Sinken nach der Übernahme von UPC durch Sunrise die Preise?

Mit der Fusion entsteht ein schlagkräftiger Konkurrent im Telecommarkt. Inwiefern die Kunden profitieren, ist umstritten.

Attraktive Mitgift von UPC: Der TV-Sender Mysports. Foto: Keystone

Attraktive Mitgift von UPC: Der TV-Sender Mysports. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Frage war nicht mehr ob, sondern wann Sunrise die Übernahme von UPC ankündigt. Am Mittwochabend war es so weit, gleichzeitig publizierte Sunrise die Zahlen zum Geschäftsjahr 2018. An einer Konferenzschaltung mit ­Finanzanalysten sollen Konzernchef Olaf Swantee und Finanzchef André Krause am Donnerstag darüber informieren.

Am Mittwoch hatte die Nummer zwei im Schweizer Telecommarkt «fortgeschrittene Gespräche» mit der UPC-Muttergesellschaft Liberty Global bestätigt. Auch einen Kaufpreis für den grössten Schweizer Kabelnetzbetreiber nannte Sunrise, noch bevor dieser am Abend bestätigt wurde: 6,3 Milliarden Franken. Das ist tiefer als von Branchenkennern erwartet. Bis jetzt machten Schätzungen von 8 bis 9 Milliarden Franken die Runde.

Die Firmen ergänzen sich

Wie Sunrise weiter mitteilte, soll das neue Schweizer Unternehmen einer umsichtigen Kapitalstruktur verpflichtet sein und die bestehende Ausschüttungs­politik beibehalten.

Aus Konsumentensicht entsteht mit der Übernahme ein schlagkräftigerer Konkurrent für Marktführerin Swisscom, da sich Sunrise und UPC ergänzen: Der Kabelnetzbetreiber bringt seine 1,1 Millionen TV-Anschlüsse in die Partnerschaft und damit den Zugang zu einheimischen Haushalten.

Zudem betreibt UPC den Bezahl-Sportsender Mysports mit exklusiven Live-Übertragungen vom Schweizer Eishockey.

Mit Swisscom, Sunrise und Salt würden nur noch drei grosse Dienstleister übrig bleiben statt wie bisher vier.

Sunrise ist mit 2,3 Millionen Abonnenten stark im Mobilfunk. «Mit einer Fusion hat die neue Sunrise rund 30 Prozent Marktanteil und wird damit eine starke Nummer zwei im Schweizer Markt», sagt Ralf Beyeler, Telecomexperte beim Vergleichsdienst Moneyland.ch.

Inwiefern der neue Betreiber die Preise in einem hart umkämpften Markt wirklich zum Purzeln bringen wird, ist indes umstritten. Die reine Wirtschaftslehre besagt, dass der Wettbewerb abnimmt, wenn Anbieter verschwinden. Das wäre mit UPC der Fall, falls der Kauf gelingt. Mit Swisscom, Sunrise und Salt würden nur noch drei grosse Dienstleister übrig bleiben statt wie bisher vier.

Das ist ein Punkt, den sich auch die Wettbewerbshüter genauer anschauen werden. Die Eid­genössische Wettbewerbskommission muss die Übernahme von UPC durch Sunrise erst bewilligen.

Steigende Preise nach Deals

Beobachter wie Beyeler verweisen auf die Erfahrungen aus dem Ausland. Fusionen von Telecomfirmen in benachbarten Ländern wie Österreich hätten dazu geführt, dass die Preise im Markt oftmals gestiegen seien, anstatt zu sinken. Ein Grund sei mitunter, dass in erster Linie diejenigen Anbieter übernommen worden seien, die mit aggressiven Angeboten um Kunden geworben hätten.

Er rechne deshalb mit Auflagen der Wettbewerbshüter, so Beyeler: «Etwa die Verpflichtung für die neue Sunrise, kleineren Mitbewerbern Netzkapazität zu regulierten Preisen zur Verfügung zu stellen.»

Finanzanalysten wiederum sehen die staatsnahe Swisscom unter Druck. Gemäss der US-Investmentbank Goldman Sachs dürfte sich der Wettbewerb vor allem bei den Billigangeboten im Mobilfunk sowie im Festnetz­geschäft verschärfen. Swisscom buhlt mit Wingo um junge und kostenbewusste Kunden, Sunrise mit der Marke Yallo. Goldman Sachs rechnet vor, dass bei Swisscom gut 2 Prozent des Gewinns wegbrechen könnten.

Doch auch wegen der kämpferischen Preispolitik von Mobilfunkbetreiber Salt im Festnetzgeschäft sieht die Bank den grössten Schweizer Telecomanbieter im Gegenwind. Salt bietet seit einem Jahr das bislang schnellste Glasfaser-Angebot des Landes an.

Mehr Wettbewerb

Swisscom-Chef Urs Schaeppi sagte früher in diesem Monat, ein Zusammenschluss zwischen Sunrise und UPC würde «wohl zu mehr Wettbewerb führen». Swisscom sei aber gut und breit aufgestellt, «sodass ich dem positiv entgegenschaue».

Sunrise hatte bereits Anfang Februar bekräftigt, dass die Firma Übernahmegespräche mit UPC aufgenommen hat. Gerüchte um eine Annäherung zwischen der UPC-Mutter Liberty Global und Sunrise hielten sich seit Jahren hartnäckig. Jetzt verspricht Olaf Swantee: «Zusammen mit UPC Schweiz werden wir einen stärkeren und echt konvergenten Herausforderer sowie einen erheblichen Wert für unsere Aktionäre schaffen.»

Erstellt: 28.02.2019, 06:24 Uhr

Sunrise mit mehr Umsatz und tieferem Gewinn

Sunrise hat 2018 etwas mehr umgesetzt, unter dem Strich aber weniger verdient. Der Umsatz stieg 2018 um 1,2 Prozent auf 1,88 Milliarden Franken. Der bereinigte Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) schrumpfte indes leicht um 1,1 Prozent auf 601 Millionen Franken.

Unter dem Strich blieb noch ein Reingewinn von 107 Millionen Franken, wie Sunrise am Mittwochabend bekannt gab. Im Vorjahr hatten noch 505 Millionen Franken in der Kasse geklingelt. Der damalige Gewinnsprung war allerdings auf den Verkauf von über 2200 Antennenmasten an die spanische Firma Cellnex zurückzuführen, was 420 Millionen Franken eingebracht hatte. Unter Ausklammerung des Mastverkaufs stieg der Reingewinn 2018 um 3,4 Prozent.

Die Kabelnetzbetreiberin UPC hat 2018 erneut einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Der Gesamtumsatz schrumpfte um 3,7 Prozent auf 1,296 Milliarden Franken. (sda)

Artikel zum Thema

Sunrise-Aktien verlieren an der Börse

Nach der Ankündigung der UPC-Übernahme müssen sowohl Sunrise als auch Konkurrentin Swisscom einen Kursverlust hinnehmen. Mehr...

Sunrise führt «fortgeschrittene Gespräche» für UPC-Übernahme

Die Grossfusion im Schweizer Telecommarkt wird immer wahrscheinlicher. Erstmals nennt Sunrise Zahlen dazu. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Mit dem Zug durch Europa

Statt Flugscham lockte das Abenteuer. Wie eine Familie beschloss, mit dem Zug an die Strände Nordspanien zu fahren.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Was für eine Aussicht: Ein Mountainbiker macht Rast auf dem Gipfel des Garmil. Im Hintergrund sieht man die Churfirsten und die Alviergruppe. (13. September 2019)
(Bild: Gian Ehrenzeller) Mehr...