So klaut die Schweiz

In Coop und Migros werden einige Schweizer immer wieder zu Dieben. Das zeigt eine neue Umfrage.

Nicht alles wird eingescannt: Self-Scanning-Kasse. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Nicht alles wird eingescannt: Self-Scanning-Kasse. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Die Schweiz ist ein wohlhabendes Land. Dennoch gibt in einer Umfrage des Internet-Vergleichdienstes moneyland.ch rund die Hälfte der Befragten an, bereits einmal etwas gestohlen zu haben. Moneyland hat im Rahmen einer repräsentativen und anonymen Online-Umfrage 1500 Personen in der Deutsch- und Westschweiz zu ihrem Diebstahl-Verhalten im Erwachsenenalter befragt.

Relativ häufig wurde demnach im Detailhandel geklaut. 12 Prozent der Befragten geben an, mindestens einmal etwas in der Migros gestohlen zu haben – ein Prozent tut das sogar oft. 11 Prozent geben an, im Coop bereits einmal etwas mitgehen lassen zu haben. Das sind also mindestens jede zehnte Schweizerin und jeder zehnte Schweizer. An Selbstbedienungskassen haben 8 Prozent der Befragten schon einmal absichtlich nicht bezahlt, 1 Prozent sogar oft nicht.

Diebstahlrate dürfte höher liegen

Moneyland-Geschäftsführer Benjamin Manz gibt zu bedenken, dass nicht alle der Befragten schon einmal eine Selbstbedienungskasse genutzt haben. «Deshalb dürfte die Diebstahlrate von Nutzern von Self-Scanning-Kassen noch höher liegen», sagt Manz. Er schätzt den Prozentsatz von Diebstählen bei Self-Scanning-Kassen auf mindestens 15 Prozent – wenn man nur die Personen einbezieht, die schon einmal an einer solchen Kasse gezahlt haben.

Immer wieder berichten Kunden gegenüber Medien, dass sie Produkte nicht einscannen. «Ich liebe Self-Check-out-Kassen. Dank ihnen spare ich eine Menge Geld», sagte eine 21-jährige Kundin etwa dem Onlinemagazin «Vice». Eine andere Kundin gestand, nur billige Lebensmittel zu scannen und den teuren Alkohol mitlaufen zu lassen.

Umfrage

Haben Sie im Laden auch schon mal, äh, vergessen zu bezahlen?





Bei der Migros erledigt bereits jede vierte Kundin oder jeder vierte Kunde seine Einkäufe an einem Self-Scanning-Terminal. Berücksichtigt man nur Filialen, die solche Terminals anbieten, ist es sogar jede dritte Person, das zeigte eine Auswertung von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Coop wollte keine genaueren Angaben machen, Self-Check-out sei aber etabliert und werde von vielen Kunden geschätzt.

Zu dem Diebstählen teilt Coop mit: «Der allergrösste Teil unserer Kundinnen und Kunden ist erfreulicherweise ehrlich, das trifft auch auf Verkaufsstellen mit Self-Checkout-Kassen zu.» Aus Sicherheitsgründen gebe der Händler keine detaillierten Auskünfte zu Ladendiebstählen an und kommuniziere auch keine Diebstahlstatistiken.

Auch die Migros teilt auf Anfrage mit, sie gebe keine Statistiken zu Diebstählen bekannt. Die Detailhändlerin verzeichne aber keine signifikante Zunahme der Ladendiebstähle aufgrund der Einführung der Self-Checkout-Kassen und Self-Scanning, sagt Sprecherin Cristina Maurer. «Jeder Kunde und jede Kundin muss ja immer auch mit einer Kontrolle rechnen, was bei einem Diebstahl unter Umständen unangenehme Folgen haben kann», so Maurer.

34 Prozent fahren schwarz

Die Moneyland-Umfrage zeigt derweil, dass Kunden auch in anderen Detailhandelsgeschäften klauten: 7 Prozent der Befragten gaben zu, schon mal etwas an einem Kiosk gestohlen zu haben, 6 Prozent in einem Kleider-Geschäft und 5 Prozent in einem Elektro-Geschäft.

Besonders häufig wurde allerdings an anderen Orten nicht gezahlt: 34 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal im öffentlichen Verkehr schwarzgefahren zu sein. 18 Prozent haben bereits einmal etwas am Arbeitsplatz gestohlen, im Restaurant und Hotel haben 13 Prozent schon mal absichtlich nicht gezahlt.

Erstellt: 29.01.2019, 09:54 Uhr

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