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So dreist werden die Versicherungen genarrt

Gestohlene Autos auf Ebay, ein Pelzmantel in der Karibik und Hagelschäden von Eiswürfeln: Die kuriosesten Betrugsfälle aus den Archiven der Versicherungen.

Mit Betrügern hat jede Versicherung zu kämpfen: Logo der Versicherungsgesellschaft Mobiliar.
Mit Betrügern hat jede Versicherung zu kämpfen: Logo der Versicherungsgesellschaft Mobiliar.
Keystone

«Wenn ich schon Prämien zahle, will ich auch einkassieren», sagt sich mancher Versicherte und versucht, die Versicherung zu betrügen. Hin und wieder gelingt dies auch, häufig aber fliegt der Betrug auf. Dies kann - je nach Schwere und Umstände - ein Strafverfahren zur Folge haben.

Ob Invaliden-, Arbeitslosen-, Reise- oder irgend eine andere Versicherung: Mit Betrugsversuchen sieht sich jede konfrontiert. Firmeneigene Detektive und Sachverständige haben deshalb alle Hände voll zu tun. Und häufig werden sie fündig. Ihre Entdeckungen geben - im Nachhinein betrachtet - nicht selten unterhaltsame Anekdoten ab.

Haare stammen von der Hauskatze

Da war etwa jener Autohalter, der mit dem Fahrzeug leicht von der Strasse abkam und einen Zaun touchierte. Weil er sich die Vollkaskoversicherung gespart hatte, die Reparaturkosten aber doch vergütet haben wollte, meldete er kurzerhand einen Wildschaden an. Das Fehlen einer Bestätigung von Polizei oder Wildhüter kompensierte er mit dem sorgfältigen Präparieren des Fahrzeugs.

Tatsächlich entdeckte der Versicherungsexperte Haare an der beschädigten Front. Bloss: Bei genauerer Untersuchung stellte sich heraus, dass diese keineswegs von einem Reh stammten, sondern von der Hauskatze des Mannes.

Mit dem Pelzmantel in die Karibik

Dass, wer die Versicherung betrügen will, auch selber mitdenken sollte, beweist der Fall einer anderen Versicherungsnehmerin. Sie gab an, mit ihrem Ferienkoffer seien ihr ein wertvoller Pelzmantel und ein teurer Kaschmirpulli abhanden gekommen.

Dies wunderte den Versicherungs-Sachbearbeiter nun doch sehr. Auf die Frage, weshalb um alles in der Welt sie so warme Sachen auf eine Karibik-Reise mitnehme, gab die Möchte-gern-Betrügerin klein bei. Ebenfalls verlorenes Gepäck meldete ein anderer Versicherungsnehmer. Und der angegebene Wert des Kofferinhalts überstieg die Versicherungssumme deutlich. Auf Verlangen konnte der Mann sogar Quittungen vorlegen. Allerdings stellten die Sachbearbeiter fest, dass diese gefälscht worden waren - genauer gesagt, mit zusätzlichen Positionen ergänzt.

Der Versicherungsnehmer erhielt deshalb den Bescheid, die Versicherung komme für den Schaden nicht auf. Siegessicher schaltete er einen Anwalt ein, der seinerseits die Quittungen einschickte. Allerdings - und das war grosses Pech für seinen Mandanten - die wirklichen Originale, ohne falsche Zusätze. Die angeblichen Hagelschäden, die mit einem Hammer zugefügt wurden, sind mittlerweile bekannt und auch allzu leicht durchschaubar. Da wollte es ein Autobesitzer doch schlauer machen: Er kippte aus dem dritten Stock seines Wohnhauses Eiswürfel auf seinen Wagen. Die Dellen hätten sich wohl recht echt gemacht - Pech war nur, dass der Mann beobachtet worden war.

Nur plump sind jene Betrüger, die einen Schaden gleich bei mehreren Versicherungen anmelden, die einen gestohlen gemeldeten Wagen auf Ebay zum Verkauf anbieten oder die immer wieder ähnliche Einbrüche angeben - bei denen selbstverständlich immer besonders teure Gegenstände abhanden kommen.

Abzocken bei IV, Suva, ALV

Auch IV-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung werden immer wieder kräftig abgezockt - auch hier fliegen immer wieder Betrugsfälle auf. So verurteilte etwa das Zürcher Obergericht jüngst einen Mann, der IV-Gelder von rund 150'000 Franken erschwindelt hatte. Angeblich litt er an schweren Depressionen und Vereinsamung. In Wirklichkeit feierte und trank er Tag für Tag mit seinen Kumpels, fuhr mehrmals im Jahr in die Ferien und pflegte seinem bevorzugten Fussballclub nachzureisen.

Arbeitslosengelder ergaunerte der Inhaber einer Baufirma. Er arbeitete jahrelang in aller Dreistigkeit mit mehreren Komplizen zusammen. Die waren angeblich angestellt und wurden später «entlassen», worauf die Arbeitslosenentschädigung floss. Mit dieser und SUVA-Geldern für Scheinunfälle füllte er schwarze Kassen.

Nicht alle gemeldeten Versicherungsfälle werden überprüft. Kommt aber der Verdacht auf, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, nehmen Spezialisten der Versicherungen die Angelegenheit unter die Lupe. Dabei profitieren sie zunehmend von spezialisierter Software, welche die Erkennung von Betrugsindikatoren und den Austausch unter den Gesellschaften ermöglichen.

Elisabeth Hausmann/ sda

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