Star Wars im Streaming-Markt

Ab November machen Apple und Disney dem Marktführer Netflix mit Kampfpreisen das Leben schwer. Nun will auch die SRG einsteigen.

Phoebe Waller Bridge nimmt den Emmy für die beste Comedy-Serie «Fleabag» in Empfang. Foto: Wire Image

Phoebe Waller Bridge nimmt den Emmy für die beste Comedy-Serie «Fleabag» in Empfang. Foto: Wire Image

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Im Markt der Streaming-Plattformen herrscht Ruhe vor dem Sturm. Allerdings gibt es erste Anzeichen des erbitterten Kampfes, der dort in den nächsten Monaten geführt werden wird: Netflix verliert erstmals Abonnenten und Lizenzen für Fremdproduktionen. Und bei der Verleihung der Emmy Awards am vergangenen Wochenende musste der Platzhirsch für einmal Amazon mit der Comedy-Serie «Fleabag» an sich vorbeiziehen lassen.

Im November starten Apple und das Filmstudio Disney mit eigenen Videostreamingdiensten. Im kommenden Frühling wird auch das Hollywood-Studio Warner mit HBO Max um einen Platz kämpfen. Später im Jahr wird das Medienunternehmen NBC Universal ebenfalls mit einem Konkurrenzservice namens Peacock auftreten.

Immer mehr Anbieter müssen sich das gleichbleibende Budget der Kunden teilen.

Sie alle wollen sich vom Kuchen ein Stück holen, der in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist – und weiterhin wächst, von 40 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr auf 102 Milliarden, wie die Finanzwebsite Marketwatch schreibt. Vor drei Jahren nutzten weltweit noch 290 Millionen Abonnenten einen Video-on-Demand-Dienst, 2021 sollen es bereits 650 Millionen sein, sagen Marktforscher von IHS Markit voraus. Profitiert hat vor allem Marktführer Netflix, der laut dem Statistikportal Statista heute mit 152 Millionen mehr als dreimal mehr Abonnenten zählt als vor fünf Jahren.

Ein Jahr gratis bei Apple

Es gibt indes nicht nur positive Voraussagen. Statista rechnet für 2023 mit einem durchschnittlichen Erlös von 20,13 Euro pro Nutzer – derzeit liegt er noch bei 20,56 Euro. Das heisst: Immer mehr Anbieter müssen sich das gleichbleibende Budget der Kunden teilen. Beruhigend mag da das Ergebnis einer Studie der Marktforschungsfirma Magid wirken. Sie hat ermittelt, dass Nutzer bereit sein sollen, bis zu sechs Streamingdienste zu abonnieren.

So zeigt sich schon jetzt, dass der Kampf auch über den Preis ausgetragen wird. Wenn am 1. November Apple mit dem Dienst TV+ loslegt und ausschliesslich auf Eigenproduktionen setzt, will es für sein Streamingangebot 6 Franken im Monat. Netflix verlangt heute das Doppelte. Doch nicht genug: Bei Apple ist das erste Jahr für alle Kunden gratis, die ein neues Apple-Gerät kaufen.

Nicht einmal zwei Wochen später, am 12. November, steigt auch Disney in den Ring. Der Dienst Disney Plus startet zunächst in den USA, Kanada und den Niederlanden, im Frühling soll es im restlichen Europa mitsamt der Schweiz so weit sein. Das mit 250 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung wertvollste Medienunternehmen der Welt bietet Eigenproduktionen an, die bis ins Jahr 1920 zurückreichen, und profitiert vom Film­archiv von 20th Century Fox, das sich Disney im Frühling für 70 Milliarden Dollar zugekauft hat.

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«Avatar», «Die Simpsons», «Star Wars» – noch sind alle Disney-Inhalte auch auf anderen Streamingdiensten zu sehen. Aber das Studio zieht sie alle ab; auch Netflix muss künftig darauf verzichten. Die Hollywood-Studios wollen die Kunden künftig direkt an sich binden, um von Amazon und Netflix unabhängig zu sein. Zwischenhändler fallen weg, das zeigt sich im Preis: Mit 6,99 Dollar im Monat verlangt auch Disney deutlich weniger als Netflix.

