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Sika-Aktie stürzt nach Übernahme ab

2,75 Milliarden Franken blättert Saint-Gobain hin, um Sika zu kontrollieren. Die Sika-Aktie verlor rund 20 Prozent an Wert.

Informieren an einer Medien- und Analystenkonferenz zur geplanten Übernahme: Paul Hälg, Präsident des Verwaltungsrates (links), und Sika-CEO Jan Jenisch. (8. Dezember 2014)
Informieren an einer Medien- und Analystenkonferenz zur geplanten Übernahme: Paul Hälg, Präsident des Verwaltungsrates (links), und Sika-CEO Jan Jenisch. (8. Dezember 2014)
Ennio Leanza, Keystone
Spannungen in der Konzernleitung nach dem Übernahmeangebot der Saint-Gobain-Gruppe: Logo am Sitz der Sika in Baar. (31. März 2010)
Spannungen in der Konzernleitung nach dem Übernahmeangebot der Saint-Gobain-Gruppe: Logo am Sitz der Sika in Baar. (31. März 2010)
Gaetan Bally, Keystone
Mit Bauchemie gross geworden: Manager in einem Sika-Lager.
Mit Bauchemie gross geworden: Manager in einem Sika-Lager.
PD
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An der Medienkonferenz von Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg und Konzernchef Jan Jenisch zeigten sich die beiden konsterniert über die Entwicklungen im Konzern. Jenisch sagt, er habe am Freitag um 18.30 von der Transaktion erfahren. Von der Übernahme durch die Saint-Gobain-Gruppe hält er wenig: «Wir haben eine flache Führungsstruktur. Unsere Manager haben keine Zeit, über Synergien zu diskutieren. Unsere Wachstumsstrategie wäre durch eine Übernahme gefährdet.»

Paul Hälg: «Uns ist nicht klar, wie das funktionieren soll.» Die Sika-Aktien befanden sich nach Bekanntwerden des Übernahme im freien Fall. Bereits kurz nach 9 Uhr lagen die Sika-Titel mit über 15 Prozent im Minus. Bis zum Börsenschluss verloren die Sika-Inhaberaktien 22 Prozent an Wert. Der Gesamtmarkt (SMI) notierte derweil bei minus 0,34 Prozent. An der Pariser Börse verloren die Aktien von Saint-Gobain rund 6 Prozent.

Saint-Gobain bietet 2,75 Milliarden

Am Morgen wurde bekannt, dass die französische Saint-Gobain-Gruppe für 2,75 Milliarden Franken die Schenker Winkler Holding übernimmt, die derzeit 16,1 Prozent des Aktienkapitals und 52,4 Prozent der Stimmrechte bei Sika hält. Der Verwaltungsrat und das Management, die nach eigenen Angaben nicht einbezogen wurden, lehnen dies ab. Bisher liegt die Kontrolle über den Bauchemiekonzern mit Sitz in der Schweiz bei der Gründerfamilie Burkard-Schenker.

Bei Sika drohen die Konzernleitung und ein Teil des Verwaltungsrats mit dem Rücktritt. Der Verwaltungsrat und das Management der Sika seien am vergangenen Freitag darüber informiert worden, dass Saint-Gobain «indirekt» den Aktienanteil der Gründerfamilie Burkhard übernehmen solle, teilte Sika in einem Communiqué mit.

Interessenkonflikte?

Bei einem industriellen Investor wie Saint-Gobain könnte es zu «verschiedensten Interessenkonflikten» zum Nachteil der übrigen Aktionäre kommen, begründen sie. Sollte die Transaktion abgeschlossen werden, wollen die ungebundenen Verwaltungsratsmitglieder und die Konzernleitung deshalb zurücktreten. Sie wären «nicht mehr in der Lage, die Interessen der Gesellschaft und all ihrer Stakeholder bestmöglich zu vertreten».

Dass die Familie Burkhard das Unternehmen mit einem Aktienanteil von 16 Prozent kontrolliert, ist laut Mitteilung historisch begründet. Vor einem Abschluss der Übernahme müssen noch die Kartellbehörden grünes Licht geben.

Kein Angebot für den Rest der Aktien

Wie Saint-Gobain am Montag mitteilte, wird man so in der Lage sein, Sika voll in den eigenen Büchern zu konsolidieren. Für die restlichen Anteile von Sika werde es kein Übernahmeangebot geben, so Saint-Gobain weiter.

Die französische Gruppe erhofft sich vom Einstieg bei Sika Synergien. Dies aufgrund der Nähe von Sikas Aktivitäten zu jenen Saint-Gobains, wie es in einer Mitteilung vom Montag heisst.

Kartellbehörden müssen Segen dazu geben

Konkret rechnet Saint-Gobain mit Synergien von 100 Millionen Euro im zweiten Jahr, das heisst 2017. Ab 2019 schätzen die Franzosen mit einem Synergiepotenzial von 180 Millionen Euro jährlich. Die Übernahme werde ab dem vierten Jahr Wert generieren, heisst es weiter.

Die Transaktion stehe unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden und werde voraussichtlich spätestens in der zweiten Hälfte 2015 abgeschlossen sein.

Überrascht vom Widerstand des Managements

Saint-Gobain-Konzernchef Pierre-André de Chalendar bezeichnete die geplante Übernahme von Sika an einer Telefonkonferenz vom Montag als eine Win-win-Situation. Er zeigte sich überrascht vom Widerstand des Managements.

Die ersten Treffen mit dem Sika-Management am Wochenende seien konstruktiv gewesen, erklärte de Chalendar. Er könne daher die emotionalen Momente nicht verstehen.

Trotz der Rücktrittsdrohung will der französische Baustoffkonzern auch in Zukunft auf das heutige Sika-Management setzen. Man hoffe, in weiteren Gesprächen die Bedenken auszuräumen, sagte de Chalendar.

Die Gründerfamilie Burkhard habe einen Verkauf ihren Anteils angestrebt und Saint-Gobain als beste Bewerberin ausgewählt, so de Chalendar.

Die Familie Burkhard war während vielen Jahren Ankeraktionärin von Sika und liess dem Management eine relativ grosse unternehmerische Freiheit. De Chalendar sieht Saint-Gobain in Zukunft eine ähnliche Rolle bei Sika spielen. Er betonte, dass die Kulturen der beiden Unternehmen sehr ähnlich seien.

Sika werde im Interesse aller Shareholder weitergeführt und von den angekündigten Synergien profitieren. Die Unternehmen seien zudem in unterschiedlichen geografischen Regionen aktiv.

Ein anderes Schweizer Unternehmen, das bereits seit zehn Jahren vollständig zu Saint-Gobain gehört, ist der Bad- und Küchenspezialist Sanitas Troesch.

SDA/kpn

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