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SNB-Schelte bringt Dougan in Bedrängnis

Nach dem gestrigen Angriff der Nationalbank auf die Credit Suisse und dem darauffolgenden Taucher der Aktie stellt sich die Frage: Ist Brady Dougan noch der richtige Konzernchef?

Der Rüffel der SNB war auch für den Konzernchef der Credit Suisse ein Schlag ins Gesicht: Bankchef Brady Dougan.
Der Rüffel der SNB war auch für den Konzernchef der Credit Suisse ein Schlag ins Gesicht: Bankchef Brady Dougan.
Keystone

Wie kann es sein, dass die Credit Suisse immer wieder behaupten kann, sie gehöre zu den bestkapitalisierten Banken der Welt. Und dann erntet sie von der Schweizerischen Nationalbank Schelte und wird ermahnt, ihr Eigenkapital dringend zu erhöhen. «Es kommt auf die Definition von Kapital an», sagt der Bankenanalyst Andreas Venditti. Wenn die Credit Suisse sage, sie sei in Bezug auf das Eigenkapital «one of the best», habe sie sich immer auf die Anforderungen des Regelwerks Basel II 5 bezogen. «Doch ab dem 1. Januar 2013 gilt Basel III und dann sieht das Bild ganz anders aus, die Anforderungen sind sehr viel strenger.»

«Natürlich kann jeder auf irgendeine Art rechnen», sagt der Zürcher Ökonomieprofessor Hans Geiger. Ehrlich wäre es gemäss Geiger gewesen, wenn die Credit Suisse jeweils hinzufügen würde «nach den heute geltenden gesetzlichen Regeln». Doch die hält Geiger für «total falsch». Basel II sei ein Werk von 333 Seiten mit einer Unmenge von Formeln. «Den Anforderungen zu entsprechen, sagt nichts aus über die tatsächliche wirtschaftliche Stärke einer Bank», so Geiger. «Wenn das Management meint, es kann so weitermachen wie bisher, dann ist das gefährlich. Der Verwaltungsrat müsste hier die Konsequenzen ziehen.»

Realitätssinn verloren

Dass die Credit Suisse die Behauptung, sie sei eine der bestkapitalisierten Banken der Welt, selbst gestern noch wiederholte, hält Geiger für «dumm». «Die SNB kann rechnen und eine Eigenkapitalquote von 1,7 Prozent ist miserabel», sagt der Zürcher Ökonomieprofessor Hans Geiger. «Aber hier scheint einer den Realitätssinn verloren zu haben.»

Nach Auffassung von Hermann Stern von der Finanzanalysefirma Obermatt sind die Banken heute generell von der schwierigen wirtschaftlichen Situation überfordert. «Das internationale Umfeld ist so komplex geworden und die Finanzinstrumente so kompliziert, dass sie zu einer Bewertung nicht mehr in der Lage sind. Doch das will kaum jemand wahrhaben.» Nach der jahrzehntelangen Prosperität seien die Banken heute psychologisch gesehen in der Phase des «denials», der Verleugnung der Realitäten. «Danach kommt die Phase der Verärgerung und man gibt anderen die Schuld.»

Beim Fussball wechselt man den Trainer aus

Zur Frage, ob Brady Dougan angesichts des gestrigen Kurstauchers und der seit langem bestehenden Kritik an seiner Geschäftsführung den Posten des CEO langsam räumen sollte, möchte ZKB-Analyst Andreas Venditti sich nicht äussern. «Ob die schlechte Aktienperformance auf das Management zurückzuführen ist, ist schwer zu sagen», so Venditti. «Kritik gibt es sicher, aber die Frage ist, wen man konkret als Alternative zur Verfügung hätte. Ein neuer Mann müsste es am Ende ja besser machen, auch angesichts der gegenwärtig sehr schwierigen Marktverhältnisse.» Für Geiger ist dagegen klar: «Wenn eine Fussballmannschaft schlecht spielt und dreimal verliert, wechselt man den Trainer.»

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