Das hat Folgen: Im Sommer zeigte der erfolgsverwöhnte Marktführer erstmals Schwäche und musste einen Rückgang der Nutzerzahlen vermelden. Der Aktienwert fiel seither um mehr als 20 Prozent, und bei der Verteilung der Primetime-Emmys am vergangenen Wochenende ging nicht Netflix, sondern Amazon Prime als Sieger vom Platz.

Netflix-Mitgründer und -Chef Reed Hastings zeigt sich von all dem unbeeindruckt. Er sieht keinen Grund, seine Strategie zu ändern und die Preise anzupassen. Tatsächlich steht seine Firma immer noch top da. Hastings startet mit einem riesigen Vorsprung, kennt das Video-on-Demand-Geschäft von Grund auf, hat Erfahrung mit Eigenproduktionen, für die er auf einen immensen Datenberg zurückgreifen kann. Seit Jahren misst und analysiert Netflix haargenau die Sehgewohnheiten und Interessen seiner Abonnenten und stimmt seine Inhalte darauf ab.

Die Kleinen habens schwer

15 Milliarden Dollar hat Netflix in diesem Jahr für Eigenproduktionen budgetiert. Drei davon feiern diese Woche am Zurich Film Festival Premiere, darunter «The Laundromat» mit Meryl Streep. Zum Vergleich: Amazon und Apple geben je 6 Milliarden US-Dollar für Eigenproduktionen aus, Disney 1 Milliarde.

Deutlich grössere Probleme dürften die kleineren Wettbewerber im Streaming-War haben. In der Schweiz sind das Angebote von UPC, Hollystar, Sky oder Swisscom. Sie liegen mit Monatsabos ab 12.90 Franken beziehungsweise mit 5 Franken im Schnitt für einen einzelnen Film klar über den neuen Kampfpreisen von Apple und Disney. Zudem verfügen sie über ein viel geringeres Angebot an Inhalten. Für Eigenproduktionen fehlen Mittel und Wissen. Nichtsdestotrotz versucht sich UPC als Produzentin und stellt am Zurich Film Festival die zweite Serien-Co-Produktion «The Feed» vor.

«Ich rechne damit, dass Netflix die Rolle des Platzhirsches verlieren wird.»Oliver Schütte, Publizist

Obwohl die Grossen mit kleinen Preisen trumpfen, wollen Swisscom & Co. an ihren Angeboten und Preisen festhalten. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis die Ersten ihre Videodienste streichen: «Langfristig wird sich der Einsatz für sie nicht lohnen», schätzt der Publizist Oliver Schütte, dessen Buch «Die Netflix-Revolution» vergangene Woche erschienen ist.

Besser sieht es für die SRG aus. Im Herbst 2020 will auch sie mit einer digitalen Plattform starten und dort eigene Schweizer Inhalte in allen Landesteilen anbieten. Die Nutzung wird kostenlos sein, da sie über die jährliche Radio- und Fernsehabgabe abgegolten wird. Deshalb wird das Nischenportal auch in fünf Jahren noch präsent sein, ebenso die Dienste der Giganten Amazon, Disney und Apple. Besonders schwer dürfte langfristig Netflix zu kämpfen haben. «Ich rechne damit, dass Netflix die Rolle des Platzhirsches verlieren wird», sagt Schütte.

Gewinner sind die Kunden. Dank dem harten Wettkampf sinken die Preise, bei immer mehr und besseren Filmen und Serien. Andererseits droht eine unübersichtliche Aufspaltung des Angebots. Fragen wie «Wo finde ich welche Serie?» und «Wie viele Abos will ich mir leisten?» werden sie künftig begleiten.

Erstellt: 25.09.2019, 20:54 Uhr

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