So kommt die Finma Insidern auf die Schliche

Verwaltungsrat Hans Ziegler blieb im Netz der Ermittler der Finanzmarktaufsicht hängen. Die Zahl verdächtiger Transaktionen steigt.

Millionen von Transaktionen pro Jahr: Ein Händler an der Frankfurter Börse. (Archivbild)

Millionen von Transaktionen pro Jahr: Ein Händler an der Frankfurter Börse. (Archivbild) Bild: Alex Domanski/Reuters

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Mark Branson versteht in diesem Punkt keinen Spass. «Insiderhandel und Marktmanipulation sind keine Kavaliersdelikte», sagt der Chef der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Das illegale Verhalten verzerre den Preisbildungsmechanismus an den Börsen. Es führe zu einer Beschädigung des Vertrauens, und das wirke sich letztlich negativ auf die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt aus, argumentierte er kürzlich bei einer Veranstaltung. Deshalb geht seine Behörde Verdachtsfällen rigoros nach.

Dabei gibt es immer mehr zu tun. «Wir sehen hier eine steigende Tendenz», so Branson. Ob dies mit besseren Überwachungsmöglichkeiten oder mit einem rücksichtsloseren Verhalten der Marktteilnehmer zu tun hat, liess er offen. Bei der Finma sind mehrere Personen mit der laufenden Marktaufsicht beschäftigt. Sie durchleuchteten letztes Jahr sieben Millionen Transaktionen, in verdächtigen Zeiträumen oder in auffälligen Marktkonstellationen.

Auch Whistleblower helfen

Dabei helfen ihnen Softwarelösungen, die verdächtige Muster bei Transaktionen markieren – seien es aussergewöhnliche Veränderungen oder Handelsvolumina. «Die Tools und Möglichkeiten, die unseren Spezialisten in der Marktaufsicht zur Verfügung stehen, haben sich ganz generell verbessert», so Branson bei der Veranstaltung. Das hilft den Ermittlern, trotz der steigenden Menge an Daten krumme Geschäfte aufzudecken. «Die Spuren in den Daten bleiben», so Branson.

Gleichzeitig ist ein Team bei der Schweizer Börse aktiv, das den Markt ebenfalls überwacht. So gibt es eine doppelte Kontrolle. Die Leute von der SIX Swiss Exchange liefern der Finma rund 60 Prozent aller Hinweise. 20 Prozent der Inputs stammen von ausländischen Behörden. Und die restlichen 20 Prozent fallen den Finma-Spezialisten selbst auf oder stammen von Whistleblowern.

Verhaltensmuster analysiert

Mit dem Erkennen verdächtiger Transaktionen ist es nicht getan. Danach ermitteln die Finma-Leute die Personen, die hinter den Börsenaufträgen stehen Sie müssen dazu bei den Banken die Kundendaten abfragen. 2016 wurde das 600'000-mal gemacht. Danach werden Verhaltensmuster analysiert und geschaut. In 500 Fällen wurden vergangenes Jahr aufgrund dieser Erkenntnisse vertiefte Abklärungen eingeleitet. «Es ist noch immer viel Handarbeit», erklärt Finma-Sprecher Tobias Lux.

Auch der nun bestrafte Multi-Verwaltungsrat Hans Ziegler flog so auf. Er hat gemäss Finma in elf Einzelfällen bei sechs verschiedenen Wertpapieren Insiderwissen zum eigenen Vorteil ausgenützt.

Ab 2018 noch schärfere Waffen

Nächstes Jahr wird die Arbeit für die Finma-Ermittler einfacher. Bisher mussten sie die Kundendaten zu Transaktionen bei den Banken abfragen. Ab 2018 werden die Informationen von den Geldhäusern automatisch übermittelt. «Quasi auf Knopfdruck können wir dann im Verdachtsfall analysieren, welches Handelsverhalten Personen und Gesellschaften an den Tag legen und ob sie manipulative Strategien anwenden», so Branson. Insgesamt sei das «eine schlechte Nachricht für alle, die sich nicht an die Regeln halten möchten».

Im Fall Ziegler hat die Finma gehandelt und unrechtmässig erzielte Gewinne von rund 1,4 Millionen Franken eingezogen. Damit ist ihre Arbeit getan. Der Ball liegt danach bei der Bundesanwaltschaft. Sie muss das Verhalten des Täters strafrechtlich beurteilen und am Ende Anklage erheben. Wird Ziegler verurteilt, droht ihm Gefängnis. «Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer sich oder einem anderen ... einen Vermögensvorteil verschafft», heisst es im Börsengesetz.

Erstellt: 23.06.2017, 16:30 Uhr

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