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Sonova mit Gewinneinbruch

Weitere schlechte Nachrichten vom Hörgerätehersteller: Das Unternehmen verdiente fast vierzig Prozent weniger als in der Vorjahresperiode.

Kein gutes Betriebsergebnis: Sonova-Mitbegründer Andy Rihs. (Archivbild)
Kein gutes Betriebsergebnis: Sonova-Mitbegründer Andy Rihs. (Archivbild)
Keystone

Der starke Franken und ein Produkterückruf haben dem Hörgerätehersteller Sonova das Halbjahresergebnis verhagelt. Trotz eines Verkaufsbooms in der Schweiz brach der Gewinn um 40 Prozent auf 103,7 Millionen Franken ein. Der operative Gewinn vor akquisitionsbedingten Abschreibungen (EBITA) sackte von 204,4 Millionen auf 138,4 Millionen Franken ab, wie Sonova bekannt gab. Das ist ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Schuld sei vor allem die beispiellose Stärke des Schweizer Frankens gegenüber Euro und Dollar, erklärte Finanzchef Paul Thompson vor den Medien in Stäfa. Die Frankenaufwertung habe 53 Millionen Franken operativen Gewinn weggefressen. Bei konstanten Wechselkursen hätte Sonova 191,6 Millionen Franken operativen Gewinn und 900 Millionen Franken Umsatz gemacht.

Wachstum übertroffen, Marktanteile gewonnen

Stattdessen sei der Umsatz um 8,2 Prozent auf 763 Millionen Franken gesunken. Dabei seien in lokalen Währungen die Verkäufe um 8,3 Prozent gestiegen. Damit habe Sonova das geschätzte Marktwachstum von 3 bis 4 Prozent übertroffen und Marktanteile gewonnen.

In der Schweiz seien die Verkäufe gar um 29 Prozent nach oben geschossen. Grund für den Boom hierzulande seien vorgezogene Käufe, da die Kunden seit 30. Juni weniger für ein Hörgerät zurückerstattet bekämen, sagte der bisherige interimistische Geschäftsführer Alexander Zschokke. Aber die Schweiz trage mit 21 Millionen Franken nur 3 Prozent zum Konzernumsatz bei. In den USA kletterten die Verkäufe um fast 10 Prozent.

«Verdammte Wechselkurse»

«Wir haben ein sehr solides Resultat erwirtschaftet», sagte Verwaltungsratspräsident Robert Spoerry: «Wenn etwas das schöne Resultat eintrübt, dann sind es die verdammten Wechselkurse.»

Hinzu kam der Rückruf eines Innenohr-Hörimplantats im November vergangenen Jahres, nachdem Patienten über Schmerzen geklagt hatten. Erst ab April war das Produkt dann wieder auf dem Markt. In den USA begannen die Verkäufe gar erst Mitte September wieder. Der Umsatz mit dem Hörimplantat schrumpfte von 66 Millionen Franken im Vorjahr auf 39 Millionen zusammen.

Wegen des Produkterückrufs und der niedrigeren Verkaufszahlen fuhr die Sparte einen operativen Verlust vor Abschreibungen von 20,6 Millionen Fr. ein. Darin seien knapp 4 Millionen Fr. Kosten für die Schliessung des Standorts im waadtländischen Lonay enthalten, wo bislang an der Entwicklung eines Mittelohr-Implantats geforscht wurde.

Schwere Krise

Sonova sei der Überzeugung, dass die Innenohr-Implantate deutlich grössere Wachstums- und Gewinnchancen bieten würden als die Mittelohr-Implantate, erklärte Spoerry. Die Innenohr-Implantate hätten durch die Rückrufaktion keinen Rufschaden davongetragen, sondern seien auf dem Weg, Marktanteile zurückzugewinnen, sagte Zschokke.

Der Produkterückruf hatte eine schwere Krise bei Sonova ausgelöst. Im März schockte der Konzern deshalb die Märkte mit einer Gewinnwarnung. Daraufhin stürzte die Aktie um fast ein Viertel ab. Richtig Staub aufgewirbelt hat allerdings die Tatsache, dass kurz vor der Gewinnwarnung Spitzenleute noch mit Verkäufen von Sonova-Aktien und -Optionen Kasse gemacht hatten.

Köpferollen in der Teppichetage

Dies führte zu einem Köpferollen in der Teppichetage. Konzernchef Valentin Chapero und Finanzchef Oliver Walker mussten ihre Posten räumen. Auch Verwaltungsratspräsident Andy Rihs gab sein Amt auf, blieb aber im obersten Führungs- und Aufsichtsgremium.

Die Untersuchungen der Schweizer Börse SIX und der Zürcher Staatsanwaltschaft liefen nach wie vor, sagte Spoerry. Man warte auf Resultate. «Mehr können wir heute nicht sagen.»

Für die Zukunft zeigte sich der neue Konzernchef Lukas Braunschweiler zuversichtlich. Er hat auf 1. November sein Amt angetreten. Sonova strebe ein Wachstum von 8 bis 10 Prozent an. Dieses dürfte die Frankenstärke allerdings zunichte machen. Insgesamt rechnet das Unternehmen im Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang von 3 bis 5 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Sonova einen Rekordumsatz von 1,6 Milliarden Fr. eingefahren.

SDA/kle

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