Uber holt «Bad-ass-Frau» an Bord

Soll das Image des Taxidienstes aufpolieren: Bozoma Saint John hat sich als Werbefrau für Apple und Pepsi einen Namen gemacht.

Bozoma Saint John überzeugte Beyoncé von einem Superbowl-Auftritt. Foto: Kelly Sullivan (Getty Images)

Bozoma Saint John überzeugte Beyoncé von einem Superbowl-Auftritt. Foto: Kelly Sullivan (Getty Images)

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Für Filmemacher Spike Lee war der Fall auf den ersten Blick klar. «Es war offensichtlich, dass sie weiss, was sie will und kann. Keine Frage, dass sie den Job auf sicher hatte.» Lee stelle Bozoma Saint John zunächst als Aushilfe in seiner Werbefirma ein, doch es ging nicht lange, bis die selbstbewusste Frau selber beim Entwurf von Werbekampagnen half und ihre Beziehungen im Musikgeschäft einbrachte. Sie war es denn auch, die vor vier Jahren Beyoncé für einen der grössten Werbeanlässe des Landes überhaupt, den Superbowl-Final im Football-Final, gewinnen konnte.

Das war der Wendepunkt in der Karriere der Frau, die als 14-Jährige zusammen mit ihren Eltern nach einem Militärputsch aus Ghana in die USA geflüchtet war. Eigentlich wollte sie Ärztin werden, doch nach dem ersten Studienjahr hatte sie genug. Sie ging nach New York und verdiente ihr erstes Geld in einem ­Cateringgeschäft und als Kassiererin in einem Hundesalon. Sie machte die Runde in den New Yorker Nightclubs, lernte Musiker und Filmleute kennen. Dieses Leben entsprach ihr. Die Rap­musiker erinnerten sie an ihre Jugend in Ghana, wo ihr Vater als Musiker arbeitete, sagt sie rückblickend.

«Bei Uber werde ich die Popkultur mit der magischen Techwelt verbinden.»Bozoma Saint John in «Variety»

Sie glaubt, dass sie ihre Erfahrungen und Beziehungen in der Musikindustrie auch in ihrem neuen Job beim Taxi­vermittler Uber einsetzen kann. «Ich glaube, dass Uber eine grosse Rolle in der Popmusik-Konversation spielen wird», sagte sie dem Magazin «Variety». «Pop ist sehr fliessend. Es ist Musik, es sind Filme, es sind Bücher, Kunst, Technologie. Bei Uber werde ich diese Dinge verbinden, die Popkultur und diese magische Techwelt.»

Wie die 40-Jährige zu Uber gekommen ist, ist eine Geschichte für sich. Jimmy Iovine, Gründer des Musik­streams Beats und früherer Produzent von John Lennon, Bruce Springsteen und Patti Smith, hörte von ihrem Werbecoup mit Beyoncé. Er lud sie zu einem Gespräch ein. Obwohl sie nicht wusste, wer Iovine war, nahm sie an. «Ich war am Boden. Ich brauchte jemanden, der mir Hoffnung machte», sagte sie der «New York Times». Ihr Mann war kurz zuvor an Krebs verstorben, und eine ­berufliche Karriere als schwarze, alleinerziehende Frau erschien schwerer denn je.

Sie überlegte deshalb nicht lange, als Iovine sie als Marketingchefin von Beats anstellen wollte. Ihre Aufgabe wuchs noch, als Apple den Streamingdienst für drei Milliarden Dollar aufkaufte. 2015 entwarf sie dann eine Werbekampagne für Apple Music und spannte dafür Künstlerinnen wie Mary J. Blige und Kerry Washington ein. Letztes Jahr stellte sie sogar Apple-Chef Tim Cook an der Entwicklermesse in den Schatten, als sie mit ihrem Auftritt zu Rapmusik selbst die bleichen Computernerds entzückte. «Wer ist diese Bad-ass-Frau?», wunderte sich das Techmagazin «Wired», «und wie schaffte es Apple, sie so lange versteckt zu halten?»

«Eine unglaubliche Fähigkeit»

Dieser Auftritt war ein Grund, weshalb Arianna Huffington auf Saint John aufmerksam wurde. Huffington war als Verwaltungsrätin zu Uber gekommen und musste versuchen, das Image des Unternehmens aufzupolieren, das von über 200 Diskriminierungsklagen eingedeckt und von einer überforderten arroganten Mannschaft an den Rand des Ruins geführt worden war.

«Wir verstanden uns auf Anhieb», erinnert sich Huffington an ihr erstes Treffen in Las Vegas Anfang dieses Jahres. «Sie hat eine unglaubliche Fähigkeit, ihre Geschichte zu erzählen und die Geschichten von anderen zu vermitteln. Sie ist fantastisch geeignet für die sozialen Medien.»

Nach der Entlassung des umstrittenen Chefs Travis Kalanick im vergangenen Monat ist neues Interesse an Uber aufgekommen. Der japanische Konzern Softbank will sich nach Angaben des «Wall Street Journal» finanziell am amerikanischen Fahrvermittler beteiligen und davon profitieren, dass der Unternehmenswert wegen der Wirren an der Spitze in den letzten Monaten gesunken ist. Die Softbank-Gruppe hält bereits Anteile an den drei grössten asiatischen Taxidiensten, der chinesischen Didi Chuxing, der indischen Ola und Grab Taxi in Singapur.

Für Frauen und Minderheiten

Trotzdem: Ubers Image ist schlecht. Saint John weiss das und sieht darin kein Hindernis für ihre Arbeit als erste Direktorin des Unternehmens, die das Marketing, die Kundenbeziehungen und die Marke Uber kontrollieren soll. «Ich bin sehr gut geeignet für diese Arbeit. Allein schon als schwarze Frau in diesem Unternehmen präsent zu sein, ist genug, um den notwendigen Wandel herbeizuführen», sagt sie zuversichtlich. In einer Welt von Männern in Hoodies kleidet sie sich betont modisch.

Sie will Uber nicht nur nach aussen besser verkaufen. Sie will auch in Innern für Ordnung zu sorgen. «Das ist nichts Neues für mich. Ich war schon bei Apple stark engagiert und werden weiterhin eine Anwältin der Frauen und aller Minderheiten sein». Auf die Frage, ob sie sich selber werbemässig für Uber in Szene setzen wolle, antwortet sie mit einem Lachen. «Vermutlich werde ich ­einige Selfie-Videos auf dem Rücksitz eines Uber drehen. Und sage dazu: Fahr mit mir, wir tun es zusammen.»

Erstellt: 25.07.2017, 21:13 Uhr

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