«Sonst wird das mit der digitalen Strategie für unser Land schwierig»

Salt-Chef Andreas Schönenberger ärgert sich über die strengen Abstrahlungsnormen in der Schweiz. Er befürchtet zu wenig Kapazität bei den Handyantennen.

Plant mehr Läden: Salt-Chef Andreas Schönenberger. Foto: Sabine Wunderlin (Sobli, RDB)

Plant mehr Läden: Salt-Chef Andreas Schönenberger. Foto: Sabine Wunderlin (Sobli, RDB)

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Die ganze Branche spricht über das neue Festnetz- und Fernsehangebot, mit dem Salt auf den Markt kommen will. Was muss man sich darunter vorstellen?
Wir informieren über neue Produkte, wenn sie verfügbar sind. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Ein Dementi klingt anders.
(hebt die Arme leicht an)

Die Konkurrenz versucht die Kunden mit umfassenden ­Bündelangeboten zu binden. Wie reagiert Salt auf diesen Trend?
Seit dem Namenswechsel von Orange auf Salt haben wir den Markt verändert, die Preise auf ein neues Niveau gebracht und die Qualität verbessert. Mit dieser Strategie sehen wir Wachstumsmöglichkeiten.

Sie nehmen dafür Margeneinbussen in Kauf . . .
Ja, die Margen kommen dadurch unter Druck, und wir haben uns entsprechend aufgestellt. Einen solchen Schritt müssen wir wagen, wenn wir im Markt etwas bewegen wollen.

Salt will sich also vor allem über den Preis positionieren . . .
Nein, wir wollen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bei guter Qualität offerieren. In der Schweiz muss man eine gute Qualität bieten, sonst hat man keine Chance.

«Wir wurden als sehr gut bewertet, und im internationalen Vergleich liegen die Schweizer Anbieter weit vorne.»

Beim letzten Test der Zeitschrift «Connect», der die Qualität der Mobilfunknetze vergleicht, hat Salt aber den letzten Rang belegt.
Die bei diesem Test gestellten Anforderungen steigen jedes Jahr. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern sind dabei ständig kleiner geworden. Die Platzierung ist daher zweitrangig. Wir wurden ebenfalls als sehr gut bewertet, und im internationalen Vergleich liegen die Schweizer Anbieter weit vorne.

Trotzdem müssten Sie hierzulande weiter vorne liegen, wenn Sie mit Qualität punkten wollen . . .
Wir investieren viel in die Kapazität und die Abdeckung des Netzes.

Um welche Summen geht es?
Beträge nenne ich nicht. Wir sind ein Unternehmen in Privatbesitz und geben einmal jährlich Auskunft zu Geschäftszahlen. Wir haben im vergangenen Jahr 450 Mobilfunkantennen technisch aufgerüstet. Und wir betreiben das Netzwerk, die IT sowie das Marketing wieder selber. Zuvor haben wir diese Dienstleistungen von externen Anbietern eingekauft. Dass wir diese Aufgaben nun wieder selber erledigen, hilft uns, die Qualität bei unserem Angebot zu verbessern.

Die letzten bekannten Zahlen von Salt für das Jahr 2015 zeigen, dass es sowohl beim Umsatz als auch bei den Kundenzahlen abwärtsging. Wie hat sich dies 2016 fortgesetzt?
Bei den Kunden mit einem Abonnement, die für uns das wichtigste Segment darstellen, konnten wir ein Wachstum verbuchen.

In der letzten Zeit ist es ruhig ­geworden um Salt – einmal ­abgesehen von den Gerüchten rund um das neue Festnetzangebot . . .
Das ist grundsätzlich richtig, wir bieten einen stabilen Service, und die Anzahl Beschwerden hat sich massiv reduziert. In letzter Zeit haben wir sehr viel unternommen und verbessert. Preislich haben wir ein neues Niveau definiert. Ich höre von den Kunden, dass wir damit gut ankommen. Unseren Kundenservice haben wir ausgebaut und kürzlich in einem Westschweizer Konsumtest am besten abgeschnitten.

Als einer Ihrer ersten Schritte, seit Sie im Frühling 2016 Salt-Chef wurden, haben Sie den Vertrag mit dem Vertriebspartner Mobilezone gekündigt. Weshalb?
Das ist so nicht richtig. Wir wollten unseren Vertrieb vereinfachen und uns auf ausgewählte Partner sowie unseren direkten Vertrieb fokussieren, online und mit den eigenen Shops. Gleichzeitig haben wir die vertraglichen Bedingungen mit den Vertriebspartnern vereinfacht. Mobilezone war mit den neuen Verträgen nicht einverstanden – während andere diese akzeptiert haben.

Wie gross ist die Einbusse durch den Wegfall von Mobilezone?
Wir haben stärker auf die eigenen Kanäle gesetzt und besonders auch den Onlinevertrieb verstärkt, dadurch konnten wir die Auswirkungen minimal ­halten.

Wenn Sie das Onlinegeschäft ­ausbauen wollen, wieso investieren Sie dann viel Geld in neue Standorte wie etwa den neuen Laden, den Sie heute an der Zürcher ­Bahnhofstrasse eröffnen?
Es braucht beides. Die Läden sind für uns für die Pflege der Kundenbeziehungen sehr wichtig. Mittlerweile bieten wird in den Lokalen auch Reparaturservices via Partnerfirmen an.

«Jetzt geht es noch darum, die vorhandene 4G-Technologie besser auszuschöpfen.»

Wie viele Läden wird Salt in diesem Jahr eröffnen?
Wir planen noch wenige weitere Verkaufsstandorte insbesondere da, wo wir ein klares Kundenbedürfnis identifiziert haben. Ende 2017 werden wir über rund 90 Läden verfügen.

Beim Mobilnetz steht bald der Umstieg auf die neue ­5G-Technologie an. Wann ist es bei Salt so weit?
Den genauen Zeitplan für den Umstieg legen wir nicht offen. Zuerst geht es jetzt noch darum, die vorhandene 4G-Technologie besser auszuschöpfen. Zudem hofft unsere ganze Branche darauf, dass die Politik die strengen Abstrahlungsnormen in der Schweiz überdenkt. Sonst wird das mit der digitalen Strategie für unser Land schwierig. Als sich der Ständerat im Dezember knapp gegen eine Erhöhung der Norm aussprach, war dies ein schwarzer Tag für mich und unsere Branche.

Sie stehen jetzt seit fast einem Jahr an der Spitze von Salt. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?
Das Wichtigste war für mich, die Restrukturierung abzuschliessen und die Strategie klar zu definieren. Diese Schritte sind gemacht. Jetzt geht es darum, diese Ausgangslage in Wachstum umzumünzen. Ein grosses Anliegen ist mir zudem, dass in der Schweiz realisiert wird, dass die Mobilnetze eine zentrale Infrastruktur bilden. Es ist wichtig, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen, die einen Wettbewerb erlauben und die Schweiz als attraktiven Wirtschaftsstandort erhalten. Nur so wird es unserer Branche gelingen, innovativ zu bleiben und attraktive Preise zu bieten.

Erstellt: 27.02.2017, 22:55 Uhr

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