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Spuhlers Sorgenkinder: Fabrik dicht, Jobs weg, Millionen verloren

Peter Spuhler investiert viel Geld in Schweizer Firmen. Während es bei Stadler Rail gut läuft, schwächeln andere Beteiligungen.

Angelika Gruber, Philipp Felber-Eisele
Der Textilmaschinenbauer Rieter und der Autozulieferer Autoneum kämpfen mit einem rückläufigen Geschäft – beide Unternehmen wollte Spuhler sanieren. Foto: Daniel Winkler (13 Photo)
Der Textilmaschinenbauer Rieter und der Autozulieferer Autoneum kämpfen mit einem rückläufigen Geschäft – beide Unternehmen wollte Spuhler sanieren. Foto: Daniel Winkler (13 Photo)

Mit dem erfolgreichen Börsengang seiner eigenen Zugfirma Stadler Rail hat sich der Alt-SVP-Nationalrat Peter Spuhler seinen Platz in den Reihen der erfolgreichen Schweizer Unternehmer gesichert. Doch nicht bei allen Firmen im Einflussbereich des Industriellen läuft es rund: Der Textilmaschinenbauer Rieter und der Autozulieferer Autoneum kämpfen mit einem rückläufigen Geschäft. Dabei war Spuhler einst angetreten, um die Firmen zu sanieren.

Rieter kämpft insbesondere mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China und Überkapazitäten bei den Kunden, die aus Fasern Garne für die Textilindustrie herstellen. Sie halten sich wegen der unsicheren Lage mit der Bestellung neuer Maschinen zurück – und das schlägt sich in den Auftragsbüchern beim Winterthurer Traditionskonzern nieder.

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Im vergangenen Jahr hat Rieter voraussichtlich nur wegen eines Sonderertrags aus einem Grundstückverkauf Gewinn geschrieben. Im laufenden ersten Halbjahr erwartet das Management weitere Verluste und greift zu harten Massnahmen: Nach über 200 Jahren schliesst der Konzern die Maschinenproduktion am Hauptsitz in Winterthur und verlagert diese nach Indien und China. Davon sind 87 Stellen betroffen. Die Gewerkschaften kritisierten das als eine «überhastete Massnahme» und sprachen von einem emotionalen Schritt.

Spuhler ist nicht allein

Rieter-Grossaktionär Peter Spuhler kann das nicht freuen. Er hält über seine Holding PCS nach Firmenangaben gut 22 Prozent der Aktien. Bei dem krisengeschüttelten Unternehmen war Spuhler bereits vor Jahren eingestiegen, um es zu sanieren, und ist seit 2009 im Verwaltungsrat vertreten.

Er agierte dabei nicht allein – an seiner Seite war bereits damals der Unternehmer und Milliardär Michael Pieper, dem das Küchenzubehör-Unternehmen Franke gehört. Er hält unter anderem über seine Holding Artemis knapp zwölf Prozent an Rieter.

Beide Unternehmer – sowohl Spuhler als auch Pieper – sind darüber hinaus an Autoneum beteiligt und halten jeweils rund zwanzig Prozent. Der Autozulieferer spaltete sich 2011 von Rieter ab und kämpft ebenfalls an mehreren Fronten. Für das vergangene Jahr hat das Unternehmen einen Verlust im hohen zweistelligen Millionenbereich angekündigt.

Grund dafür sind unter anderem Wertberichtigungen in den USA, wo Autoneum Probleme beim Anlauf neuer Produkte hat. Das hat im vergangenen Jahr den Firmenchef den Job gekostet. Wann die Firma wieder schwarze Zahlen schreibt, ist offen. Zuletzt hatte Autoneum angekündigt, 2022 wieder ein «gesundes Profitabilitätsniveau» zu erreichen.

Vertrauen in Autoneum

Um angesichts der angespannten Lage jegliche Zweifel auszuräumen, haben die Grossaktionäre Spuhler und Pieper unlängst je 20 Millionen Franken in Autoneum gesteckt. «Das Darlehen ist ein Zeichen meines Vertrauens in das Unternehmen und sein Potenzial», hatte Spuhler betont.

Immerhin – bei Rieter müssen die beiden wohl nicht nachlegen: Mitte 2019 verfügte das Unternehmen über Barreserven von gut 220 Millionen Franken und damit nach Einschätzung eines Analysten über ein komfortables Polster – selbst wenn das Geschäft auf absehbare Zeit nicht anzieht und Rieter in den kommenden Jahren wie geplant 80 Millionen in den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes in Winterthur investiert.

Aebi Schmidt entwickelt sich gut

Bei so vielen Baustellen ist die Entwicklung von Stadler Rail wie Balsam für den Unternehmer. Den Zughersteller kaufte Spuhler Ende der 80er-Jahre mithilfe eines Bankkredits. Damals hatte die Firma 18 Beschäftigte – heute sind es über 8500. Das Geschäft läuft gut, die Umsätze steigen. Im ersten Halbjahr 2019 meldete Stadler zudem einen Auftragsbestand von 14,4 Milliarden Franken und seither in regelmässigen Abständen neue Aufträge.

An dem Unternehmen ist Spuhler weiterhin beteiligt: Nach dem Börsengang im vergangenen Jahr hat er sich verpflichtet, bis nächsten April mindestens 40 Prozent der Aktien zu halten.

Erst vergangene Woche gab Stadler einen Auftrag über fast 900 Millionen Franken bekannt. Ein Milliardenauftrag für die Berliner U-Bahn ist momentan aufgeschoben, weil der in der Ausschreibung unterlegene Konzern Alstom ans Gericht gelangt ist. Allerdings findet der nächste Gerichtstermin in der Sache Mitte Februar statt. Danach könnte klarer sein, ob Stadler den Auftrag tatsächlich ausführen kann.

An der Börse sind die Papiere seit dem Debüt im vergangenen April deutlich gestiegen. Wobei: Die eigentliche Abrechnung kommt erst Anfang März, wenn Stadler die Zahlen für 2019 vorstellt. Dann wird sich zeigen, ob der Zugbauer die Erwartungen an der Börse erfüllen kann.

Und Stadler ist nicht die einzige Erfolgsgeschichte im Portfolio von Spuhler: Er ist Mehrheitseigentümer und Verwaltungsratspräsident des Landmaschinen- und Schneefahrzeugherstellers Aebi Schmidt, der ebenfalls hohe Wachstumsraten verzeichnet.

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