausgebildete Mathematikerin, Tochter von Einwanderern aus Bangladesh, behielt recht, und Ackman verlor über vier Milliarden Dollar. Obwohl sie bereits gross Kasse hätte machen können, hält sie weiter an ihrer Shortposition fest. Valeant werde noch völlig kollabieren, erklärt sie selbstbewusst ihre Rolle in der Netflix-Dokumentarserie «Dirty Money».

«Wir Shortseller sind eine fröhliche Bande»

Ihre Selbstsicherheit erscheint nicht arrogant, eher wissenschaftlicher Natur und freudvoll. «Wir Shortsteller sind eine fröhliche Bande von Aussenseitern». Seit diesem Sommer leitet sie einen eigenen Hedgefonds – Safkhet Capital, benannt nach der ägyptischen Göttin der Weisheit. Stars ihrer Branche wie Bill Ackman oder Carl Icahn suchen die öffentliche Aufmerksamkeit. Über sich selber sagt sie: «Ich halte mich lieber im Schatten. Was ich meinen Kunden verkaufe, ist mich selber, ist meine Liebe zum Shortselling.»

Die 28-Jährige ist die einzige Frau, die einen Fonds ausschliesslich mit Shortpositionen führt. Der Druck ist gross, auch weil Musk das Leerverkaufen von Aktien wie im Fall von Tesla für illegal erklären will. Dieser Widerstand scheint Quadir hingegen erst recht anzuspornen. «Wir Frauen im Finanzgeschäft müssen viel härter als Männer arbeiten, um Erfolg zu haben.»

Erstellt: 18.10.2018, 14:48 Uhr

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