Skifahrer buchen lieber online

Immer mehr Bergbahnen haben flexible Preise – Skipässe werden nun häufiger im Internet gekauft.

Frühbucher profitieren verstärkt von Rabatten: Skigebiet in den Waadtländer Alpen. Foto: Keystone

Frühbucher profitieren verstärkt von Rabatten: Skigebiet in den Waadtländer Alpen. Foto: Keystone

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Die Nervosität in den Wintersportorten ist in diesen Tagen besonders gross. Der Grund: Immer mehr Bergbahnen probieren neue Preismodelle aus. Flexible Preisgestaltung heisst das Zauberwort. Erste Rückmeldungen aus den Skigebieten zeigen, dass diese vor allem zwei Dinge bewirken: Tickets werden verstärkt online und früher gekauft.

In Laax GR können Skifahrer eine Tageskarte günstiger erwerben, wenn sie über die eigene Smartphone-App Tage im Voraus buchen. Vom letzten November bis zum 2. Januar sei der mit der App generierte Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 50 Prozent gestiegen, heisst es dort. Andermatt-Sedrun führte letzte Saison ein flexibles Preismodell ein. Wer früh online bucht, spart Geld. Bisheriges Fazit: 2017/18 stieg die Zahl der Gäste, die online ein Ticket kauften, laut Stefan Kern von Andermatt Swiss Alps gegenüber der Vorsaison um 700 Prozent. «In der laufenden Saison verdoppelte sich die Zahl noch einmal.»


Video: Flexible Skitickets: Fluch oder Segen?

Von einem dynamischen Preismodell profitieren Frühbucher. Für Kurzentschlossene könnte das Skifahren künftig um einiges teurer werden. Video: SDA/Nicolas Fäs


Auch andere Skigebiete, die auf flexible Onlinepreissysteme setzen – etwa Bellwald VS, Pizol SG oder Arosa-Lenzerheide GR – sprechen von einer positiven Resonanz. «Viele Gäste sind sich Onlinekäufe aus dem Alltag gewohnt», sagt David Wyssen, Geschäftsführer Bellwald Sportbahnen. Er hat auf diese Saison hin ein neues Preismodell eingeführt, das Frühbucher belohnt. Der Ticketpreis hängt aber auch von der Nachfrage und der Wetterprognose ab. Wyssen zieht bereits eine erste positive Bilanz: Im Dezember seien rund 20 Prozent der Tickets über den neuen Webshop gekauft worden, was über dem Branchendurchschnitt liege. Wyssen sieht noch einen anderen Gewinn für die Bergbahnen: «Wir lernen den Kunden und sein Verhalten besser kennen.» In Bellwald will man das Preismodell weiter optimieren und mit individuellen Angeboten ausbauen. «Wir überlegen uns, künftig Vielfahrer mit einem Gutschein oder einer Rabattaktion zu belohnen.»

Onlinekäufe haben einen entscheidenden Vorteil. «Das Anstehen an den Tageskassen kann massiv reduziert werden», sagt Lisa Lerchi von den Bergbahnen in Laax. Bediente Ticketschalter zu schliessen, sei aber nicht geplant. Es gebe immer noch viele Gäste, die den Schalter aufsuchten. «Wir können dank der Entlastung durch Onlinebuchungen jedoch die personellen Ressourcen gezielter für Beratungen einsetzen.»

Die Tageskarte wird ein Viertel teurer

Wie sich die Preismodelle langfristig auf die Einnahmen der Bergbahnen auswirken, muss sich erst noch zeigen. «Der Vorteil flexibler Preise ist, dass die Bahnen Tage mit erwartungsgemäss schwächerer Nachfrage gezielt fördern können», sagt Andreas Keller vom Branchenverband Seilbahnen Schweiz. Anbieter wie die Pizolbahnen oder Bellwald locken denn auch mit tieferen Preisen bei schlechtem Wetter. Gleichzeitig gehen sie während der stark frequentierten Tage nicht über den regulären Tageskartenpreis hinaus. Das funktioniert nur, wenn die tieferen Preise auch zu mehr Gästen führen, denn der Fixkostenblock bei den Bergbahnen bleibt etwa gleich hoch.

In Pizol ging die Rechnung bisher auf. Laut einer Studie der Fachhochschule St. Gallen brachten die wetterabhängigen Tageskarten rund 34 Prozent neue Gäste auf den Berg. Jeder zweite Wintersportler sagte, er sei nur wegen des Preismodells gekommen.

«Ein Drittel aller Gäste bucht mittlerweile frühzeitig.»Thomas Rechberger, Oberengadiner Bergbahnen

Ein Wagnis gehen die Bergbahnen im Oberengadin ein. Gäste, die bis 15 Tage im Voraus buchen, zahlen 30 Prozent weniger. Die Bergbahnen verteuern jedoch den Schneespass für Kurzentschlossene. Die Tageskarte, die im letzten Winter noch 79 Franken kostete, kann neu mit 101 Franken zu Buche schlagen. «Für mich ist klar, dass ich solche Skigebiete meide», schreibt ein Leser genervt im Onlineforum von «20 Minuten». In St. Moritz verteidigt man die Preispolitik. «Ein Drittel aller Gäste bucht mittlerweile frühzeitig, insbesondere Familien kommen zu so günstigen Preisen wie noch nie», sagt Thomas Rechberger von den Oberengadiner Bergbahnen.

Tourismusexperte Thorsten Merkle von der HTW Chur rechnet mit weiteren Skigebieten, die in den nächsten Jahren flexible Preissysteme anbieten. Die Branche sei unter Druck, seit erste Bahnen ihre Preise senkten. «Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten. Die Airline-Industrie oder die Hotellerie nutzen derartige Systeme bereits seit längerem.»

Wie sich die Modelle nachhaltig auf die Ticketpreise auswirken, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Laut Seilbahnen Schweiz stieg der Preis für die Tageskarte der zehn grössten Skigebiete in den letzten zehn Jahren im Schnitt von 60 auf rund 74 Franken.

Erstellt: 06.01.2019, 10:51 Uhr

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