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Staatskrücken für europäische Banken

Nun verschärft sich die Finanzkrise in Europa. Die britische Bradford & Bingley wird verstaatlicht, die belgische Regierung stützt den Finanzkonzern Fortis und die Münchner Hypo Real Estate wankt.

In Grossbritannien musste der Staat heute eingreifen, um den drohenden Zusammenbruch einer Grossbank abzuwenden: Die angeschlagene Hypothekenbank Bradford & Bingley (B&B) wird verstaatlicht und zerschlagen. Um einen Kollaps des Baufinanzierers zu vermeiden, springt der Steuerzahler für Hypotheken und Kredite in Höhe von 63 Milliarden Euro ein. Die Spareinlagen und das Filialnetz werden für rund 770 Millionen Euro vom spanischen Bankenriesen Santander übernommen und an dessen britische Tochter Abbey übertragen. Der Fall von B&B war die zweite staatliche Rettung eines europäischen Instituts innerhalb weniger Stunden.

Krise bei Fortis

In der Nacht auf Montag hatten die Benelux-Staaten für 11,2 Milliarden Euro die Hälfte am niederländisch-belgischen Finanzkonzern Fortis erworben. «Wir hätten uns raushalten können - aber dann wäre es die Frage gewesen, ob Fortis den Montag überlebt hätte», sagte der niederländische Finanzminister Wouter Bos nach der Krisensitzung am Wochenende.

Krisengipfel in Paris

Vergangene Woche hatte Fortis ein Drittel seines Marktwertes verloren, weil die Anleger an der Zahlungsfähigkeit der Bank zweifeln. Fortis soll ihren erst 2007 für 24 Milliarden Euro erworbenen Anteil am ehemaligen Rivalen ABN Amro abstossen. «ABN Amro zu integrieren, das war für dieses Unternehmen ein Schritt zu viel», sagte Fortis-Chef Filip Dierckx.

Auch die französische Regierung ist bereit, die kriselnde Dexia-Bank notfalls zu unterstützen. Die Staatsbank CDC werde «ihre Verantwortung als Aktionärin wahrnehmen», sagte Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Der Kurs der französisch-belgischen Dexia-Bank ist am Montagmorgen abgestürzt. Präsident Nicolas Sarkozy berief für morgen im Elysée-Palast einen Krisengipfel mit der französischen Banken- und Versicherungsbranche ein. Dabei soll neben der Lage der Finanzinstitutionen auch die Versorgung von Haushalten und Firmen mit Krediten besprochen werden.

Belgiens Finanzminister Didier Reynders sagte am Montag, sein Land sei bereit, im Falle der Dexia einzuspringen, falls dies nötig werde. Lagarde sagte, sie stehe mit ihrem belgischen Kollegen in direktem Kontakt.

Auch deutsche Regierung hilft

Die deutsche Regierung und Privatbanken stützen den Finanzkonzern Hypo Real Estate (HRE) mit einem milliardenschweren Rettungspaket, um das deutsche Finanzsystem vor massiven Erschütterungen zu bewahren.

Die Garantie deckt das Risiko von Kreditausfällen in Höhe von insgesamt 35 Milliarden Euro, wie ein Sprecher des Finanzministeriums am Montag erklärt. Die HRE war in Geldnöte geraten, weil ein Tochterunternehmen einen Refinanzierungsbedarf nicht mehr decken konnte. HRE gehört zu den grössten Finanzkonzernen in Deutschland.

Auch in Island und Dänemark

In Island musste ebenfalls der Staat einschreiten: Die stark angeschlagene drittgrösste Bank Glitnir wird mehrheitlich verstaatlicht. Wie die Zentralbank in Reykjavik mitteilte, übernimmt der Staat 75 Prozent der Anteile für eine Kapitzalzufuhr von umgerechnet 600 Millionen Euro.

Die schwedische Nordea AB, die dänische Spar Nord Bank und Arbejdernes Landsbank kaufen für rund 108 Millionen Dollar Teile der ins Schlingern geratenen Roskilde Bank. Zudem übernehmen die drei Banken nach Angaben vom Montag Kredite im Wert von rund 1,96 Milliarden Dollar und Einlagen von etwa 980 Millionen Dollar.

SDA/grü

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