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Siemens-Manager gründen eigene Firma

Siemens stösst alles ab, was nicht Kerngeschäft ist. Eine Chance für die Manager eines Bereichs in Zürich: Sie machen sich mit 180 Angestellten unter dem alten Namen Albis selbstständig.

Jungunternehmer Salvatore Di Pietro blickt optimistisch in die Zukunft.
Jungunternehmer Salvatore Di Pietro blickt optimistisch in die Zukunft.
DORIS FANCONI

Der neue Siemens-Chef Peter Löscher wirft seit Anfang Jahr viele Bereiche über Bord, die nicht Teil der Kerngeschäfte Industrie, Energie und Medizin sind. Die Fokussierung soll den Anlegern wieder Appetit machen auf den von Korruptionsvorwürfen geschüttelten Industrieriesen.

Ein Geschäftsbereich mit dem sperrigen Namen Engineering und Innovative Produkte von Siemens Schweiz in Zürich – und wenig glamourösen Produkten wie Kabelmodems, ISDN-Geräten und TV-Set-Top-Boxen – passt nicht mehr in die neue Drei-Säulen-Welt des verschlankten Konzerns. Für einen Börsengang war das ungeliebte Nebengeschäft mit 180 Mitarbeitern und rund 120 Millionen Franken Umsatz zu klein – und ein Verkauf an Dritte hätte wohl zu wenig gebracht.

Für Zürich ein Pluspunkt

Also packte das Management die Gelegenheit beim Schopf. «Wir haben sofort unser Interesse an einem Auskauf durch das Management angemeldet», sagt Salvatore Di Pietro, der Leiter des Bereichs: «20 Prozent des Kaufpreises mussten wir selbst aufbringen, der Rest wird über Bankkredite finanziert.» Einer der Gründe, warum die Zentrale dem Auskauf zustimmte, dürfte darin liegen, dass der Siemens-Konzern grösster Kunde der neuen Firma bleibt. Zurzeit verschieben sich die Abteilungen der «Jungfirma» auf dem weitläufigen Siemens-Gelände in Zürich-Albisrieden in Etappen in neue Geschäftsräume, die gerade im Umbau sind.

Für die Region Zürich dürfte sich die auf Anfang November geplante Verselbstständigung auszahlen. Die in Albis Technologies umfirmierte Einheit hat über die Jahre einen grossen Erfahrungsschatz in den Telecomtechnologien angesammelt. Über 100 Entwickler und Dutzende von Produktmanagern entwickeln in kleinen Teams vor allem für grosse Telecomfirmen wie Swisscom und Deutsche Telekom massgeschneiderte Zugangsprodukte wie ADSL-Modems und Set-Top-Boxen fürs Netzfernsehen. Gefertigt werden sie dann schwergewichtig in Asien von Drittfirmen, und zwar in riesigen Stückzahlen. In Zürich wird kaum noch produziert.

Die Stärke der Firma bestehe darin, «die vielen Grosskunden von der Entwicklung über die Produktion und Auslieferung bis hin zur stetigen Weiterentwicklung über mehrere Produktgenerationen optimal zu bedienen», sagt Di Pietro.

Intakte Zukunftschancen

Die Albis-Gründer bedienten sich bei der Namensgebung im historischen Fundus der Mutter. Siemens-Albis entstand 1971 aus der Zusammenlegung der Siemens Ländergesellschaft und der 1922 übernommenen Telefonfirma Albiswerke Zürich. Der Name Albis soll Alteingesessenheit und Zürcher Wurzeln signalisieren. Und: Das Technologiewissen der zu 80 Prozent aus Hochschulabgängern bestehenden Belegschaft soll der Region erhalten bleiben.

Die Chancen der Albis-Truppe sind intakt. «Es ist alles da, was es für den Erfolg braucht. Hoch qualifizierte Teams, die alle mitmachen wollen, und eingespielte Beziehungen zu Grosskunden aus aller Welt», gibt sich Neuunternehmer Di Pietro zuversichtlich. Als Präsidenten des Verwaltungsrats konnten die Jungunternehmer Peter Grüschow, den früheren Chef von Siemens Schweiz, gewinnen.

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