So reich ist der Vatikan

Immobilien, Museen, Fanartikel: Ein Blick auf das Vermögen des Gottesstaates.

Willkommen in der Schweiz: Bundespräsident Alain Berset begrüsst Papst Franziskus bei dessen Ankunft in Genf. Video RTS

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Papst ist auf Stippvisite in der Schweiz. Papst Franziskus landete heute Morgen um 10.10 Uhr in Genf (zum Live-Ticker des Besuchs). Er wird vor rund 50'000 Menschen eine Messe abhalten. Das kostet die Organisatoren, das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg, rund 2,2 Millionen Franken. Das meiste Geld geht für Sicherheits- und Logistikaufwand drauf.

Weil der Vatikan keinen Rappen zum Kurzbesuch des Oberhaupts beigesteuert habe, drohe dem Bistum wegen der Veranstaltung der Konkurs, berichteten verschiedene Medien. Bischof Charles Morerod gab daraufhin Entwarnung: Er hoffe, dass die Kosten für die Messe keine Schulden hinterlassen, sagte er der Zeitung «La Liberté». «Wir haben zwar keinen grossen Sponsor gefunden, aber Spender verschiedenster Art, Körperschaften aus der ganzen Schweiz unterstützen uns.» Dabei hätte der Vatikan durchaus Mittel, etwas beizusteuern. Das zeigt ein Blick auf das Vermögen des Gottesstaates. Hierzu gibt es zwar nur Schätzungen, diese sind aber beträchtlich. Ein Überblick.

Vermögen

Fachleuten zufolge soll das Vermögen des Vatikans bis zu 12 Milliarden Euro betragen, schreibt der katholische Nachrichtensender Domradio. Genaue Angaben gibt es nicht. 2015 teilte der Vatikan nur mit, dass das Vermögen des Heiligen Stuhls um 939 Millionen Euro gewachsen sei. Anfang 2017 gab das vatikanische Wirtschaftssekretariat mit Verspätung bekannt, dass der Vatikan 2015 schwarze und rote Zahlen geschrieben hatte. Das Budget ist in zwei Teile unterteilt: Der Heilige Stuhl, Leitungsorgan der katholischen Kirche, musste ein Defizit von 12,4 Millionen Euro verbuchen. Der Vatikanstaat hingegen machte ein kräftiges Plus von 59,9 Millionen Euro.

Wertpapiere und Immobilien

Geld soll der Vatikan vor allem mit Erträgen aus Geldanlagen machen. Der Staat investiert in Wertpapiere und verfügt über Immobilien – auch in der Schweiz. Wie SRF-«Eco» berichtet, besitzt der Papst neben einem Wohnhaus in Genf auch rund ein Dutzend Renditeliegenschaften in Lausanne. Demnach hat der Vatikan die Schweizer Immobilien mit Geld von Italiens Ex-Diktator Benito Mussolini gekauft. Auch in Paris und London sollen dem Vatikan Luxusimmobilien gehören.

SRF-«Eco» zufolge hat der Vatikan eine Reihe von Firmen, Aktiengesellschaften und undurchsichtige Unternehmen – eines davon mit Sitz in Freiburg. Diese Gesellschaft soll als Investitionsvehikel dienen und Aktien unter anderem von der UBS, Roche und Givaudan halten.

Vatikanbank

Eine weitere wichtige Einnahmequelle ist die Vatikanbank (IOR). Im Jahr 2016 machte sie einen Gewinn von rund 32 Millionen Euro. Dieser floss an den Heiligen Stuhl. Die Bank mit ihren rund 15'000 Kunden war in den letzten Jahren immer wieder in Finanzskandale verwickelt. Um die Transparenz zu verbessern, liess der Papst deshalb neue Richtlinien zur Buchführung einführen und gründete das Wirtschaftsssekretariat des Vatikans.

Bistümer

Auch aus den Bistümern fliesst Geld in den Vatikan: 2015 waren es laut dem Domradio rund 24 Millionen Euro.

Bilder: Der Besuch des Papstes in der Schweiz

Museen

Die Vatikanischen Museen steuern einen grossen Anteil zum Haushalt des Vatikans bei. Es gibt zwar keine konkreten Zahlen, aber die Einnahmen dürften sich Schätzungen zufolge im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Bei über fünf Millionen Besuchern im Jahr, die Eintrittspreise von etwa 17 Euro zahlen, dürfte dies hinkommen.

Spenden

Jedes Jahr können Gläubige Ende Juni den sogenannten Peterspfennig zahlen. So kommen jährlich um die 60 Millionen Euro zusammen. Diese Spenden werden dem Vatikan zufolge für wohltätige Initiativen eingesetzt. Mittlerweile können Gläubige ihren Beitrag auch online direkt überweisen.

Fanartikel

Mit Andenken dürfte der Vatikan einiges dazuverdienen. Über den Shop der Vatikan-Museen können Besucher Bücher, Kalender, Schmuck oder Kunstwerke kaufen. Tassen mit dem Petersdom, Papst-DVDs und Einkaufstaschen mit Sixtinische-Kapelle-Motiv runden das Angebot ab.

Gleichzeitig geht der Vatikan gegen Souvenirverkäufer vor, die für die verkaufte Ware nicht die nötigen Bildrechte halten. In Rom werden an jeder Ecke Kaffeetassen, T-Shirts oder Magnete mit dem Papst- oder dem Petersdom-Bild verkauft. Berichten zufolge hat der Vatikan einen Rechtsanwalt beauftragt, um gegen diese Andenken vorzugehen.

Erstellt: 21.06.2018, 11:47 Uhr

Artikel zum Thema

Den Schweizer Papst-Groupies auf der Spur

Er kommt! Der Papst. Am Donnerstag. Was junge Gläubige von ihm erwarten – in Zeiten, in denen die Kirchen sich leeren. Mehr...

Hinter der barmherzigen Fassade

Analyse Der Papst kommt in die Schweiz. Franziskus wird sich progressiv und menschenfreundlich geben, doch man darf ihn nicht beim Wort nehmen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...