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Spaniens modischer Exportschlager

Trotz Krise im eigenen Land sind Spaniens Modeketten auf Expansionskurs. Warum sie so erfolgreich sind – und wer dafür bezahlen muss.

Werbung mit Prominenten: Die spanische Modekette Mango engagierte die Schauspielerin Penélope Cruz (links) und ihre Schwester Mónica, die an einer Pressekonferenz auf der Baleareninsel Ibiza posieren. (16. Juli 2007)
Werbung mit Prominenten: Die spanische Modekette Mango engagierte die Schauspielerin Penélope Cruz (links) und ihre Schwester Mónica, die an einer Pressekonferenz auf der Baleareninsel Ibiza posieren. (16. Juli 2007)
Keystone
Flaggschiff des spanischen Textilkonzerns Inditex: Eine Filiale der Modekette Zara in Barcelona. (5. November 2013)
Flaggschiff des spanischen Textilkonzerns Inditex: Eine Filiale der Modekette Zara in Barcelona. (5. November 2013)
Reuters
Chef des weltgrössten Textilhändlers: Pablo Isla, CEO und Verwaltungsratspräsident von Inditex, an einer Pressekonferenz nahe Madrid. (19. März 2014)
Chef des weltgrössten Textilhändlers: Pablo Isla, CEO und Verwaltungsratspräsident von Inditex, an einer Pressekonferenz nahe Madrid. (19. März 2014)
Reuters
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Von wegen Krisenland: Spanien erobert mit Modeketten wie Zara, Mango oder Desigual den weltweiten Markt und schreibt satte Gewinne. Die Präsenz in den Einkaufsstrassen von Metropolen wie New York, Paris oder Shanghai ist stark.

Zara gehört neben weiteren Kleidermarken wie Massimo Dutti und Bershka zum Konzern Inditex, dem grössten Textilhändler der Welt. Zwar verzeichnete Inditex im ersten Geschäftsquartal bis Ende April den höchsten Gewinnrückgang seit fünf Jahren. Obwohl der Umsatz um 4,3 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro stieg, fiel der Gewinn – begründet wird dies mit dem starken Euro – um 7,3 Prozent auf 406 Millionen Euro. Trotzdem lag er höher als von Analysten erwartet.

Der Expansionskurs von Inditex setzt sich jedenfalls ungebremst fort. Der Rivale des schwedischen Branchenzweiten H & M indes eröffnete im bisherigen Jahr 53 Läden in 26 Ländern. Zudem seien in den letzten zwölf Monaten konzernweit 8000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden, davon rund 700 im Heimatmarkt Spanien.

Schnelle Produktion

Warum haben ausgerechnet Modeketten aus dem krisengeschüttelten Spanien Erfolg? Weil im Heimatland schlechte Zeiten herrschten, nutzte man diese, um im kaufkräftigeren Ausland zu expandieren. Ihren Erfolg führen die spanischen Ketten aber auch darauf zurück, dass sie alle Phasen der Wertschöpfung unter einem Firmendach vereinigen – vom Entwurf der Kleidungsstücke über die Herstellung und den Vertrieb bis hin zum Verkauf. So könne man in kürzester Zeit die Wünsche der Kunden aufgreifen, wie man bei Inditex betont. Der Textilkonzern beschäftigt nach eigenen Angaben 500 Designer. Diese entwerfen nach den neusten Modeströmungen Kleider, die schnell produziert und zu moderaten Preisen verkauft werden.

Nun setzt Inditex verstärkt auf den Handel im Internet, der in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat. Momentan verkauft die Marke Zara in 25 Ländern ihre Waren auch online, und zwar vorwiegend in Europa. Im September soll der Internethandel auch in Südkorea und Mexiko starten, später ebenfalls in China.

Dumpinglöhne bei Näherinnen und Bauarbeitern

Der Erfolg der spanischen Kleiderketten hat jedoch auch seine Kehrseite. In neun postsozialistischen Ländern und der Türkei erhalten Arbeiterinnen, die für Marken wie Zara, H & M oder Benetton nähen, an asiatische Verhältnisse erinnernde Tiefstlöhne. Dies zeigen Recherchen der internationalen Clean Clothes Campaign (CCC). Die Löhne seien teils so tief, dass sie nicht einmal ein Drittel des notwendigen Existenzlohns abdeckten und zum Teil tiefer lägen als in China oder Indonesien. Viele der Interviewten seien zum schieren Überleben auf Zweitjobs angewiesen. Die CCC fordert zusammen mit der Erklärung von Bern (EVB) die europäischen Modefirmen auf, in all ihren Lieferketten weltweit einen Existenzlohn zu bezahlen.

Für Aufruhr sorgte auch die Entlöhnung von rund 100 Bauarbeitern aus Spanien, die für den Bau der neuen Zara-Filiale im Bally-Gebäude an der Zürcher Bahnhofstrasse angestellt wurden. Die Gewerkschaft Unia hatte im Februar die Einstellung der Arbeiten veranlasst, nachdem Fälle von schwerem Lohndumping bekannt geworden waren: So erhielten die Bauarbeiter Löhne von 900 bis 2000 Franken bei bis zu 60 Wochenarbeitsstunden. Im März haben die Unia und das beteiligte Bauunternehmen Goa Invest den Arbeitskonflikt beigelegt, und es wurde ein Sperrkonto mit Lohnnachzahlungen eingerichtet.

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