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Stärkerer Dollar trifft US-Exportindustrie

Florierende Exporte hielten die US-Wirtschaft zuletzt über Wasser. Der wieder erstarkte Dollar wird jetzt zum Problem.

Sieben Jahre kannte der Dollarkurs nur eine Richtung: abwärts. Doch seit ein paar Wochen steigt die amerikanische Währung stetig. Von der historischen Parität gegenüber dem Franken ist keine Rede mehr. Ein Dollar kostet fast wieder 1.10 Franken. Gegenüber dem Euro und dem britischen Pfund hat er im letzten Monat 8 Prozent zugelegt, gegenüber dem Yen 6 Prozent.

Normalerweise ist der Anstieg einer Währung ein Zeichen, dass die Wirtschaft eines Landes fit ist. Davon kann diesmal keine Rede sein. Der US-Wirtschaft geht es so schlecht wie schon lange nicht mehr. Hinter der Aufwertung des Dollars steht die zunehmende Schwäche von Europa und Japan, die sich dem Sog der kriselnden US-Wirtschaft nicht entziehen können. Profitiert hat der Dollar auch vom Preisrückgang des Öls und anderer Rohstoffe der letzten Wochen.

Hoffnung auf Rückgang der Inflation

Die erstarkte Währung hat nicht nur negative Folgen für die USA. Sie weckt Hoffnungen, dass die Inflation zurückgeht. Notenbankchef Ben Bernanke hat es nicht zuletzt dem starken Absturz des Dollars zugeschrieben, dass die Inflation in den letzten Monaten immer mehr angezogen hat, weil der niedrige Kurs die Preise von Importgütern und Rohstoffen verteuert hat. So waren die US-Konsumentenpreise im Juli 5,6 Prozent höher als zwölf Monate zuvor - der grösste Anstieg seit 17 Jahren. Finanzexperten halten es für möglich, dass der nun gesunkene Inflationsdruck die Notenbank davon abhalten wird, den Leitzins in naher Zukunft zu erhöhen - was bis vor kurzem zwecks Inflationsbekämpfung noch als ziemlich wahrscheinlich erachtet wurde, trotz der Kreditkrise.

Doch der stärkere Dollar bereitet der boomenden Exportindustrie auch Bauchschmerzen. Sie ist es, welche die US-Wirtschaft in den letzten Krisenmonaten etwas stabilisiert hat. Nur dank ihres robusten Wachstums von 9 Prozent war die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal nicht negativ. Nun aber, wo sich amerikanische Güter fürs Ausland wieder verteuern, dürfte die Nachfrage deutlich sinken. Analysten gehen aber noch immer davon aus, dass US-Produkte attraktiv geblieben sind, ist die Währung doch weit von jener Stärke entfernt, die sie zu Beginn des Jahrzehnts hatte. Im Vergleich zum Oktober 2000 steht der Dollar gegenüber dem Euro noch immer 44 Prozent tiefer. Zudem sehen Spezialisten weiterhin grosses Potenzial für Exporte in Entwicklungsländer.

Hedge Funds im Tief

Den stärkeren Dollar unmittelbar zu spüren bekommen haben die Hedge Funds. Sie erlebten im Juli den schlechtesten Monat seit acht Jahren. Im Schnitt haben sie 2,8 Prozent verloren, fast dreimal mehr als der Rest der Börse. Die grössten Verlierer waren jene Hedge Funds, die auf Preisentwicklungstrends setzten. Viele wetteten darauf, dass der Dollar weiter sinke und die Rohstoffpreise weiter steigen.

Auch für international tätige US-Unternehmen ist die Entwicklung eher ungünstig. Ihre im Ausland verdienten Gewinne sind zu Hause weniger wert. Allerdings sind ihre Verluste an der Börse begrenzt. Denn der stärkere Dollar ist für US-Aktien tendenziell positiv, weil sie für ausländische Investoren wieder interessanter werden. Diese bekommen mehr Geld, wenn sie die Dollar-Gewinne in ihre Heimwährung umwechseln. Hingegen profitieren die Ausländer weniger von den gefallenen Rohstoffpreisen, da diese in der Regel in Dollar beglichen werden müssen, der für sie teurer geworden ist.

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