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Skandalbanker Kerviel steht wieder vor Gericht

Der ehemalige Börsenhändler wurde 2010 zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er der Grossbank Société Générale einen Verlust von fast 5 Milliarden Euro eingebrockt hatte. Seit heute wird der Prozess neu aufgerollt.

Erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber: Jerome Kerviel (rechts) trifft mit seinem Verteidiger vor dem Gericht in Paris ein.
Erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber: Jerome Kerviel (rechts) trifft mit seinem Verteidiger vor dem Gericht in Paris ein.
AFP

Der heute 35-jährige Jerome Kerviel war im Herbst 2010 zu fünf Jahren Haft, zwei davon auf Bewährung, und einem Rekord-Schadensersatz von 4,9 Milliarden Euro verurteilt worden.

Der Händler lehnt die Schuld am Riesenverlust ab, den er mit seinen Geschäften der Grossbank Société Générale einbrockte. «Ich bin für diesen Verlust nicht verantwortlich», sagte Kerviel zu Prozessbeginn. Er habe bei seinen hochriskanten Geldgeschäften, die Anfang 2008 aufflogen, stets mit Wissen seiner Vorgesetzten gehandelt.

Die Société Générale machte durch seine Geschäfte einen Verlust, der dem 2010 festgelegten Schadensersatz von 4,9 Milliarden Euro entspricht.

Lohn von 170'000 Jahren Arbeit

Um diese Rekordstrafe abbezahlen zu können, müsste der 35-Jährige bei einem Gehalt von 2300 Euro, das er nach seiner Entlassung als Informatikberater bekam, mehr als 170'000 Jahre arbeiten. Inzwischen hat Kerviel auch seinen Informatik-Job aufgegeben, um sich auf den Berufungsprozess zu konzentrieren, der bis zum 28. Juni dauern soll. Er sei seit einem Jahr ohne Arbeit und damit auch ohne Einkünfte, sagte Kerviel, der bis zum Berufungsurteil auf freiem Fuss ist.

1,7 Milliarden Euro der Schadenssumme erhielt die zweitgrösste französische Bank durch Steuererleichterungen wieder zurück. Da das Geldhaus diesen zurückgeflossenen Betrag nicht geltend machte, erstattete Kerviel Anzeige wegen Betrugs gegen seinen früheren Arbeitgeber.

Bank soll Beweise manipuliert haben

Ausserdem manipulierte die Bank nach Darstellung des früheren Börsenhändlers die Aufzeichnungen seiner Gespräche, die sie dem Gericht als Beweismittel übergab. Von zwölf Stunden Telefonaten, die die Arbeitgeber ohne Wissen Kerviels aufnahmen, fehle etwa die Hälfte.

Der Rest sei bewusst zusammengeschnitten worden, sagte Kerviels Anwalt. Die Bank reagierte umgehend mit einer Anzeige wegen falscher Anschuldigungen. Die Finanzpolizei soll die gegenseitigen Vorwürfe klären.

Als «Betrüger und Terrorist» beschimpft

In dem Berufungsverfahren sagt am 21. Juni auch der ehemalige Chef der Société Général aus, Daniel Bouton. Im ersten Prozess hatte Bouton, der im April 2009 seinen Posten aufgab, Kerviel als «Betrüger» und «Terroristen» beschimpft. Die Bank hatte nach dem Skandal ebenso wie andere Geldinstitute ihre Kontrollen verschärft.

Dennoch gab es im vergangenen Jahr ähnliche Fälle: Im September bescherte der Händler Kweku Adoboli der Bank UBS einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro. Vor drei Wochen enthüllte die US-Bank JPMorgan Chase einen Verlust von zwei Milliarden Dollar durch Fehlspekulationen mit Kreditausfallversicherungen.

SDA/fko

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